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Im Interview: Hans Seitinger

von Karl Brodschneider

Bauernbund-Landesobmann Hans Seitinger über harte Verhandlungen, politische Erfolge, die Pandemie sowie über zukünftige Vorhaben.

 

NEUES LAND: Das heurige Jahr war auch für die Bauernfamilien eine große Herausforderung. Wie sieht Ihr Resümee für 2021 aus?

Hans Seitinger: Ja, tatsächlich hat uns das heurige Jahr sehr gefordert. Die GAP war auszuverhandeln, die Märkte spielten total verrückt und politische Turbulenzen waren wie ein Wechselbad der Gefühle. Dazu kommen noch unzählige gesetzliche Veränderungen, die auf Schiene gebracht wurden und auch die COVID-Pandemie ist nach wie vor nicht ausgestanden.

 

NL: Welche Erfolge kann der Bauernbund im zu Ende gehenden Jahr für sich verbuchen?

Seitinger: In Summe konnten wir als Bauernbund viel erreichen und auch so manche Bedrohung von unseren Bauernfamilien abwenden. Denn die Abwehr von Eingriffen in bäuerliches Eigentum ist oft genauso schwierig wie das Verhandeln von Gesetzen und der notwendigen Unterstützungen für den Bauernstand.

 

NL: Auf welcher Ebene gestaltet sich die Arbeit besonders hart. In der EU, im Bund oder im Land?

Seitinger: Überall gilt es harte Bretter zu bohren und um Verständnis für bäuerliche Anliegen zu werben. Das hängt weniger von der Ebene ab als von den jeweiligen Themen. Man kann ja schließlich nicht immer davon ausgehen, dass die andere Seite die gleichen Ansichten hat wie wir. Bei einigen Punkten konnten wir wichtige Überzeugungsarbeit leisten. Aber entscheidend ist, dass man miteinander im Gespräch bleibt und da möchte ich auch unserem Koalitionspartner im Land danken, denn gemeinsam konnten wir wesentliche Verbesserungen für unsere Bauernfamilien erwirken.

 

NL: Im Zuge der Pandemie ist auch die Bedeutung der Versorgungssicherheit gestiegen. Wie sehr hilft das den Bauern?

Seitinger: Sehr viel! Endlich sind unsere wahre Kraft und Leistung deutlich sichtbar geworden. Daran müssen wir mit aller Kraft weiterarbeiten.  Mittlerweile wissen weite Teile der Bevölkerung, welche Bedeutung die Versorgungssicherheit mit Lebensmittel und Energie hat. Auf beiden Ebenen haben die Bauern die Karten in der Hand und zwar mit einigen Assen. Wir müssen sie aber auch ausspielen. Das ist unsere große Chance.

 

NL: Apropos ausspielen – die GAP scheint ein sehr hartes Match zu sein, wie geht es da weiter?

Seitinger: Diese Verhandlungen waren tatsächlich lebensverkürzend. Es braucht ja letztlich eine Einstimmigkeit innerhalb der Länder. Und es ist für einen Dackel leichter ein Pferd zu gebären, als unter allen Länder- und Interessensgruppen einen gemeinsamen Zugang zur GAP zu finden. Jetzt gibt es endlich auch die Einigung innerhalb der Bundesregierung für das Paket, das nun – so hoffe ich es – ohne allzu große Umbauten dann den Nationalrat und die EU-Kommission passieren wird.

 

NL: Wie beurteilen Sie die Bewältigung der Pandemie?

Seitinger: Hier blutet mir das Herz, denn gewiss wurden in Österreich auch Fehler im Corona-Management gemacht – so wie in jedem anderen Land auch. Ein wirksames Rezept gegen die Pandemie hatte niemand im Kasten. Aber wichtig ist, dass aus den Fehlern gelernt und die Dramatik von Corona nicht unterschätzt wird – sowohl für die Gesundheit als auch für den Zusammenhalt.  Wenn dann manche aus Menschenleben politisches Kapital schlagen wollen, ist das Maß voll. Reichen wir uns doch die Hände und vertrauen wir der Wissenschaft, die seit Jahrhunderten auf Fakten beruht.

 

NL: Wird die Bundesregierung bis zum Ablauf der Periode halten? Wie ist Ihre Prognose?

Seitinger: Ich hoffe es sehr, denn in dieser herausfordernden Zeit instabile Verhältnisse zu haben, kann einen politischen Super-GAU auslösen. Wer damit spekuliert, weiß nicht, was er tut. Was dabei für uns Bauern auf dem Spiel stünde, wage ich gar nicht zu denken.

 

NL: Ein Blick in die Zukunft. Was wird sich morgen verändern, wo wird der Bauernbund besonders aktiv sein müssen?

Seitinger: Wie heißt es: „Nichts ist so beständig, wie die Veränderung.“ Das gilt auch für die Land- und Forstwirtschaft. Wir haben uns im Bauernbund große Ziele gesetzt, um unsere bäuerlichen Existenzen abzusichern. Das reicht von konsequenten Maßnahmen im Bereich der Märkte, insbesondere was unlautere Praktiken anbelangt, bis hin zur Großküchenbelieferung. Auch der Einzug der Digitalisierung auf unseren Höfen wird uns ebenso begleiten wie verstärkte Forschungsinitiativen im Holzbereich. Bedeutend ist, dass wir die Dynamik und den Blickwinkel unserer Jungbauern nutzen, denn sie sind es, die unsere Zukunft gestalten. Dazu gehört auch der Kampf gegen den Klimawandel, den wir Bauern entschlossen führen, denn im Gegensatz zu Billigimporten ist die heimische Landwirtschaft kein Klimasünder, sondern Klimaschützer.

 

NL: Ein Jahr geht zu Ende, ein neues kommt. Eines mit Zuversicht und Hoffnung?

Seitinger: Dafür gilt es im Bauernbund hart zu arbeiten. Wir müssen beherzt und mit Mut an unsere Herausforderungen herangehen und es werden sich viele Chancen auftun. Davon bin ich überzeugt. Tausend Dank allen, die sich für unsere Bauernfamilien täglich einsetzen, besonders im Bauernbund.

Beitragsfoto: Streibl

Was hat der Bauernbund erreicht?

  • EU-Gelder für bäuerliche Leistungsabgeltungen gesichert
  • Waldfonds: 350 Millionen Euro für unsere Waldbauern
  • Sonderunterstützung für den Holzmarkt und die Holzbauoffensive
  • Umfangreiche Coronahilfen für alle Betriebssparten
  • Besserstellung bei Pauschalierungsgrenzen
  • Wesentliche Tarifabsenkungen bei der Sozialversicherung
  • Erhöhung des Familienbonus
  • Befreiung des Agrardiesels von CO²-Steuern
  • Verbesserungen in der Raumordnung und Baugesetzgebung
  • Massive Forschungsunterstützung für Klimawandel-Anpassung
  • Gründung des bäuerlichen Versorgungsnetzwerkes für Großküchen
  • Unterstützung der Bio-Landwirtschaft
  • Förderung von bäuerlichen Erzeugergemeinschaften
  • Einrichtung einer Rechtsstelle gegen unlautere Marktpraktiken
  • Abwehr von massiven Eingriffen ins Eigentum

 

Dafür kämpft der Bauernbund weiter:

  • Ermöglichung bäuerlicher Investitionen in Tierschutz und Betriebserweiterung
  • Starke Einbindung der Land- und Forstwirtschaft in die Energiepolitik der Zukunft
  • Unterstützung beim Erhalt unserer Lebensräume
  • Soziale Leistungen im ländlichen Raum, etwa für Schülerfahrten oder Pflege
  • Sicherung der Gesundheitsversorgung am Land
  • Erhaltung unserer Infrastruktur

 

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