Es war einmal der Tabakanbau

von Karl Brodschneider

Nach dem EU-Beitritt hörte der Tabakanbau in der Oststeiermark allmählich auf. Aber jetzt gibt es wieder einen Tabakbauer.

Bis Mitte der 1990er Jahre spielt der Tabakanbau in der Steiermark noch eine bedeutende Rolle. Vor allem auf vielen Feldern rund um Fürstenfeld und im Feistritztal wurde dieses Nachtschattengewächs mit seinen großen Blättern kultiviert. Das hatte einerseits mit den hier herrschenden günstigen klimatischen Bedingungen und andererseits mit der Tabakfabrik in Fürstenfeld zu tun. „Der Tabakanbau bot die Möglichkeit, mit einer kleinen Fläche, aber vielen Handgriffen gutes Geld zu verdienen“, erklärt Anton Pieber aus Bad Blumau. Als Mitarbeiter der Austria Tabakwerke betreute er jahrelang die Tabakbauern. Er übernahm deren getrocknete Ware und war für die Qualitätseinteilung zuständig. „Für uns war der heimische Tabak eine geschmacksneutrale Füllware, hauptsächlich für die Zigaretten“, ergänzt Pieber. Der Anbau dieser in der Geschichte auch als „Zauberkraut“ bezeichneten Pflanzen erforderte allerdings eigene Lizenzen, weil dem Tabak seit jeher eine Monopolstellung zukam.

Zentrum des Tabakanbaus

Thomas Zügner im Portrait

Thomas Zügner aus Altenmarkt bei Fürstenfeld war der Bundesobmann der Tabakbauern. Foto: Archiv

Der EU-Beitritt bescherte den 400 bis 500 Tabakbauern – neben der Steiermark gab es auch im Burgenland sowie in Nieder- und Oberösterreich kleinere Anbaugebiete – eine Zäsur. Die bis dahin gewährten Landes- und Bundesförderungen fielen weg. Es gab eine eigene EU-Prämie. „Gleichzeitig sank aber auch der Industriepreis deutlich nach unten“, erinnert sich Ökonomierat Thomas Zügner aus Altenmarkt bei Fürstenfeld. Er war der Bundesobmann der Tabakpflanzer und gleichzeitig mit zehn Hektar Anbaufläche der größte heimische Tabakbauer überhaupt.

Zehn Jahre später war es mit dem heimischen Tabakanbau endgültig vorbei. In Kombination mit anderen Produktionssparten konnten bis Anfang der 1990er Jahre auch kleinere Bauern dank der arbeitsintensiven Tabakpflanze – sie benötigte durchschnittlich 1200 Arbeitskraftstunden pro Hektar – im Vollerwerb bestehen. Das war nun nicht mehr möglich. In der Region weisen lediglich einige übriggebliebene landschaftsprägende Trockenscheunen auf diese verschwundene Kulturart hin. Auch die Austria Tabak gibt es nicht mehr. Nach ihrer Börsennotierung wurde sie im Jahr 2001 zu 100 Prozent privatisiert und vom Staat an die britische Gallaher Group verkauft. Lediglich das Tabakmuseum in Fürstenfeld erinnert noch an die Blütezeiten des Tabakanbaus in der Steiermark. Es ist in der Pfeilburg, wo Ende des 17. Jahrhunderts die erste Tabakfabrik Österreichs gegründet wurde, untergebracht. Das Museum gibt mit mehr als 300 Exponaten einen anschaulichen Einblick in die Geschichte der Rauchkultur.

Eine alte Tabakhütte zeugt von der Vergangenheit des Tabakanbaus in der Steiermark.

In dieser Scheune in Obgrün wurden früher die Tabakpflanzen getrocknet. Foto: Brodschneider

Steirische Zigarre

Dass es mit dem Tabakanbau in der Steiermark nicht ganz aus ist, dafür sorgt der junge Weinbauer Johannes Rauch aus St. Peter am Ottersbach. Bis vor 40 Jahren bauten seine Vorfahren auf diesem Betrieb auch Tabak an und trockneten ihn. Rauch erinnerte sich dieser Tradition, startete mehrjährige Versuche, stellt nun eine eigene Zigarre her und baut auf 0,3 Hektar Tabak an. Um die Genehmigungen dafür zu erhalten, musste er aber bei den Behörden hart kämpfen. Der Anbau, die Verarbeitung und der Verkauf werden vom heimischen Zoll, Finanzamt und der Tabakmonopolverwaltung streng kontrolliert.

Johannes Rauch mit seiner Zigarren

Der Weinbauer Johannes Rauch aus St. Peter am Ottersbach stellt selbst Zigarren her. Foto: kk

 

Tabakernte

Der Tabak gehört zu den ältesten Kulturpflanzen der Welt und kam im 16. Jahrhundert aus Amerika nach Europa. Die Ernte der großen Blätter erfolgt in mehreren Arbeitsschritten. Danach wurde der in der Steiermark kultivierte Tabak luftgetrocknet. Dabei wurden die Blätter auf Schnüren „eingefädelt“ und einige Monate lang in geschlossenen und sehr großen Scheunen, die über ein spezielles Luftzirkulationssystem verfügten, getrocknet. 

Beitragsbild: zbg2-stock.adobe.com

 

 

 

 

 

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