Kulturart mit viel Potential

Sojaernte Steiermark 2018

Die Produktion von pflanzlichem Eiweiß gewinnt in der Landwirtschaft massiv an Bedeutung und geht über den Soja-Anbau weit hinaus.

Kaum eine andere Kulturpflanze hat in den letzten Jahrzehnten eine so stürmische Entwicklung genommen wie die Sojabohne. Mit über 67.500 Hektar Anbaufläche ist diese Alternativkultur die flächenmäßig wichtigste Ölsaat in Österreich. Im Zeitraum von 2004 bis 2018 haben sich die Soja-Anbauflächen in Österreich fast vervierfacht. Damit hat Soja traditionell wichtige Kulturen wie etwa Roggen oder Raps längst hinter sich gelassen. Auch in der Steiermark kam es im Vergleich zum Vorjahr zu einer Steigerung von 7000 Hektar im Jahr 2017 auf fast 8400 Hektar.

Bernhard Monschein, Soja

Landeskammerrat Bernhard Monschein

In diesen Tagen werden die Sojabohnen – früher als gewohnt – geerntet. „In den südlichen Regionen der Steiermark, wie zum Beispiel in Radkersburg, ist die Ernte bereits fast abgeschlossen, in der restlichen Steiermark geht’s jetzt so richtig los“, so Landeskammerrat Bernhard Monschein, der als Pionier des Sojaanbaues und der Verarbeitung in der Steiermark gilt. Auch mit dem geernteten Mengen sei man heuer höchst zufrieden, weiß Monschein zu berichten: „Die Erträge liegen heuer im Durchschnitt bei drei bis vier Tonnen, Spitzenreiter haben sogar 4,5 Tonnen pro Hektar erreicht.“

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Gvo-freier Soja

Und diese geernteten Mengen sind in der Steiermark heiß begehrt, sie dienen nämlich als Futtergrundlage für unzählige Legehennen und neuerdings auch für Muttersauen. Auf die Verarbeitung von Sojabohnen – unbehandelt sind sie nicht zu verfüttern – hat sich Bernhard Monschein bereits seit Jahren spezialisiert. Als Soja-Pionier begann er bereits vor fünf Jahren, eine eigene Toast- und Pressanlage auf seinen Hof in Eichkögl zu betreiben. Da die Kapazitätsgrenzen schnell erreicht wurden, entschloss er sich, gemeinsam mit Johann Hebenstreit in Fehring eine größere Anlage zu errichten. Auch die kleinere Maschine vom Hof kommt nun in Fehring zum Einsatz.

Bei der Verarbeitung wird die regionale Sojabohne in einer Toastanlage erhitzt und anschließend gepresst, wodurch Sojakuchen und Sojaöl gewonnen werden. Monschein: „Das gewonnene Öl wird in Mischfutterwerken benötigt und den Sojapresskuchen verfüttern wir unseren Legehennen.“ Nun werden pro Jahr rund 4000 Tonnen Soja im konventionellen und rund 2000 Tonnen im Bio-Bereich verarbeitet. „Wir haben uns in der Legehennenhaltung der gvo-freien (gentechnisch veränderter Organismus) Fütterung verschrieben. Deshalb brauchen wir jede Tonne heimischen Soja dafür“, so Monschein. Der Absatz sei garantiert.

Speiseleguminosen

Die Sojabohne wird zwar statistisch zu den Ölfrüchten gezählt, ist aber botanisch eine Leguminose. Diese Pflanzen haben eine Besonderheit: über ihre Wurzelknöllchen gehen sie eine Symbiose mit Bakterien ein und können so Stickstoff aus der Luft binden. Dies macht sie interessant in einer Fruchtfolge im Ackerbau. Speziell in der biologischen Produktion, bei der man ohne leicht lösliche Stickstoffdünger arbeitet.

Daniel Lehner Raumberg-Gumpenstein

Referatsleiter Daniel Lehner

Doch nicht nur als Futtermittel, sondern auch als wertvolle Eiweißquelle für die menschliche Ernährung, finden verschiedenste Leguminosen den Weg auf heimische Teller. Denn eine ausgewogene Versorgung mit pflanzlichen Eiweißen hat laut Studien gesundheitlich deutliche Vorteile.

Am Bio-Institut in Raumberg-Gumpenstein versucht man solche Trends frühzeitig zu erkennen und führt dazu auch Anbauversuche durch. Daniel Lehner, Leiter der Außenstelle Lambach: „Seit dem vergangenen Jahr führen wir Tests mit verschiedensten Kulturen wie Linsen, Bohnen, Erbsen und Lupinen durch.“ Die ersten Ernteauswertungen zeigten interessante Ergebnisse: „Mit Linsen und Bohnen konnten durchaus mehr als 1000 Kilogramm pro Hektar erwirtschaftet werden. Die höchsten Eiweißgehalte, mehr als 30 Prozent, wurden bei Berg- und Alblinse gemessen“, so der Experte. Eine exakte Auswertung der Düngevarianten werde noch länger dauern, eine ausreichende Versorgung mit Schwefel sei aber für viele Leguminosen essentiell. Detaillierte Ergebnisse präsentieren die Experten bei der Bio-Fachtagung Ende Oktober.

Beitragsbild: Cesar Machado – stock.adeobe.com Diesen Artikel drucken Diesen Artikel drucken

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