Bilanz der heurigen Frostsaison

von Karl Brodschneider

Die Frostsaison ist überstanden, doch auch in diesem Jahr gibt es große Schäden, vor allem bei Marille und Kirsche.

Auch wenn es zu Beginn dieser Woche, pünktlich zu den Eisheiligen, einen Kaltlufteinbruch gab, wurden die Temperaturen für steirische Obstkulturen diesmal nicht mehr gefährlich. Damit sind die letzten Tage der Frostsaison überstanden und es zeichnet sich laut ZAMG Steiermark auch kein weiterer Kaltlufteinbruch ab. Doch auch dieses Frühjahr hatte es bereits in sich. Die Hagelversicherung beziffert die Schäden nach ersten Schätzungen auf etwa 50 Millionen Euro. Auffällig in diesem Jahr war der kleinräumig starke Unterschied der Schäden. Je nach Lage, Obstart und Sorte variiert die Situation vieler Betriebe von einem annähernden Totalausfall bis zu einer normalen Ernte.

Frostabwehr

Herbert Muster ist Beratungsleiter für Kern- und Steinobst und Geschäftsführer des Verbandes Steirischer Erwerbsobstbauern. Er zieht ein erstes Resümee: „Am stärksten hat es sicher die Marillenbauern getroffen. Durch intensive Maßnahmen zur Frostabwehr ist es dennoch gelungen, geschätzt etwa 30 Prozent der Ernte zu retten. Bei den anderen Steinobstarten rechnet man mit einer Ernte von zumindest 50 Prozent. Das Kernobst ist aufgrund der starken und langen Blüte am besten weggekommen. In Anlagen, wo man zunächst bereits das Schlimmste befürchten musste, haben sehr späte Blüten noch für einen fast normalen Fruchtbehang gesorgt. Ähnliches gilt auch für Birnenplantagen. Natürlich ist aber das Ausmaß in bestimmten Lagen, bei speziellen Sorten und bei einzelnen Betrieben größer. Europaweit werden deutliche Schäden beginnend von Ungarn über ganz Österreich und Süddeutschland bis nach Belgien gemeldet. Nach bisherigen Erkenntnissen halten sich die Schäden in den sehr bedeutenden Obstbaugebieten Polen und Südtirol in Grenzen.“

Praktikerstimmen

Johann Maier aus St. Ruprecht an der Raab ist spezialisiert auf den Kirschenanbau und beschreibt seine Situation: „Bei der Kirschensorte Cordia müssen wir leider einen Totalausfall hinnehmen. Das scheint bei den meisten Bauern ähnlich zu sein. In Summe rechne ich mit einer etwa 30-prozentigen Kirschenernte. Ein zweites Standbein mit Äpfeln und die Frostversicherung ergeben in Summe ein akzeptables Risiko.“

Zu Beginn der gefährlichen Zeit verursachten vor allem Windfröste in höheren Lagen Schäden. Helmut Erlacher ist Obstbauer in der Gemeinde Ilztal und beschreibt diese ersten Nächte: „Auf unserem Betrieb hatten wir in dieser Zeit geschätzt zehn bis 30 Prozent geschädigte Apfelblüten. Durch eine gute Reserve an Blütenknospen wirkt sich das aber nicht auf unsere Erntemengen aus.“

Christian Darnhofer aus Puch bei Weiz machten dagegen eher die späteren Strahlungsfrostereignisse zu schaffen. Er erklärt: „Ein Sorgenkind ist bei uns die Sorte Golden Delicious, die nach einer eher moderaten Blüte nun deutliche Schäden aufweist. Bei anderen Sorten gibt es sicher weniger Probleme. Wir haben in diesem Jahr auf Teilflächen auch beheizt, hoffentlich mit Erfolg.“ Die derzeit noch große Unbekannte ist die Qualität der verbliebenen Früchte. Sind zu starke Schalenfehler erkennbar, wird aufgrund der hohen Qualitätsansprüche bei der Sortierung wohl noch einiges an Verarbeitungsware anfallen.

Positiv zu sehen ist die derzeitige Vermarktungssituation bei den Obstbauern. Manfred Kohlfürst, Obmann der Steirischen Erwerbsobstbauern, gibt einen Überblick: „Der Apfelmarkt läuft sehr stabil. Vor allem zu Beginn der Corona-Pandemie war ein deutlicher Anstieg im Absatz zu verzeichnen, was leichte Preissteigerungen zur Folge hatte. Damit ist die Obstwirtschaft wohl einer der wenigen Gewinner dieser Krise.“

 

Beitragsfoto: ÖHV

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