Für das Dorfleben!

Edelschrott

Manche Gemeinden greifen tief in die Tasche, um für ihre Bürger das Wirtshaus zu retten und freuen sich über erfolgreiche Pächter.

Es zählt nicht zu den ureigensten Aufgaben einer Gemeinde, ein Gasthaus zu kaufen und zu verpachten. Wenn Kommunen das trotzdem machen, hat das einen gewichtigen Grund: Sie wollen die öffentliche Grundversorgung – das Gasthaus im Ortszentrum gehört dazu – aufrecht erhalten. Oft führen ein Besitzerwechsel, ein Krankheits- oder Todesfall dazu, dass der Gastronomiebetrieb eingestellt wird. So auch im weststeirischen Edelschrott. Dort hat die Gemeinde vor elf Jahren das gegenüber der Pfarrkirche liegende Gasthaus, das kurz zuvor noch Vorbesitzer saniert worden ist, gekauft. „Über diese Entscheidung wurde damals kontrovers diskutiert“, gesteht Bürgermeister Georg Preßler und begründet den Erwerb: „Gastronomie – dazu zähle ich all unsere Wirtsbetriebe im Dorf – ist ebenso wichtig wie die öffentliche Grundausstattung mit Kindergarten, Schule, Arzt, Bank und Lebensmittelfachgeschäft.“

Schwierige Situation

Damals – im Jahr 2007 – hatte die Gemeinde Edelschrott schon einen namhaften Pächter im Talon, doch als dieser nach sieben Jahren aufhörte, wurde es schwierig. Das Gasthaus war zwischenzeitlich geschlossen. „Spätestens da merkten viele Gemeindebewohner, was es bedeutet, wenn ein Wirt zusperrt“, sagt Preßler.Vor zwei Jahren übernahm der neue Pächter den „Edelschrotter Hof“. Aus den Worten des Bürgermeisters hört man seine Erleichterung: „Es läuft gut, die Menschen gehen gerne hin. Wir wissen aber alle, dass das keine Garantie für die Ewigkeit ist, denn die Gastronomen haben es nicht leicht.“

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Wenn eine Gemeinde ein Gasthaus erwirbt, muss sie auch viel Geld in Umbaumaßnahmen und in die Ausstattung stecken. Das bestätigt auch Erich Gosch, Bürgermeister der Marktgemeinde Feldkirchen bei Graz. Heuer flossen rund 700.000 Euro in die Generalsanierung des denkmalgeschützten „Feldkirchner Hofs“. 1990 hatte die Marktgemeinde dieses Gebäude neben der Pfarrkirche erworben, um ein Gasthaus im Ortszentrum zu haben. Seither finden hier auch zahlreiche Gemeinde-Veranstaltungen, Bürgerversammlungen, Bälle und Bestattungsessen statt.

Der „Feldkirchner Hof“ hat sich mittlerweile einen sehr guten Namen als Speiselokal und Seminarhotel gemacht. Die jahrelange Zusammenarbeit mit dem Pächter bringt Gosch auf den Punkt: „Er weiß, was er an uns hat und wir wissen, was wir an ihm haben!“

Übrigens hat auch die deutsche Partnerschaftsgemeinde von Feldkirchen – sie heißt Hennstedt und liegt in Schleswig-Holstein – ein Gasthaus gekauft und verpachtet. Hinter dieser Entscheidung steckt dort ebenso wie hier in der Steiermark die Einsicht: „Stirbt der Wirt, dann stirbt das Dorfleben!“

 

Zu unserem Beitragsbild:

Bürgermeister Georg Preßler ist froh, dass der von der Gemeinde verpachtete „Edelschrotter Hof“ gut läuft.

Beitragsfoto: Brodschneider Diesen Artikel drucken Diesen Artikel drucken

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