Klein und “beerenstark”

von Robert Matzer

Viele Beerenarten erleben derzeit einen regelrechten Boom im Absatz. Vor allem der geschützte Anbau könnte eine echte Zukunft für Obstbau-Profis sein.

Der Konsum von Kernobst ist schon seit mehreren Jahren rückläufig. Lag der Pro-Kopf-Verbrauch von Äpfeln in Österreich 2008 noch bei 29,2 Kilogramm, ist er zehn Jahre später an einem bisherigen Tiefpunkt von 14,1 Kilogramm angekommen. Das bedeutet, dass sich der Apfelverbrauch in Österreich in kurzer Zeit halbiert hat – gleichzeitig stieg die Nachfrage nach vielen Beerenarten stark an. Aber die heimische Ware ist dafür nicht ausreichend. Besonders vor und nach der Freilandsaison werden nach wie vor große Mengen an Beeren importiert. Durch einen geschützten Anbau unter Tunneln und Abdeckungen könnte ein Teil der importierten Ware durch heimische ersetzt werden. Diese Produktionsart erfordert zwar viel Spezialwissen, könnte aber eine echte Alternative für Obstbauern sein.

Versuche

Am Bildungszentrum für Obst- und Weinbau in Silberberg wird man diesem Trend gerecht und setzt neue Akzente im Versuchs- und Ausbildungswesen. Gottfried Lafer, Fachvorstand für Obstbau in Silberberg erklärt: „Bei unseren Beeren-Versuchsflächen testen wir mehrere geschützte Anbausysteme und eine Vielzahl an Sorten. Bei den Sorten legt man mittlerweile das Hauptaugenmerk wieder auf den Geschmack und natürlich auch auf die Robustheit der Beeren gegenüber Krankheiten. Erst danach kommen Faktoren wie Produktionsmenge und Fruchtgröße.“

Gottfried Lafer, Fachvorstand für Obstbau in Silberberg. Foto: Silberberg

Der geschützte Beerenobstanbau in Silberberg soll neben der Versuchstätigkeit aber vor allem auch dazu dienen, den Schülern und interessierten Obstbauern die Scheu vor dieser speziellen Form der Kulturführung zu nehmen. Lafer dazu: „Dies geschieht einerseits durch den intensivierten praktischen Unterricht im schulischen Bereich und andererseits durch das Anbieten von Seminaren und Anlagenbegehungen für interessierte Praktiker. Hier arbeiten wir auch mit dem LFI und der Beerenobstfachberatung der Landwirtschaftskammer Steiermark zusammen.“

Innovation

Eine Neuheit am Beerenhimmel ist die sogenannte Haskapbeere, auch sibirische Honigbeere genannt. Die bläulichen, unregelmäßigen Früchte stechen sofort ins Auge und erinnern geschmacklich an eine Mischung aus Heidelbeere, Brombeere und Zwetschke. Lafer informiert: „Auch bei Haskap besteht eine fast nicht überschaubare Sortenvielfalt. Da die Wahl der richtigen Sorte entscheidend für den gewinnbringenden Anbau ist, liegt der Versuchsschwerpunkt in Silberberg bei der Prüfung dieser Sorten.“ Hier sind, so der Beeren-Profi, noch weitere Versuche notwendig. Die bisher getesteten Sorten sind zu weich und zeigten keine gute Haltbarkeit. Die Zukunft des geschützten Anbaus insgesamt sieht Lafer aber sehr positiv: „Auch eine Produktion unter nachhaltiger Beheizung im Glashaus könnte zukünftig interessant sein.“

Beitragsbild: samiramay – stock.adobe.com

 

 

 

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