35 Jahre gegen den Hagel

Mitten in brisanten Zeiten vielfacher Millionenschäden in der Landwirtschaft  begeht die Hagelabwehr, der mutige Kampf in den Lüften gegen die zerstörerischen Eiskörner, ein bemerkenswertes Jubiläum.

Hagelabwehr – dieses Thema hat gerade in den letzten Tagen und Wochen enorme Bedeutung bekommen. Erstens, weil bekanntlich Hagelunwetter in landwirtschaftlichen Kulturen schwerste Schäden anrichteten und zweitens, weil einmal mehr klar geworden ist, dass der Klimawandel unsere Breiten immer stärker mit Extremwetterlagen bedroht.

Schon seit Jahrzehnten wird weltweit Hagelabwehr entweder mit Hilfe von Bodenraketen oder durch Flugzeuge durchgeführt. Bis zum Jahr 1982 probierte man es auch in Österreich mit der Verwendung von Raketen, danach konzentrierte man sich auf den mutigen Einsatz von Piloten, die mit Flugzeugen direkt in den gefährlichsten Bereichen einer Gewitterwolke eindringen und dort mit speziellen Generatoren in Aceton gelöstes Silberjodid verbrennen – was, wie immer wieder betont wird, rückstandsfrei und ohne Umweltbeeinträchtigung geschieht.

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Diese Technik führt dazu, dass sich anstatt großer Hagelkörner viele kleine sogenannte „Hagelschlossen“ bilden. Sie fallen als Regentropfen oder als kleine, oft weiche und matschige Hagelkörner zur Erde und können keinen nachhaltigen Schaden mehr anrichten. Entscheidend dabei ist, dass das Silberjodid an der richtigen Stelle – nämlich an der Wolkenbasis – und zum richtigen Zeitpunkt verteilt wird. Der Einsatz muss also erfolgen, bevor sich Hagelkörner in der Wolke gebildet haben.

Bei uns ist die „Luftwaffe“ gegen den Hagel eng mit dem von Walter Golob gegründeten Unternehmen „Südflug“ verbunden, das heuer das Jubiläum des 35-jährigen Bestehens begeht. Dort sind mittlerweile ein Chefpilot sowie sechs weitere Pilotinnen und Piloten mit drei Flugzeugen im Bedarfsfall im Einsatz. Seit dem Jahr 2011 ist das Unternehmen auch Teil einer Hagel-Plattform, die mit dem Land Steiermark, der Technischen Universität (TU) Graz, der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) sowie anderen Hagelabwehr-Organisationen gegründet worden ist. Man setzt auf ein gemeinsames Radar, Zusammenarbeit bei Forschungsaktivitäten und gegenseitige Unterstützung bei großen Gewitterereignissen. Im Jahr 2013 hat die Tochter des Gründers, Bettina Golob, gemeinsam mit Helmut Guggenbichler die Führung der „Südflug“ übernommen.

Beide verweisen darauf, dass durch den Einsatz der Hagelabwehr-Flugzeuge Schäden „um rund 80 Prozent verringert“ werden können und dass die Wirksamkeit der Hagelabwehr in zahlreichen Studien belegt worden sei. Die Hagelabwehr-Profis erleben auch, dass „Gewitter zahlreicher und heftiger werden.“

Beauftragt wird die Hagel-abwehr in der Regel von Gemeinden. Die „Südflug“ betreut derzeit das gesamte Gebiet des Bezirkes Südoststeiermark, den Großteil des Bezirkes Leibnitz und den südlichen Teil des Bezirkes Deutschlandsberg. Im Detail findet man die steirischen Einsatzgebiete unter www.-hagelplattform.at/unser-einsatzgebiet/gemeinden.

 

Foto: Südflug

 

 

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