Die Familie zeigt sehr viel Kraft!

Die bäuerliche Familie zeigt bei den Ergebnissen unserer großen Umfrage viel Kraft. Ihr größtes Problem sind die Generationenkonflikte!

Mit einer anonymen Online-Umfrage wollte NEUES LAND erfahren, wie die Stimmung in den bäuerlichen Familien der Steiermark ist, welche Sorgen und Probleme sie haben und von welchen Besonderheiten sie geprägt sind. 371 Teilnehmerinnen und Teilnehmern aus allen Regionen des Landes und gut verteilt auf alle Altersklassen verdanken wir ein repräsentatives und ungemein spannendes Bild der Lage. Die erfreulichste Erkenntnis: Der Zusammenhalt in den bäuerlichen Familien funktioniert hervorragend – er ist in 89,2 Prozent der Fälle intakt. Ein Indiz dafür ist auch die Tatsache, dass bei 26,7 Prozent der Befragten sogar Familienmitglieder, die gar nicht mehr auf dem Hof leben noch große und 45 Prozent weiterhin immerhin geringe Arbeitsbeiträge leisten.

Spannungsfelder

Auch brisante Details ergeben sich aus der Umfrage: Auf über einem Drittel (34,5 Prozent) der Höfe bekennt man sich dazu, dass es oft Spannungsfelder innerhalb der Familie gibt. Besonders interessant ist die Frage nach den Ursachen: Da ragen die Generationenkonflikte (43,7 Prozent bei möglichen Mehrfachnennungen) klar heraus, aber auch Arbeitsüberlastung (39,4 Prozent) lässt nicht so selten die emotionellen Wogen hochgehen. Ein heißes Eisen ist offensichtlich auch die Zukunftsplanung für den Betrieb, die häufig unterschiedlich betrachtet wird. Auffallend weit vorne in dieser Reihung findet sich mit 21,3 Prozent die fehlende Akzeptanz angeheirateter Familienmitglieder. Dazu haben einige Teilnehmerinnen und Teilnehmer an der Befragung sehr persönlich ihr Herz ausgeschüttet. Eine junge Bäuerin machte da aus ihrer Verzweiflung kein Hehl: „Alles, was ich mache, ist falsch!“

Teil des so verbreiteten Themas der allgemeinen Generationenkonflikte sind natürlich auch die Fragen rund um die  Hofübergabe. Sie werden, wie sich zeigte, an fast einem Drittel (31,5 Prozent) der Betriebe als belastend erlebt. Oder die andere Perspektive: Für nur 29,4 Prozent sind sie gar kein Thema.

Tradition spielt auf den steirischen Bauernhöfen nach wie vor eine sehr wichtige Rolle: 88,1 Prozent fühlen sich ihr verpflichtet. Die so richtig große Familie ist aber doch selten geworden – in nur 4,6 Prozent aller Betriebe leben acht Personen und mehr. Die Kategorien vier bis sechs (40,2 Prozent) und zwei bis vier Menschen (36,1 Prozent) dominieren klar. Das wird auch in der Zahl der Generationen sichtbar: Drei (50,4 Prozent) und zwei (36,7 Prozent) dominieren, mehrere Generationen (7,3) Prozent sind selten geworden. Auf immerhin 5,7 Prozent der Höfe lebt gar nur eine einzige Generation.

Trennlinien

Das Thema des Zusammenlebens wird auch immer wieder von der Frage nach Trennlinien in den Wohnbereichen geprägt. Die gibt es mittlerweile in 61,5 Prozent der Fälle. Was umgekehrt aber auch heißt, dass ein gemeinsames Wohnen der Generationen (38,5 Prozent) noch immer durchaus üblich ist. Was wohl auch damit zu tun hat, dass in genau ebenso vielen Höfen betagte Familienmitglieder gepflegt werden.

Engagement

Ein ganz wesentlicher Stabilitätsfaktor der bäuerlichen Familien ist ohne Zweifel deren vielfältiges gesellschaftliches und/oder kulturelles Engagement. Bei den Ergebnissen unserer Umfrage stellte sich heraus, dass diese gemeinsame Leidenschaft von drei Schwergewichten geprägt wird. Klare Nummer eins in der Bedeutungs-Hitparade ist die Freiwillige Feuerwehr (36,1 Prozent), gefolgt von der Musik (33,2 Prozent) und der Jagd (31,3 Prozent).

Zukunft

Bleibt noch die Schlüssel-Frage, wer überzeugt davon ist, dass das Modell des bäuerlichen Familienbetriebes Zukunft hat. Die überwiegende Mehrheit der Bäuerinnen und Bauern (76,3 Prozent) hat keine Zweifel daran, aber doch fast ein Viertel (23,7 Prozent) ist diesbezüglich skeptisch.

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