Fruchtbarer Boden wird knapp

Österreich ist Europameister bei der Verbauung von fruchtbaren Grundstücken, die Steiermark sogar bundesweiter Spitzenreiter. Die Landwirtschaftskammer präsentiert ein neues Konzept.

 

„Während es der Landwirtschaft durch das Umweltprogramm gelang, die Böden zu schützen und die Bodenqualität  teils zu verbessern, konnte der Bodenverbrauch nicht gebremst werden“, betont Landwirtschaftskammer-Präsident Franz Titschenbacher. Österreich ist Europameister bei der Verbauung fruchtbarer Böden. Täglich geht für den Bau von Shopping-Zentren, Industriehallen, Lager- und Logistikflächen sowie Siedlungsbauten in Österreich ein stattlicher Bauernhof mit 22,4 Hektar (30 Fußballfelder) verloren, pro Jahr sind das 8.176 Hektar (10.900 Fußballfelder). Die Steiermark ist mit täglich sechs Hektar (8 Fußballfelder) bundesweiter Spitzenreiter, pro Jahr sind es 2.190 Hektar oder 2.920 Fußballfelder. Österreich verbaut mit 0,5 Prozent der Ackerfläche um 100 Prozent mehr als Deutschland mit 0,25 Prozent der Ackerfläche und ist damit Europameister im Bodenverbrauch.

 

Dramatik bei ungebremstem Bodenverbrauch

In den vergangenen 20 Jahren hat die Steiermark 20.000 Hektar (26.700 Fußballfelder) wertvollen Ackerboden verloren, das ist die gesamte landwirtschaftliche Nutzfläche des Bezirkes Voitsberg. „Geht die Vergeudung gleich rasant weiter, verliert die Steiermark in den kommenden 20 Jahren weitere 43.800 Hektar (58.400) Fußballfelder, das entspricht der landwirtschaftlichen Nutzfläche des Bezirkes Hartberg-Fürstenfeld“, warnt Titschenbacher vor einer Gefährdung der Lebensmittelversorgung, was „uns als Land verletzbar macht“. Gleichzeitig entstehen in Österreich jährlich 1.100 Hektar (1.460 Fußballplätze) an ungenutzten Industrie- und Wohnflächen, weitere 4.500 Hektar (6.000 Fußballfelder) werden durch Lager- und Logistikflächen versiegelt. Titschenbacher: „Damit könnten rund 57.000 vierköpfige Familien ein ganzes Jahr mit den Grundnahrungsmitteln Milch und Fleisch versorgt werden“.

Forderung: Raumordnung anpassen. Industriebrachen wiederverwerten.

Um die Zukunft der bäuerlichen Jugend nicht zu verbauen und die eigenständige Lebensmittelversorgung zu sichern, verlangt Landwirtschaftskammer-Präsident Franz Titschenbacher einen wirksamen Schutz von Acker- und Grünlandflächen durch eine rasche Bund-Länder-Vereinbarung gemäß Artikel 15a. Die jeweiligen Raumordnungsgesetze müssen so angepasst werden, um den dramatischen Bodenverlust wirksam zu bremsen, wobei eine ausgewogene Entwicklung von Ballungsräumen und ländlichen Gebieten möglich sein muss. Titschenbacher: „In diese sollte etwa eine zwingende Wiederverwertung von brach liegenden Industrie- und Gewerbeflächen hineinverpackt werden. Konkret sollten Industrie- und Gewerbebrachflächen reaktiviert, Ortskerne revitalisiert sowie Baulücken im Ortsverbund aufgefüllt werden. Außerdem verlangt der Kammerpräsident von Städten und Gemeinden strengere Auflagen bei der Flächenwidmung.“

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