Leiden unter leeren Lagern

Nun ist die Obstwirtschaft mit den schweren „Nachbeben“ der Frostkatastrophe aus dem Vorjahr konfrontiert.

Walter Schmid, Obstbauer in Gschmaier

Bis auf die Sorte Golden Delicious gibt es in den Kühllagern kaum noch einheimische Äpfel, meldet die Agrarmarkt Austria. Hinter dieser Nachricht steckt eine bittere Realität, mit der die steirischen Obstbauern nun erstmals konfrontiert sind, nachdem im Vorjahr Frost und Schnee in ihren Anlagen förmlich gewütet haben. Die Leere der Lager ist nun sozusagen eine zweite Schockwelle, die nicht nur die betroffenen Bauern erreicht hat. Auch die vor- und nachgelagerten Bereiche trifft in diesen Tagen das Dilemma der extrem geringen Ernten mit voller Härte. Ein Beispiel dafür ist die Firma Kröpfl in Sebersdorf im Bezirk Hartberg-Fürstenfeld. Normalerweise beschäftigt dieser Betrieb im Lager, bei der Sortierung und Verpackung, im Büro und Frachtverkehr rund 80 bis 90 Arbeitskräfte, nun sind es plötzlich nur noch 25.

Im sonst so temperamentvollen steirischen Apfelland geht folglich eine mehr als bedrückte Stimmung um: Einer, den die Tragödie voll ,erwischt‘ hat, ist der junge Obstbauer Sepp Singer aus Untertiefenbach. „Normalerweise haben wir in unserem Hofladen immer bis zur nächsten Ernte Äpfel“, erzählt Singer. Aber vor drei Wochen musste der Apfelverkauf eingestellt werden. „Weil wir gar nichts mehr haben“, erklärt er.

Frostberegnung

Sepp Singer, Landeskammerrat

Walter und Karla Schmid sowie Sohn Alexander konnten im Vorjahr die Apfelernte auf ihren beiden Betrieben in Gschmaier einzig dort retten, wohin die Frostberegnung langte. Heuer am 21. April gab es den nächsten Kälte-Schock. „Jetzt wird es schwierig!“, gibt sich Walter Schmid realistisch. „Das Problem ist, dass wir Apfelbauern schon vorher mit niedrigen Produzentenpreisen zu kämpfen hatten, die gerade einmal die Gestehungskosten deckten. Der Frost hat die Lage nur noch verschärft.“ Umgemünzt auf seinen Betrieb heißt das, so Schmid: „Investitionen sind schwer möglich. Wir wollen schon seit längerer Zeit zusätzliche Kühlkapazitäten in unserer Halle einbauen, aber das geht derzeit

Obstbaudirektor Wolfgang Mazelle

nicht!“

 

Auch wenn die Ernte für viele Obstbauern aufgrund der neuerlichen Frostschäden wieder gering ausfallen wird – Obstbaudirektor Wolfgang Mazelle von der steirischen Landwirtschaftskammer spricht von mehr als 50 Prozent Minderertrag – bleiben die Fixkosten bestehen. „Sozialversicherung, Pflanzenschutz, Hagelversicherung, Obstgartenpflege – da ändert sich nicht viel, ob der Baum nun Früchte trägt oder nicht“, wie es Walter Schmid trocken formuliert.  Willi Flechl aus Hartl kämpft gleich an zwei Fronten mit den Nachwirkungen des Frostes, nämlich als betroffener Bauer und als Obmann der Obstgemeinschaft Steiermark (OGS). 127 Bauern mit fast 1000 Hektar Apfelfläche sind bei dieser Gemeinschaft dabei und vermarkten ihre Äpfel ausschließlich über die Firma Kröpfl in Sebersdorf.

Wasser-Sicherheit

OGS-Geschäftsführerin Roswitha Sommer

Aus den Erfahrungen der letzten Jahre zieht er seine Schlüsse: „Damit wir Obstbauern sicher eine Ware haben, brauchen wir Wasser – zum Beregnen bei Trockenheit und bei Frostgefahr!“ Um das zu erreichen, ersucht er die Politik dringend um Unterstützung. Die OGS ist mit ihrem Partner Exklusivlieferant der Firma Spar und hat auch viele Auslandskunden. Nach zwei Frost-Jahren

 

ist die Sorge groß, mühsam aufgebaute Exportmärkte nicht zu verlieren. „Wir wissen, dass sie gute Ware auch aus anderen Ländern erhalten können“, sagt OGS-Geschäftsführerin Roswitha Sommer.

 

 

 

 

 

Fotos: LK, privat, Fotolia

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