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Im Interview: Markus Lukas

von Karlheinz Lind

Als erster Steirer ist Markus Lukas nun Obmann der Österreichischen Geflügelwirtschaft. Kürzlich stand er NEUES LAND Rede und Antwort.

NEUES LAND: Bei der letzten Jahrestagung der Zentralen Arbeitsgemeinschaft der Österreichischen Geflügelwirtschaft (ZAG) in Bludenz wurden Sie einstimmig zum neuen Obmann gewählt. Welche Akzente wollen Sie setzen?

Markus Lukas: Mir ist es wichtig zu kommunizieren, dass die österreichische Geflügelbranche in Punkto Tierschutz und Tierwohl eine absolute Vorreiterrolle einnimmt. Denn der Konsument greift beim Kauf von heimischen Produkten zu bester Qualität. Ein weiteres Anliegen ist mir, dass die österreichische Geflügelwirtschaft energieautark wird.

Herausforderungen

NL: Wie geht es der heimischen Geflügelbranche?

Lukas: Derzeit ist die Lage zweigeteilt. Im konventionellen Mastbereich geht es den Produzenten gut. Probleme gibt es hingegen im Legehennen- und Putenbereich, hier stehen die Segel auf Halbmast. Dies gilt ebenfalls für den Biobereich. Der Grund dafür ist bei Pute und Bio im höheren Preisgefüge zu sehen. Hier wirkt sich die geschwächte Kaufkraft, verursacht durch die stark gestiegenen Lebenserhaltungskosten, massiv aus. Dies bereitet uns Kopfzerbrechen, denn der Absatz bricht in diesen Segmenten regelrecht ein. Deshalb mussten wir die Putenproduktion bereits zurückfahren, derzeit sind 25 Prozent weniger Tiere eingestallt. Unsere Vermarkter und die Schlachtbetriebe laufen bereits im Kreis, um unsere Puten noch gut am Markt unterzubringen.

 

NL: Wie sehen Sie die Entwicklung der stark gestiegenen Futter- und Energiekosten?

Lukas: Das ist für die gesamte Branche katastrophal, denn diese Mehrkosten können durch derzeitige Produkterlöse in keiner Weise hereingebracht werden. Bei Futter, Strom, Treibstoff, Heizung und Schlachtung gab es enorme Preissteigerungen. Das alles kann nur durch höhere Produktpreise abgefedert werden. In der Vermarktung das richtige Maß zu finden, ist eine hohe Kunst. Die Produkte müssen für den Konsumenten ja noch leistbar bleiben.

 

NL: Nochmals zurück zum Tierschutz. Wie unterscheiden sich die heimischen Geflügelbauern in ihrer Produktionsweise von Berufskollegen im restlichen EU-Raum?

Lukas: Wir sind hier eindeutig Weltmeister. Diese strengen Vorgaben zur GVO-freien Fütterung, Besatzdichte, Tageslicht und vieles mehr werden nur in Österreich eingehalten. Und genau diese Vorreiterposition in der heimischen Geflügelwirtschaft wollen wir auch weiter ausbauen. Ich bekenne mich zu einer wirtschaftlich rentablen, Qualitätsphilosophie bei Eiern und Geflügel. Auch die Weiterentwicklung von nachhaltigen Programmen im Interesse von Bauern, Tieren, Umwelt und Konsumenten steht im Fokus. Natürlich dürfen wir dabei auch nicht übertreiben. Noch höhere Standards würden die Geflügelwirtschaft und somit auch die Eigenversorgung gefährden.

 

NL: Wie sieht es beim Eierabsatz aus?

Lukas: Der Personalmangel in der Gastronomie bereitet auch uns große Probleme. Viele Tourismusbetriebe haben eingeschränkte Öffnungszeiten und bieten oft gar nur mehr Frühstück an. All das führt dazu, dass auch der Eierabsatz massiv gesunken ist. Im Gespräch mit Tourismusverantwortlichen habe ich erfahren, dass diese Branche mit Umsatzrückgängen in der Höhe von 20 bis 30 Prozent zu kämpfen hat.

 

NL: Wie kann man Konsumenten dazu bewegen, wieder vermehrt zu heimischen Geflügelprodukten zu greifen?

Lukas: Österreich ist nach wie vor kein armes Land. Gemeinsam mit der Agrarmarkt Austria Marketing werden wir die Werbemaßnahmen für heimische Produkte forcieren. Ich bin davon überzeugt, dass es auch beim Kaufverhalten wieder eine Änderung geben wird. Herr und Frau Österreicher werden wieder vermehrt zu heimischen Produkten greifen und dafür sorgsamer damit umgehen. Früher wurde viel gekauft und leider landetet davon auch wieder viel im Müll. Menschen kaufen jetzt wieder bewusster ein. Außerdem sind auch Produkte aus dem Ausland wesentlich teurer geworden. Sie kämpfen ja mit den gleichen Herausforderungen wie wir.

 

NL: Wo sehen Sie die größten Errungenschaften in der heimischen Geflügelwirtschaft?

Lukas: Das Schreddern der männlichen Geschwister der Legehennen wird in Österreich mit 1. Jänner 2022 nicht mehr angewendet. Damit ist uns ein 1000-Gulden-Wurf gelungen, der bereits in vielen anderen Ländern genau beobachtet wird. So hat bereits Frankreich angekündigt, dieses Modell übernehmen zu wollen.

 

NL: Was passiert nun mit diesen Küken?

Lukas: Zoos, Reptilienhäuser und Greifvogelorganisationen sind nun die neuen Partner der Geflügelwirtschaft. Die männlichen Küken werden dort für die Fütterung von Tieren eingesetzt. Ein Küken liefert bei der Verfütterung die Energie von zwei Mäusen.

 

NL: Stichwort Russland-Ukraine-Krieg. Welche Folgen haben diese Kriegswirren auf die Geflügelbranche?

Lukas: Uns wurde in den letzten Wochen und Monaten klar vor Augen geführt, wie wichtig die Selbstversorgung im eigenen Land ist. Wir müssen die Abhängigkeit von anderen Ländern so schnell als möglich reduzieren. Dies gilt für den Lebensmittel-, Futtermittel- und eben auch den Energiebereich. Deshalb ist es auch die Pflicht der österreichischen Politik, die Rahmenbedingungen für diese Selbstversorgung zu schaffen. Deutschland ist hier bereits viel weiter. So etwa plant der Staat den Ankauf von Mais und Getreide, um die Inlandsversorgung abzusichern. Sollte es zu einer Gasknappheit kommen, muss auch der Lebensmittelproduktion beziehungsweise Verarbeitung der Vorzug gegeben werden.

Zur Person

  • Der 48-jährige Markus Lukas stammt aus Bad Radkersburg, ist Tischlermeister und absolvierte als Quereinsteiger den landwirtschaftlichen Facharbeiter.
  • Seit 2015 bewirtschaftet Lukas einen Geflügelmastbetrieb in Mureck.
  • Seit 2018 engagiert er sich als Obmann der Geflügelmastgenossenschaft GGÖ, Obmann der ZAG-Servicestelle für die nachhaltige Beschaffung von Eiern und Geflügel (SNEG) sowie als Landeskammerrat in der Landwirtschaftskammer Steiermark.

Beitragsfoto: ZAG/Bernhard Rogen

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