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Im Interview: Johann Blaimauer

von Karlheinz Lind

Johann Blaimauer, RWA-Bereichsleiter für Saatgut und Holz, über den Frühjahrsanbau, gut wasserversorgte Böden und mehr Soja.

 

NEUES LAND: In diesen Tagen endeten die Frühbezugsaktionen von Saatgut bei den Lagerhäusern. Lassen sich aufgrund der Vorbestellungen bereits Trends für das Anbaujahr 2021 erkennen? Haben die Ernteverzögerungen im Herbst des Vorjahres Auswirkungen?

Johann Blaimauer: Derzeit gehen wir von einer Ausdehnung der Kürbis- und Sojabohnenflächen aus. Stabil zum Vorjahr zeigt sich die Nachfrage bei Sonnenblumen und Mais. In Regionen, wo der Herbstgetreideanbau aufgrund nasser Witterung nicht im gewünschten Ausmaß erfolgte, werden vor allem Sommerweizen, Sommerroggen und Hafer zulegen. Darüber hinaus wird die beabsichtigte Erhöhung der Zuckerrübenfläche umgesetzt.

Niederschlag und Frost

NL: Wie haben sich die teils tiefen Temperaturen des heurigen Winters sowie die Niederschlagsmengen auf die Winterungen ausgewirkt? Sind Schäden zu erkennen?

Blaimauer: Die teils doch sehr üppigen Niederschläge haben sehr gutgetan. Im Gegensatz zum Vorjahr starten wir heuer mit einer guten Wasserversorgung ins Frühjahr. Der Frost hat bis auf vereinzelte Rapsschläge keine merkbaren Schäden an den Herbstkulturen verursacht. Die tiefen Temperaturen haben die Winterbegrünungen abgefrostet und eine gute Frostgare lässt eine optimale Saatbettbereitung zu.

 

NL: In der Steiermark haben sich im vergangenen Jahr die Anbauflächen von Mais und Ölkürbis wieder ausgeweitet. Wird sich diese Entwicklung fortsetzen oder sind hier die Grenzen schon erreicht?

Blaimauer: Soweit in einzelnen Regionen die Fruchtfolge und die Diabrotica-Verordnung (Maiswurzelbohrer) das noch zulässt, wird das sicher stattfinden. Von größeren Zuwächsen, vor allem bei Kürbis, gehen wir allerdings eher in Niederösterreich aus, nicht in der Steiermark.

 

NL: Wetterextreme wie Sturm, Starkniederschlag oder Trockenheit werden immer häufiger. Stichwort Saatgut. Wie reagiert man im RWA-Konzern auf diese Tatsachen?

Blaimauer: Seitens der Raiffeisen Ware Austria legen wir schon seit Jahren in der Sortenselektion einen besonderen Wert auf die Umweltresilienz unserer Genetik. Ein gutes Beispiel für widerstandsfähige Sorten waren die vorjährigen guten Getreideerträge aufgrund der Niederschläge in der buchstäblich letzten Minute nach einer anhaltenden, langen Trockenperiode im Frühjahr und Frühsommer. Gemeinsam mit unseren Züchtungseinheiten, der Saatzucht Gleisdorf und der Saatzucht Edelhof, arbeiten wir auf Hochtouren am „Klimafit“-Projekt des Landwirtschaftsministeriums mit und sichern den weiteren Züchtungsfortschritt als Antwort auf den Klimawandel ab.

 

NL: Sie sind im Unternehmen auch für den Bereich Holz zuständig. Wie entwickelt sich der Markt nach einem schwierigen Corona-Jahr?

Blaimauer: Es gibt Anzeichen, dass sich der Markt dreht und auch die Waldbesitzer wieder einen fairen Anteil an der Wertschöpfungskette erhalten. Die extremen Trockenheits- und Borkenkäferkalamitäten haben nicht nur eine riesige Lücke in die Holzvorräte gerissen, sie haben das auch auf einem nicht kostendeckenden Preisniveau für die Forstwirte getan. Jetzt geht es darum, dass die gute Konjunkturlage der Holzverarbeitungsprodukte allen Beteiligten entlang der Wertschöpfungskette zugutekommt und dadurch die Wertekette Holz als wichtige österreichische volkswirtschaftliche Säule nachhaltig stärkt.

 

Zur Person

  • Johann Blaimauer ist in der Raiffeisen Ware Austria (RWA) Bereichsleiter für Saatgut und Holz.
  • Nach seiner Ausbildung an der HLBLA Franzisco-Josephinum studierte er an der Universität für Bodenkultur (BOKU) Agrarökonomik.
  • Der Vater von zwei Töchtern ist bereits seit 1986, damals noch in der RWA-Vorgängerorganisation ÖRWZ, tätig.

Beitragsfoto: RWA

 

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