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Im Interview: Juliane Bogner-Strauß

von Karl Brodschneider

Gesundheitslandesrätin Juliane Bogner-Strauß über die drohende Omikron-Welle, den Personalnotstand in der Pflege und das Landesbudget.

 

NEUES LAND: Die Corona-Pandemie beschäftigt uns alle und fordert Sie als Gesundheitslandesrätin besonders. Wie bereitet sich das Land Steiermark auf die drohende Omikron-Welle vor?

Juliane Bogner-Strauß: Es ist nur eine Frage der Zeit, bis die Omikronvariante auch in der Steiermark weit verbreitet sein wird. Die flächendeckende Mutationsanalyse ist ein gutes Instrument, dem Virus „auf der Spur“ zu sein. Um dem Virus auch voraus zu sein, arbeiten wir in der Steiermark mit Hochdruck an den Drittimpfungen. Diese werden momentan weiter vorangetrieben, wofür ich den Ärztinnen und Ärzten, den Mitarbeitenden an den Impfstraßen und bei den Impfbussen für ihren unermüdlichen Einsatz herzlich danke.

 

NL: Inwieweit sind die Menschen noch bereit, die Corona-Maßnahmen mitzutragen?

Bogner-Strauß: Die Pandemie dauert nun schon sehr lange und ich kann verstehen, dass uns die Situation auf gut steirisch „am Zeiger geht“. Doch es hilft nicht, wir müssen uns darauf einstellen, dass das Virus uns noch länger begleiten wird. Damit verbunden sind auch Maßnahmen, die sich ständig weiterentwickeln müssen. Ich appelliere an alle, sich an die geltenden Maßnahmen zu halten. Nur so können wir bestmöglichen Alltag für alle ermöglichen.

 

NL: Sind die Menschen, die sich als Impfskeptiker und -gegner äußern, überhaupt noch zu überzeugen, dass das Impfen die einzige Möglichkeit ist, der Pandemie Herr zu werden und unser Gesundheitsweisen im bisherigen Umfang noch aufrecht erhalten zu können?

Bogner-Strauß: Ich glaube, man muss bei jenen Menschen, die sich bislang noch nicht impfen haben lassen, klar unterscheiden. Es gibt jene, die strikt dagegen sind und sich auch nicht überzeugen lassen. Das sind sehr wenige. Dann gibt es aber auch jene, die zögern, aber grundsätzlich nicht völlig abgeneigt sind. Genau diese Gruppe müssen wir als Gesellschaft abholen und von der Wirkung und der positiven Tragweite ihrer Entscheidung überzeugen. Da braucht es Politik, Ärzte und Ärztinnen, Freunde und Familie, um Gespräche zu führen und zu informieren.

 

NL: Sie sind in Ihrem Zivilberuf eine anerkannte Wissenschaftlerin. Wie sehr erschüttert es Sie, dass die Wissenschaftler und Fachexperten von vielen Menschen oft angezweifelt werden?

Bogner-Strauß: Natürlich macht es mich traurig, wenn anerkannten Wissenschaftlern und Wissenschaftlerinnen nicht in dem Ausmaß vertraut wird, wie es eigentlich sein sollte. Allerdings möchte ich auch klar sagen, dass die große Mehrheit der Menschen der Wissenschaft vertraut. Das zeigen auch die momentane Impfquote mit knapp 70 Prozent und die rasch steigende Quote unter den Booster-Impfungen.

 

NL: In der Landesregierung verantworten Sie auch die Bereiche Bildung und Pflege. Finden Sie Ihre Wünsche im neuen Landesbudget gut abgebildet?

Bogner-Strauß: Gerade in Zeiten einer Pandemie ist es alles andere als einfach, ein Budget auf die Beine zu stellen. Ich danke deshalb Landeshauptmann Hermann Schützenhöfer und Stellvertreter Anton Lang, die klar auf Investitionen setzen und nicht nur die wirtschaftliche Dynamik stützen. In meinen Bereichen sind insgesamt knapp 200 Millionen Euro mehr eingeplant. Dieses Geld wird helfen, die kommenden Herausforderungen zu meistern.

 

NL: Haben Sie zum neuen, aus der Steiermark kommenden Minister für Bildung, Wissenschaft und Forschung, Martin Polaschek, einen guten Zugang? Wo glauben Sie, gemeinsam etwas weiterbringen zu können?

Bogner-Strauß: Wir kennen uns auch über meine Tätigkeit an der Universität schon seit vielen Jahren und ich bin mir sicher, dass das Ministerium einen erfahrenen Manager bekommt. Ich schätze Martin Polaschek fachlich und auch persönlich. Er wird in Zukunft ein guter Bildungsminister sein. Kurzfristig gilt es, die Pandemie auch im Bildungsbereich zu managen. Darüber hinaus warten aber auch weitere Herausforderungen, die nur als Einheit von Bund und Land gemeistert werden können. Ich möchte mich auch bei Heinz Faßmann bedanken, der stets ein offenes Ohr hatte und in der Pandemie alles gegeben hat, um das Bestmögliche zu erreichen.

 

NL: Bei der Pflege stoßen wir – immer mehr sichtbar werdend – an die Grenzen, was die Finanzierbarkeit und das Personal betreffen. Wie sehen Sie diesbezüglich die nächsten Jahre?

Bogner-Strauß: Die Pflege ist – das möchte ich besonders betonten – die Herausforderung des 21. Jahrhunderts. Viele sprechen hier von einem Pflegenotstand, vielmehr ist es aber ein Personalnotstand. Um neue Handlungsspielräume zu erarbeiten, braucht es nicht nur einfach Geld, sondern tragfähige Koalitionen mit dem Bund sowie den Trägern.

 

NL: Bald feiern wir Weihnachten, ein neues Jahr steht vor der Tür. Was wünschen Sie sich und was wünschen Sie unseren Leserinnen und Lesern?

Bogner-Strauß: Die letzten Monate haben uns noch einmal verdeutlicht, dass Gesundheit das Wichtigste im Leben ist. Unser Herr Landeshauptmann Hermann Schützenhöfer hat den Satz „Gesundheit ist nicht alles, doch ohne Gesundheit ist alles nichts“ trefflich formuliert. Ich wünsche uns allen deshalb ein gesundes Jahr 2022.

Zur Person

  • Ehe die dreifache Mutter Juliane Bogner-Strauß (50) in die Bundespolitik ging und bald darauf Bundesministerin für Frauen, Familie und Jugend wurde, war die Molekularbiologin stellvertretende Institutsleiterin am Institut für Biochemie an der TU Graz.
  • Seit Dezember 2019 ist die gebürtige Südsteirerin Landesrätin für Bildung, Gesellschaft, Gesundheit und Pflege.
  • Bogner-Strauß ist seit 2018 auch Bundesleiterin der VP-Frauen.

Beitragsfoto: Marija Kanizaj

 

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