Frühkartoffeln akut in Gefahr

Beim steirischen Kartoffelbautag kritisierte der deutsche Experte Mark Mitschke die Stickstoffobergrenzen massiv. Er sieht so keine Zukunft.

Unter besonders schwierigen Vorzeichen starten die steirischen Frühkartoffelbauern in diesen Tagen in die heurige Ernte. Der Grund: Das Regionalprogramm Grundwasserschutz Graz-Bad Radkersburg legt Stickstoffdünger-Obergrenzen fest, unter denen kein erfolgreicher Frühkartoffelanbau möglich ist. Landwirt und Landeskammerrat Markus Hillebrand als Betroffener: „Wir haben in den langwierigen Verhandlungen im Vorfeld vehement eine Ausnahme für diesen Bereich gefordert, leider ohne Erfolg.“ Mit einer Düngerobergrenze von 90 Kilogramm Reinstickstoff pro Hektar in der betroffenen Ertragslage, sei eine nachhaltige Produktion nicht möglich, so Hillebrand: „Der spätere Erntezeitpunkt, schlechtere Qualitäten und geringere Mengen gefährden den Frühkartoffelanbau im Grazer Feld. Eine lange Tradition sowie die Existenzgrundlage viele Betriebe geht verloren.“

Keine Zukunft

Und genau diese Tatsache bestätigte dieser Tage auch der international anerkannte deutsche Kartoffel-Experte Mark Mitschke vom Beratungsdienst Kartoffelanbau Heilbronn. Unter der Diskussionsleitung von Ackerbaureferent Karl Mayer referierte er beim diesjährigen Kartoffelfachtag, der vergangene Woche in Feldkirchen abgehalten wurde. Rund 55 betroffene Landwirte folgten seinen Ausführungen sahen sich in ihrer Kritik gegenüber dem Regionalprogramm auch inhaltlich voll bestätigt. Seine zentrale Botschaft: Mit diesen Düngerobergrenzen ist ein wirtschaftlicher Frühkartoffelanbau in der Steiermark einfach nicht möglich.

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Dies hinterlegte er auch mit konkreten Zahlen und Fakten. So entziehen zehn Tonnen Frühkartoffel den Boden 50 Kilogramm Reinstickstoff. Bei einem Ertrag von 25 bis 30 Tonnen wären somit 90 Kilogramm viel zu wenig, aber das sind derzeit die Obergrenzen im Programm. Mark Mitschke: „Mit 90 Kilogramm werden die Kartoffeln einfach verhungern“.

Humusabbau

Noch schlimmere Folgen sieht Ackerbaureferent Karl Mayer: „Die Kartoffel entzieht dem Boden die notwendigen Nährstoffe. Werden diese als Dünger nicht zugeführt, werden sie durch Humusabbau verfügbar gemacht. Ein massiver Abbau wäre die Folge.“ Deshalb appelliert Mayer an alle Verantwortlichen: „Wir müssen einen Modus finden, wo Landwirte, der Gewässerschutz und die Bevölkerung gut leben können.“ Markus Hillebrand zeigt sich kämpferisch: „Wir werden weiter mit allen Mitteln darum ringen, dass der traditionsreiche Frühkartoffelanbau in der Steiermark erhalten bleibt. Das sind wir nicht nur unseren Bäuerinnen und Bauern, sondern auch den Konsumenten schuldig.

Beitragsbild: fotolia.com/Peter Walenzyk Diesen Artikel drucken Diesen Artikel drucken

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