Im Interview: Reinhard Pfleger

von Karlheinz Lind

Reinhard Pfleger, Geschäftsführer von Fleckvieh Austria, über die Vorzüge dieser gerade in der Steiermark beliebten Zweinutzungsrasse.

NEUES LAND: Vor rund acht Monaten wechselten Sie von der Rinderzucht Steiermark zu Fleckvieh Austria, wo Sie nun als Geschäftsführer tätig sind. Haben Sie sich in Ihrer neuen Funktion schon eingelebt?

Reinhard Pfleger: Dem Schritt, ein Angebot einer bundesweiten Führungsfunktion anzunehmen, ist ein langer und reiflicher Prozess der Überlegung vorausgegangen – mit dem Entschluss die Herausforderung anzunehmen. Die ersten Monate waren geprägt von intensivem Kontakt mit den Verantwortungsträgern der Mitgliedsorganisationen von Fleckvieh Austria in allen Bundesländern. Wichtig waren auch die ersten Gespräche mit den Verantwortlichen in der europäischen Vereinigung der Fleckviehzüchter. Hier arbeiten wir speziell mit Deutschland und Tschechien durch die gemeinsame Zuchtwertschätzung intensiv zusammen. Gleichzeitig waren organisatorische Entscheidungen durch die Verlegung des Sitzes der Fleckvieh Austria nach Wien sowie die Neuaufstellung eines Teams aufgrund mehrerer Pensionierungen zu treffen.

 

NL: Wie würden Sie Ihre Tätigkeit bei Fleckvieh Österreich beschreiben?

Pfleger: Fleckvieh Austria ist die Interessensvertretung der österreichischen Fleckviehzucht. Hinter Fleckvieh Austria stehen elf Mitgliedsorganisationen in acht Bundesländern mit über 14.000 Zuchtherden und über 1,4 Millionen Tieren, was mehr als drei Viertel des österreichischen Rinderbestandes entspricht. Es gibt weltweit kein Land, das einen höheren Anteil an Fleckviehtieren hat als Österreich. Umso wichtiger ist es, die Vorzüge der Doppelnutzungsrasse Fleckvieh und die Qualitätsarbeit seiner Zuchtbetriebe bei Politik und landwirtschaftlicher Interessensvertretung zu positionieren. Meine Aufgabe ist auch die Koordination des Zuchtprogramms Fleckvieh Austria sowie der intensive Austausch mit der Wissenschaft in der Umsetzung von zukünftig notwendigen Forschungsprojekten.

 

NL: Sie sind als echter Profi in der Rinderzucht bekannt. Welche Vorteile brachten und bringen Ihre Erfahrungen in Ihrem neuen Aufgabengebiet?

Pfleger: Ich bin dankbar für die Möglichkeiten, die mir von meinem langjährigen Arbeitgeber der LK Steiermark als Rinderzuchtberater und später als Geschäftsführer der Rinderzucht Steiermark geboten wurden. Durch die langjährige Tätigkeit in der Betreuung der Fleckviehzuchtbetriebe in der Oststeiermark und meine züchterische Tätigkeit am Heimbetrieb weiß ich genau, welche Herausforderungen jeden Tag von den Bäuerinnen und Bauern zu meistern sind. Als Geschäftsführer der Rinderzucht Steiermark konnte ich wertvolle Erfahrungen in den Bereichen Unternehmens- und Personalführung sowie im Zuchtviehgeschäft sammeln. Als Preisrichter für Fleckvieh durfte ich die Rinderzucht in anderen Ländern der Welt kennenlernen. Diese Erfahrungen sollten mir in der Bewältigung der künftigen Aufgaben ein solides Fundament geben.

 

NL: Wie steht die österreichische Fleckviehzucht im internationalen Vergleich da?

Pfleger: Fleckvieh hat in Österreich in den letzten zehn Jahren eine sehr erfolgreiche Entwicklung genommen. Die Herdebuchkuhzahl stieg stark an, die Leistungsfähigkeit in der Milchproduktion konnte deutlich gesteigert werden, ohne in der Mastfähigkeit der männlichen und weiblichen Nachkommen Einbußen zu erleiden. In der Königsdisziplin der Rinderzucht, der Lebensleistung nach Fett und Eiweißmenge, nimmt Fleckvieh heuer erstmalig die Spitzenposition aller Rassen in Österreich ein. Mit über vier Kälbern je Kuh und Leben schaffen unsere Fleckviehzüchter im internationalen Vergleich einen Top Wert. Der Joker der Rasse Fleckvieh ist die Fähigkeit, hochwertig und effizient Milch und Fleisch mit Tieren aus der Reinzucht zu produzieren. Auch in der Umwelteffizienz der Produktion schneidet Österreich dank dem hohen Fleckviehanteil hervorragend ab. Nicht zuletzt die Tatsache, dass die Forcierung der Doppelnutzung bei Rind und Geflügel erstmals auch Teil des österreichischen Regierungsprogramms ist, bestätigt, dass die Zuchtausrichtung des Fleckviehs auf Nachhaltigkeit und Ressourceneffizienz auch hohe gesellschaftliche Akzeptanz findet.

 

NL: Worauf sind Sie bei den steirischen Fleckviehzüchtern besonders stolz?

Pfleger: Mit Stolz stelle ich fest, dass die steirischen Fleckviehzüchter im nationalen Vergleich Taktgeberfunktion in vielen Bereichen des Zuchtprogrammes einnehmen und auch der internationalen Fleckviehszene hohe Anerkennung genießen. Genetik aus der Steiermark ist international gefragt und kann sich zunehmend als Marke positionieren. Die steirischen Zuchtbetriebe zeichnet Offenheit für moderne Zuchtmethoden und Motivationsfähigkeit, Neues in ihre züchterische Arbeit zu integrieren, aus. Auch wenn es darum geht, Betriebe für Forschungsprojekte zu gewinnen, fällt die Steiermark durch einen hohen Anteil fortschrittlich denkender Betriebsführer auf. Der alljährlich von Fleckvieh Austria veranstaltete Wettbewerb „Züchter des Jahres“ zeichnet Betriebe aus, die züchterische Qualität mit bestem Management verbinden. 2021 konnte sich die steirische Fleckviehzucht über einen Doppelsieg freuen.

 

NL: Apropos international. Sind Sie durch ihre Arbeit eigentlich auf der ganzen Welt unterwegs?

Pfleger: Die konsequente Umsetzung des Zuchtprogramms Fleckvieh Austria hat das Ziel, Zuchtfortschritt für die Betriebe zu erreichen. Wichtig ist, diesen Zuchtfortschritt auch als wirtschaftlichen Erfolg in der Betriebskasse der Züchter spürbar zu machen. Daher ist die internationale Repräsentation der Marke „Fleckvieh aus Österreich“ und die Verbreitung von heimischer Genetik weltweit zu unterstützen eine wichtige Aufgabe von Fleckvieh Austria. Natürlich sind dazu Reisen auf internationale Messen und Ausstellungen notwendig. Mit der Ausrichtung des Fleckvieh Weltkongress im Herbst 2022 in Österreich steht eine mehr als große Herausforderung vor mir. Wir wollen Gastgeber für rund 200 internationale Verantwortungsträger und Züchter aus allen Teilen der Erde sein und der Welt unter dem Motto „Fleckvieh Changes – Wie Fleckvieh die Rinderwelt verändert“ den österreichischen Weg näherbringen.

Zur Person

  • Reinhard Pfleger absolvierte nach der Pflichtschule die HBLA Raumberg.
  • Als langjähriger Mitarbeiter der Landwirtschaftskammer Steiermark war Pfleger als Rinderzuchtberater und Geschäftsführer der Rinderzucht Steiermark tätig.
  • Seit 1. Mai 2021 ist der 44-jährige Geschäftsführer von Fleckvieh Austria.
  • Der Vater zweier Töchter ist aktiver Landwirt in Vorau mit Betriebsschwerpunkt Jungrinderaufzucht.
  • Zu seinen Hobbys zählen neben der Rinderzucht die Blasmusik und Fußball.

Beitragsfoto: Taferner – Landwirt.media

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