„Man muss Jahre durchhalten!“

Der junge Bauer Wilfried Thoma über seine Erfahrungen mit der Direktsaat und warum dem Humusaufbau eine so große Bedeutung zukommt.

NEUES LAND: Sie sind bei den Humus-Tagen, die am 22. und 23. Jänner in Kaindorf stattfinden, einer der vielen Fachreferenten. Was hat Sie bewogen, in das Humusaufbauprogramm der Ökoregion Kaindorf einzusteigen?

Wilfried Thoma: Schon während meines Studiums habe ich mich mit dem Humusaufbau beschäftigt. Das hatte auch den Grund, weil mein Vater 1995 mit dem Kompostieren begonnen hat. Als ich dann vom Humusaufbauprogramm der Ökoregion Kaindorf erfahren habe, war es für mich naheliegend mitzutun.

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NL: In Ihrem Vortrag werden Sie über Ihre Erfahrungen mit der Direktsaat berichten. Was werden dabei Ihre Kernaussagen sein?

Thoma: Direktsaat bedeutet, auf jegliche lockernde oder wendende Bearbeitung des Bodens vor der Saat zu verzichten. Die einzige Bearbeitung erfolgt im Säschlitz für die Saatgutablage. Direktsaat ist eine der wenigen Möglichkeiten, naturnahen Ackerbau mit der Berücksichtigung einer ganzheitlichen Bodenphysiologie und Pflanzenphysiologie zu betreiben. Ich werde in meinem Vortrag darstellen, dass das funktionieren kann. Und ich werde auch ein Vorurteil widerlegen, dass Direktsaat ohne Totalherbizid nicht funktioniert.

NL: Der Schirlhof ist ein begehrter Exkursionsbetrieb und Sie sind ein Prediger des Humusaufbaus geworden. Warum ist Humusaufbau so wichtig?

Thoma: Durch Bodenbearbeitung wird Humus mineralisiert und Kohlendioxid sowie löslicher Stickstoff von aeroben Mikroorganismen freigesetzt. Steigende CO²-Emissionen in der Atmosphäre führen letztendlich zur Klimaerwärmung. Die damit verbundene Verringerung und einseitige Verschiebung des Bodenlebens – vor allem wichtiger Pilze und der Regenwürmer – führt zur Destabilisierung des Bodens. Böden mit geringem Humusgehalt weisen erhöhte Erosionserscheinungen und Nitratauswaschungen auf. Die verringerte Aggregierung und die reduzierte symbiotische Verbindung von Pflanzen mit Bodenorganismen führen zu geringerem Wurzel- und Pflanzenwachstum. Erst ab einem bestimmten Humusgehalt beginnt der Boden richtig zu funktionieren. Ein Kohlenstoff-speichernder Pflanzenbau reduziert Treibhausgase in der Atmosphäre, steigert am jeweiligen Boden die Wasserspeicherfähigkeit, Tragfähigkeit, Nährstoffverfügbarkeit und das gesamte Bodenleben.

NL: Was soll man nicht machen, wenn man auf seinen Ackerflächen Humusaufbau betreiben möchte?

Thoma: Ein großer Fehler ist die sehr intensive Bodenbearbeitung. Die intensive Bodenbearbeitung drängt die Bodenpilze, Regenwürmer und anaerobe Mikroorganismen zurück. Aber wenn für diese Lebewesen kein geeigneter Lebensraum geschaffen wird, können keine großen Kohlenstoffmengen im Boden gebunden und somit auch kein Humus aufgebaut werden. Und wenn Landwirte zusätzlich alle Ernterückstände abräumen, keine Zwischenfrüchte anbauen, den Boden mehrere Monate brach lassen und wenig Fruchtfolge betreiben, verstärkt sich das noch. Grundsätzlich ist aber jedem Geduld geraten, man muss einige Jahre durchhalten. Am Anfang fehlt nicht nur Erfahrung, sondern auch ein ausreichender Humusgehalt, eine feste Bodenstruktur, Regenwürmer und vieles mehr.

NL: Sind die Bauern und Bäuerinnen, die am Kompostaufbauprogramm teilnehmen, belächelte Außenseiter oder bewunderte Voranschreiter?

Thoma: Das ist schwer zu sagen. Es wird beides zutreffen. Kritiker sagen, dass sich das nicht rechnet. Die anderen sehen darin die Zukunft.

 

Zur Person:

Wilfried Thoma (30) studierte an der Boku Wien „Agrarwissenschaften“ und „Pflanzenwissenschaften“ und führt in Trofaiach einen auf die Herstellung von qualitativ hochwertigen Wildfuttermischungen spezialisierten Betrieb. Seit zwei Jahren nimmt er am Humusaufbauprojekt der Ökoregion Kaindorf teil.  Er hat einen Sohn und wird demnächst wieder Vater. Diesen Artikel drucken Diesen Artikel drucken

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