Mehr als nur ein Erfahrungsaustausch

von Karl Brodschneider

Was argentinische und steirische Bauern gemeinsam haben und wie das im November begonnene Welthaus-Austauschprojekt weitergeht. 

 

Im vergangenen November reisten elf steirische Bauern und Bäuerinnen zusammen mit drei Mitarbeitern vom Welthaus Graz nach Argentinien. Im April folgt der Gegenbesuch der argentinischen Bauern. Das alles findet im Rahmen des Austauschprojektes „Alianza Österreich – Argentinien“ statt. Initiiert wird es vom Welthaus, einer Einrichtung der Diözese Graz-Seckau, gemeinsam mit der südamerikanischen Partnerorganisation INCUPO.

Mit dabei war auch Landeskammerrat Alois Kiegerl, Rinderhalter im Koralmgebiet. Er erklärt die gemeinsamen Ziele dieses Projektes: „Globale Zusammenhänge erkennen, den Erfahrungsaustausch zwischen bäuerlichen Familienbetrieben forcieren und starke Argumente für den Kauf regional erzeugter Produkte entwickeln.“ Dazu kommt: „Ein wertschätzendes Bild der familiären Landwirtschaft vermitteln und Rahmenbedingungen für eine nachhaltige tierische Produktion einfordern.“

Unvorstellbare Probleme

Alois Kiegerl

Landeskammerrat Alois Kiegerl beteiligt sich an der Austauschaktion mit argentinischen Landwirten.

Die Eindrücke, die Alois Kiegerl vor Ort gesammelt hat, beschäftigen ihn noch immer. „Die Intensität der Probleme in Argentinien ist im Vergleich zu uns ganz anders“, lässt er wissen. „Während bei uns doch das meiste lösbar erscheint, waren wir bei manchen Dingen dort ziemlich ratlos und das stimmte uns traurig. Zum Beispiel werden die Brunnen von benachbarten Bewohnern und Schulen durch die unkontrollierte Ausbringung von Pestiziden durch die industrielle Landwirtschaft vergiftet. Die Wege zu den ländlichen Betrieben und Schulen verwandeln sich bei Regen in unpassierbare Gatschpisten.“

Sichtbarer Klimawandel

Auch der Klimawandel war sichtbar und zeigte sich durch den Umstand, dass auf Grund der andauernden Trockenheit etliche Tiere verendet auf den Weiden lagen. Kiegerl dazu: „Der Klimawandel war deutlich spürbar, die Ausbreitung der Großgrundbesitzer gefährlich. Aber für allzu viel Traurigkeit ließen uns unsere Gastgeber keine Zeit. Die Herzlichkeit und die Gastfreundschaft sind etwas, das uns in Erinnerung bleiben wird. Wir tanzten, sangen und lachten gemeinsam.“

Auch die unglaubliche Weite des Landes – Argentinien ist 33-mal so groß wie Österreich – lernten die Steirer kennen. In Summe legten sie in zwei Wochen über 1600 Kilometer zurück und besuchten 14 Betriebe und Organisationen. Der Abschluss erfolgte in der Hauptstadt Buenos Aires. „Dort formulierten wir gemeinsam die Erklärung von Buenos Aires, welche wir auch gemeinsam am Sitz der argentinischen Bischofskonferenz verlasen“, erzählt der Weststeirer. „Diese Erklärung ist uns eine Herzensangelegenheit, denn sie beinhaltet unter anderem Dinge, die wir verändern können. Und diese gibt es! Ein großartiger Ansatz ist zum Beispiel, dass Peter Pucher – der ebenfalls auf der Reise in Argentinien dabei war – ab April versuchen wird, nur mehr europäischen, gentechnikfreien Soja an seine Schweine zu verfüttern.“

Dialog weiterführen

Am Austausch nahm auch Thomas Lanzer-Breitfuß, Obmann von Styria Beef, teil. Er ist von einem globalen Dialog überzeugt, um den derzeitigen Herausforderungen begegnen zu können. „Wir als steirische bäuerliche Familienbetriebe nehmen diesen Dialog mit der Erklärung von Buenos Aires auf“, sagt der Obersteirer und nimmt eine Formulierung auf, die Alexandra Kiegerl bei einem Interview im argentinischen Fernsehen gebracht hat: „Die familiäre Landwirtschaft ist eigentlich der einzig richtige Weg, um sehr viele Probleme, die wir heutzutage haben – Klimawandel, Welternährung usw. – gut meistern zu können.“

 

Fotos: Ernst Zerche, LK/Danner

 

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