Im Interview: Oliver Kröpfl

von Karl Brodschneider

Vorstand Oliver Kröpfl ist skeptisch, dass die Inflation wieder sinken wird und berichtet vom Engagement der Steiermärkischen Sparkasse in der Landwirtschaft.

 

NEUES LAND: Angesichts der kräftig steigenden Inflation in den USA hat die US-Notenbank Fed erstmals seit langer Zeit eine deutliche Erhöhung des Leitzinses beschlossen. Glauben Sie, dass die Europäische Zentralbank EZB in der nächsten Zeit nachziehen wird?

Oliver Kröpfl: Vom wirtschaftlichen Standpunkt betrachtet müsste sie es tun. Zurückblickend auf die letzten Jahre hat es sich aber gezeigt, dass die EZB ihre Entscheidungen immer stärker nicht nach ökonomischen Prinzipien, sondern nach politischen Überlegungen getroffen hat. Daher bin ich skeptisch, dass die EZB einen offensiven Weg gehen wird. Ich glaube, dass sie im zweiten Halbjahr eher kosmetische Schritte setzen wird.

 

NL: Wie wird sich eine Leitzinserhöhung auf die Inflation und das Wirtschaftswachstum auswirken?

Kröpfl: Wenn die EZB nichts macht, wird sich die Inflation in Europa weiter verschlechtern. Kosmetische Zinsschritte, die in Summe 0,25 oder 0,5 ausmachen, werden vielleicht psychologisch für die Kapitalmärkte ein Signal sein, aber realwirtschaftlich keine große Veränderung bringen. Um die Inflation wirklich zu bekämpfen, bräuchte es schon ein Zinsniveau von etwa 1,5 Prozent im Euro-Raum.

 

Inflation

NL: Inwieweit müssen wir uns in Österreich künftig auf Inflationsraten, die deutlich über fünf Prozent – manche sprechen sogar von Zweistelligkeit – liegen werden, einstellen?

Kröpfl: Ich glaube, dass wir in den nächsten Monaten danach trachten müssen, dass die Inflation einstellig bleibt. Das ist bei weitem nicht sicher, wenn es so weitergeht. Wir beobachten als Banken auch, wo die Gründe der Inflation liegen. Da muss man ehrlich sein und sagen, dass schon seit langem viel Spekulation in verschiedenen Märkten und Branchen betrieben worden ist. Das befeuert auch die Inflation.

 

NL: Vor einem Monat legte die Steiermärkische Sparkasse ihren Geschäftsbericht für das Jahr 2021 vor. Die Tätigkeit im vorigen Jahr war noch ganz stark von der Coronapandemie geprägt. Wie haben sich das Privat-, Kommerzkunden- und Auslandsgeschäft entwickelt?

Kröpfl: Ohne in falsche Euphorie auszubrechen, sind wir mit dem Jahr 2021 sehr zufrieden. Alle drei genannten Geschäftsbereiche sind überdurchschnittlich gut gelaufen. Dazu kommt – und das ist für die steirische Wirtschaft noch viel wichtiger als für die Sparkasse -, dass es im Jahr 2021 wenig Kreditausfälle gegeben hat. Unseren Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen ist es sehr gut gelungen, sehr nah bei unseren Kunden und Kundinnen zu sein. Da sind viele Dinge sehr gut gelaufen und so ist es auch zu diesem schönen Ergebnis gekommen.

 

NL: Apropos Auslandsgeschäft, wo sind überall die Auslandstöchter der Steiermärkischen Sparkasse?

Kröpfl: Sie sind in allen Nachfolgestaaten des ehemaligen Jugoslawiens. Hier haben wir in unterschiedlichen Formen Beteiligungen. All diese Banken haben auch sehr schöne Ergebnisse gemacht, besser als es in den Planungen vorgesehen war.

 

NL: Wie schaut damit die Marktposition der Steiermärkischen Sparkasse in der Steiermark aus?

Kröpfl: Wenn wir uns die steirische Bankenlandschaft anschauen, kann man vereinfacht sagen, dass die zwei Bankengruppen – Raiffeisen und Sparkasse – ihre Marktanteile weiter ausbauen konnten. Es gibt Teilsegmente, wo die Raiffeisengruppe stärker ist, und welche, wo die Sparkassen-Gruppe stärker ist. Das ist regional auch unterschiedlich. Wenn wir auf die letzten drei Jahre zurückschauen, dann haben wir unseren Marktanteil überproportional ausbauen können. Mit unserer Kombination bestehend aus einem Filialnetz von gut 100 Filialen in der Steiermark und modernen digitalen Lösungen sind wir auch in der jungen Zielgruppe gut aufgestellt. Momentan haben wir das Gefühl, dass wir nicht Gefahr laufen zu schrumpfen, sondern dass wir unsere Marktanteile eher ausbauen.

 

Filialnetz

NL: Apropos Filialnetz! Wie wichtig ist es, vor Ort präsent zu sein?

Kröpfl: Es ist speziell in den zwei Coronajahren wichtiger geworden. Die meisten Kunden und Kundinnen gehen zwar nicht mehr so oft in die Bankfiliale, aber bei gewissen Lebenssituationen – wenn man das erste Mal eine Wohnung kauft oder nach einer Erbschaft vor der Frage der Veranlagung steht – will die überwiegende Mehrheit den persönlichen Kontakt. Das bedeutet, dass man dafür ein gutes Filialnetz braucht, sonst funktioniert das nicht. Wir müssen ehrlich sein zu sagen, dass die Bankfilialen in den nächsten Jahren nicht mehr werden, aber sie werden, was uns betrifft, auch nicht deutlich weniger werden. Daher ist es mir wichtig, dass wir in den nächsten Jahren mehr in die Modernisierung und Attraktivierung von Filialen investieren, damit sich alle hier wohl fühlen.

 

NL: Die wirtschaftliche Ausgangsposition für das heurige Jahr war sehr erfolgversprechend, beinahe euphorisch. Durch den Krieg in der Ukraine hat sich das alles gedreht. Welche Einschätzungen gibt es seitens der Steiermärkischen Sparkasse dazu?

Kröpfl: Da bin ich mir selbst noch sehr unsicher. Das erste Quartal 2022 war vergleichbar mit dem im Jahr 2021. Jetzt merkt man schon, dass die Menschen vorsichtiger werden. Das betrifft Privatkunden und -kundinnen, die in ihrem Konsumverhalten zurückhaltender werden, aber auch Unternehmen, die vor Investitionsentscheidungen stehen. Was leider immer stärker dazukommt, ist der eklatante Mitarbeitermangel. Das wird immer mehr zu einer möglichen Wachstumsbremse. Deswegen befürchte ich, dass die Dynamik in den nächsten Monaten abnehmen wird. Ich glaube nicht, dass wir in eine Rezession hineinschlittern, außer der militärische Konflikt eskaliert weiter.

 

NL: Abschließend noch eine Frage zur Achse Steiermärkische Sparkasse und Landwirtschaft. Wie beschreiben Sie diese Verbindung?

Kröpfl: Die Entwicklung unseres Engagements in der Landwirtschaft gibt mir viel Energie. Wir haben begonnen, uns viel bewusster mit der Frage zu beschäftigen, was wir in diesem Bereich tun können, und wir merken, dass sich unser Marktanteil im Bereich der Land- und Forstwirtschaft im Vergleich zum Gesamtwachstum der Sparkasse überproportional entwickelt. Das heißt, wir haben im letzten Jahr unseren Marktanteil in der Landwirtschaft mehr als verdoppeln können. Das ist in einer so kurzen Zeitspanne ein extrem motivierendes Signal. Wir sehen, dass unser Angebot und unserer Mentalität, wie wir auf die Landwirte und Landwirtinnen zugehen, von ihnen sehr geschätzt wird und dass sie mit uns den Weg gehen wollen.

 

Zur Person

Oliver Kröpfl wurde 1976 geboren und wuchs in Fehring auf. Nach seinem Studium zum Doktor der Rechtswissenschaften erfolgte 2000 sein Einstieg in die Steiermärkische Sparkasse. 2013 wurde er Leiter des Generalsekretariats der Steiermärkischen Bank und Sparkassen AG und 2018 Vorstandsmitglied, zuständig u.a. für Kommerz, Werbung und Immobilien.

 

Foto: Raggam

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