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Im Interview: Michael Luidold

von Karlheinz Lind

Landesforstdirektor Michael Luidold über ein spannendes Zukunftsprojekt für die steirischen Wälder und die Zukunft der Forstwirtschaft.

NEUES LAND: In diesen Tagen wird das Projekt „Dynamische Waldtypisierung“ in Graz präsentiert. Was kann man sich darunter vorstellen?

Landesforstdirektor Michael Luidold: Mit dem vom Land Steiermark beauftragten Forschungsprojekt „Dynamische Waldtypisierung“ wird eine auf den Standort und die klimatischen Einflüsse angepasste Planungs- und Beratungsgrundlage für die Waldbewirtschaftung in der Steiermark zur Verfügung gestellt. Damit kann erstmalig für jeden einzelnen Waldstandort unter Berücksichtigung unterschiedlicher Klimaszenarien für den Zeithorizont bis 2070 bis 2100 eine gezielte Aussage über die Eignung von bis zu 40 unterschiedlicher Baumarten getroffen werden. Die Empfehlungen gehen dabei über die bisher schon heimischen Baumarten hinaus und berücksichtigen auch fremdländische Baumarten wie zum Beispiel Douglasie, Roteiche, Libanonzeder, Mannaesche und viele mehr.

 

NL: Warum wurde dieses Projekt ins Leben gerufen?

Luidold: Die steirische Waldfläche erstreckt sich vom Subillyrischen Alpenvorland in der kollinen Höhenstufe (200 Meter Seehöhe) bis in den subalpinen Bereich auf 2500 Meter Seehöhe. Diese große Höhenamplitude und die unterschiedlichen geomorphologischen Eigenschaften der Steiermark führen zu zahlreichen, verschiedenen Waldtypen und Baumartengesellschaften. Sechzig Prozent der steirischen Wälder erbringen zusätzliche Leistungen für die Öffentlichkeit wie etwa der Schutz vor Naturgefahren oder die Sicherstellung der Trinkwasserversorgung, deren Sicherung von besonderer Bedeutung ist.

Betrachtet man die klimaabhängigen Änderungen der Standortbedingungen, zeigen die langfristigen Aufzeichnungen, dass sich die Jahresdurchschnittstemperaturen in der Steiermark zuletzt stärker als im globalen Durchschnitt verändert haben. Und sie werden sich auch weiter stärker verändern, dies bei zunehmenden Trockenperioden insbesondere im Süden und Osten der Steiermark.

Erschwert wird die Situation, dass die stärker betroffenen Regionen in der Steiermark durch eine ausgeprägte Kleinbesitzstruktur gekennzeichnet sind. Meist sind es Eigentümer, die mit der Land- und Forstwirtschaft nicht mehr so eng verbunden sind. Damit war auch eine wesentliche Anforderung an das nun abgeschlossene Projekt verbunden, nämlich die wissenschaftliche Komplexität des Themas so aufzubereiten, dass die Ergebnisse auch für jede Waldbesitzerin, jeden Waldbesitzer über ein einfach zu handhabendes Instrument genutzt werden kann. Daneben werden die umfangreichen Datengrundlagen und Ergebnisse auch forstlichen Fachleuten zur Implementierung in ihre forstbetrieblichen EDV-Systeme zur Verfügung gestellt.

 

NL: Wie ist man vorgegangen, um dieses praxistaugliche Instrument zu entwickeln?

Luidold: Für die zu erstellende Waldtypenkarte konnten auf Grundlage der teilweise punktuell vorliegenden Daten und der zur Verfügung stehenden Flächendaten-Themenkarten für die Faktoren Klimazone, Wasserhaushalt und Basenstufe modelliert werden. Diese wurden zu Waldtypen zusammengefasst und auf einer digitalen Standortskarte dargestellt. Auf Basis von zusätzlichen terrestrischen Erhebungen zu Boden und Vegetation, der Kartierung des geologischen Ausgangssubstrates und der Klassifizierung der Substrate erfolgte eine Regionalisierung von Standortsdaten. Die Verknüpfung mit regionalisierten Klimadaten (historische und zukünftige Bedingungen) ermöglichte die „dynamische Waldtypisierung.

Dadurch war es möglich, den Bodenwasserhaushalt, den Gesamtwasserhaushalt, den Wärmehaushalt sowie den Nährstoffhaushalt jedes Waldstandorts dynamisch – das heißt für unterschiedliche Zeitpunkte in der Zukunft (bis Ende des 21. Jahrhunderts) – zu modellieren und damit die Baumarteneignung auf den unterschiedlichen Waldstandorten abzuschätzen.

 

NL: Welchen Nutzen können die steirischen Waldbesitzer daraus ziehen?

Luidold: Jeder einzelne Waldbesitzer kann auf die Ergebnisse der „dynamischen Waldtypisierung“ zugreifen. Entweder über den „Digitalen Atlas“ des Landes Steiermark (www.gis.steiermark.at) oder über den „Waldbauberater“ der Landwirtschaftskammer (www.waldbauberater.at). Damit kann zum aktuellen Zeitpunkt aber auch zu zwei in der Zukunft liegenden Zeitscheiben (2035-2065 und 2070-2100) für jeden Waldstandort die jeweilige Baumarteneignung abgerufen werden. Es wird dadurch die Entscheidung nicht nur für die Baumartenwahl im Zuge von Aufforstungen, sondern auch für jeglichen waldbaulichen Eingriff in jeder Bestandesphase, enorm erleichtert.

 

NL: Wie schätzen Sie die Folgen des Klimawandels auf die steirische Forstwirtschaft ein?

Luidold: Der Klimawandel ist nicht nur in aller Munde, sondern für viele Waldeigentümer bereits massiv wahrnehmbar. Sei es durch die Häufung von Naturkatastrophen, Hitze- und Trockenperioden und dadurch bedingte Borkenkäfermassenvermehrungen. Durch die Verschiebung der Klimazonen des Landes wird die Eignung für manche Baumarten insbesondere Fichte in Teilen der Steiermark abnehmen, einige Baumarten wie beispielsweise Eiche und Tanne werden ihre Verbreitung hinsichtlich der Eignung vergrößern können. Zumal ein großflächiger Waldumbau im raschen Tempo der Klimaveränderung nicht machbar ist, braucht es eine standörtliche Differenzierung, welche mit den vorliegenden Ergebnissen des Projektes „Dynamische Waldtypisierung“ nun auch möglich ist.

 

NL: Immer öfter fordern NGOs die Außer-Nutzung-Stellung von Forstflächen. Wie stehen Sie dazu?

Luidold: Wir wissen aus wissenschaftlichen Studien der Universität für Bodenkultur, dass ein bewirtschafteter Wald mehr CO2 speichert, als ein unbewirtschafteter Wald. Dies insbesondere auch unter dem Aspekt, dass die Verwendung des nachhaltigen, nachwachsenden Rohstoffes Holz erdölbasierte Rohstoffe substituieren kann. Damit wird ein wesentlicher Beitrag zum Klimaschutz geleistet und ich stehe daher dem Thema großflächiger Außer-Nutzung-Stellung von Forstflächen sehr kritisch gegenüber.

 

NL: Der Druck der Freizeitsportler, insbesondere der Mountainbiker wird ständig größer. Wie lange kann dem noch entgegengewirkt werden?

Luidold: Hier gilt es den flächigen Druck der Freizeitsportler aus der Fläche zu nehmen, indem einerseits gezielte Angebote für Freizeitsportler geschaffen werden und andererseits auch Spielregeln, wie die Einhaltung von Wildruhezonen, verbindlich vereinbart werden. Ergänzend ist das Bewusstsein zu schaffen, dass bei jeglicher Art von Freizeitaktivitäten diese nicht immer und überall in Hinblick auf die erforderliche Rücksicht auf Tiere und Pflanzen und das Eigentumsrecht möglich beziehungsweise erlaubt sind.

 

NL: Wo sehen Sie die größten Zukunftschancen der steirischen Forstwirte?

Luidold: Mit einer nachhaltigen, zukunftsorientierten Waldbewirtschaftung sichern wir den nachwachsenden Rohstoff Holz. Ich bin überzeugt davon, dass der Wert- und Rohstoff Holz insbesondere unter dem Aspekt des Klimaschutzes und auch im Sinne der Bioökonomie in Zukunft an Bedeutung gewinnen wird. Gerade in Zeiten der Energiewende beziehungsweise auch wie aktuell in Fragen der Energieautarkie kann der Wald einen wichtigen Beitrag leisten.

Zur Person:

  • Landesforstdirektor Hofrat Michael Luidold hat an der Universität für Bodenkultur das Studium der Forstwirtschaft sowie jener der Wildbach- und Lawinenverbauung absolviert.
  • Seit 1999 ist Luidold beim Amt der Stermärkischen Landesregierung beschäftigt, seit 2012 ist er Landesforstdirektor.
  • Luidold ist verheiratet und Vater von zwei Kindern.
  • Zu seinen Hobbys Wandern, Tourenschilauf, Segeln und natürlich die Jagd

Beitragsfoto: Land Steiermark

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