Weichberger

Interview der Woche: Herbert Beiglböck

von Karl Brodschneider

Caritasdirektor Herbert Beiglböck über die Projekte der August-Sammlung sowie über die Auswirkungen der Corona-Pandemie in Afrika.

 

NEUES LAND: An diesem Freitag um 15 Uhr läuten österreichweit die Kirchenglocken statt einer Minute fünf Minuten lang. Herr Coritasdirektor Herbert Beiglböck, warum ist das so?

Herbert Beiglböck: Diese Aktion von Caritas und österreichischer Bischofskonferenz setzt ein starkes Zeichen gegen Hunger. Durch das Corona-Virus ist selbst unsere so stabil scheinende Welt ins Wanken geraten. In anderen Ländern, wo die Menschen weniger abgesichert sind, hat die gleiche Krankheit noch viel weiterreichende Auswirkungen. Wir können uns die Hände häufig waschen. Es ist auch kein Problem mehr, an Desinfektionsmittel zu kommen. Für die Menschen in vielen Gegenden Afrikas ist das ganz anders. Schon die Hände zu waschen ist eine Herausforderung. Home-Office oder Distance-Learning sind undenkbar, wenn keine Elektrizität vorhanden ist und keine Laptops zur Verfügung stehen. Ich wünsche mir, dass aus dem Bewusstsein dieser Priviligiertheit auch Dankbarkeit entsteht und dass wir als Zeichen dieser Dankbarkeit bereit sind zu teilen.

 

NL: Eine Möglichkeit dazu ist, bei der August-Sammlung der Caritas zu spenden. Wen unterstützt die Caritas?

Beiglböck: Die Caritas Steiermark unterstützt verschiedene Projekte im Südsudan sowie in Burundi. Das sind zum Beispiel Baby-Ernährungszentren, Grundschulen, Nähkurse für Frauen oder der Wissensaufbau für eine nachhaltige Landwirtschaft. Auch Hilfen bei der Bewältigung der COVID-19-Pandemie zählen dazu. Unsere Projekte sind nicht auf Kurzfristigkeit angelegt, sondern sie brauchen Vertrauen und einen langen Atem, dass den Menschen wirklich geholfen werden kann. Ein Ziel ist auch, gut ausgebildete Menschen zu unternehmerischem Handeln zu motivieren.

 

Chronisch unterernährt

NL: Laut dem jüngsten Welternährungsbericht leiden weltweit mehr als 800 Millionen Menschen an chronischem Hunger. Besonders hart trifft es die Menschen in Afrika, wo jedes dritte Kind chronisch unterernährt ist. Die Corona-Pandemie macht auch vor Afrika nicht Halt. Dazu kommt eine hierzulande kaum vorstellbare Heuschreckenplage. Macht einen das nicht mutlos?

Beiglböck:  Die Corona-Pandemie macht in einem negativen Sinn deutlich, dass wir eine globale Gemeinschaft sind. Die so gewachsene Welt ist eine gemeinsame Welt und wir tragen füreinander Verantwortung. Deshalb ist meine Bitte an die Menschen, dass sie uns helfen.

 

NL: Worauf gründet Ihr Optimismus, dass die Menschen bereit sind zu unterstützen und zu spenden?

Beiglböck: Mein seelsorgliches Bestreben war immer, bei Menschen, die selbst tief in einer Krise stecken, den Blick für die Not des anderen zu öffnen. Damit hat sich die eigene Not relativiert und ist leichter bewältigbar. Und die Not der Menschen in vielen Ländern Afrikas ist tatsächlich sehr groß.

 

Besuch im Südsudan

NL: Können Sie das auch aus eigener Erfahrung bestätigen?

Beiglböck: Nur ein Beispiel! Ich habe im vergangenen Oktober den Südsudan besucht und die Begeisterung der Kinder und Jugendlichen gesehen, die dort die Möglichkeit hatten, eine Schule zu besuchen. Diese Schulen sind wegen der Corona-Pandemie heute alle geschlossen. Für diese jungen Menschen ist die große Hoffnung, die mit dem Schulbesuch verbunden war, der Verunsicherung über die Zukunft gewichen.

 

Zur Person

Herbert Beiglböck folgte 2016 Franz Küberl als Caritas-Direktor nach. Vorher war er u.a. Generalsekretär der Katholischen Jugend Österreich, Generalsekretär der Katholischen Aktion Steiermark und Wirtschaftsdirektor der Diözese Graz-Seckau. Er ist verheiratet, Vater von drei Kindern und vierfacher Opa.

 

Beitragsfoto: Neuhold

 

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