Im Interview: Heinrich Ertl

von Karlheinz Lind

Der neue Limousin-Sprecher Heinrich Ertl über beste Fleischqualität, Gutmütigkeit und feine Füße als großes Plus dieser Rasse.

NEUES LAND: Sie wurden beim letzten Limousin-Züchtertreffen zum neuen steirischen Rassesprecher gewählt. Wann haben Sie ihre Leidenschaft für diese besondere Rinderrasse entdeckt?

Heinrich Ertl: Der Start unserer Limousinzucht erfolgte im Jahre 1990. Noch vor dem Fall des Eisernen Vorhanges haben mein Vater und ich vier Stück aus einer aufgelassenen Kolchose angekauft –ich war 18 Jahre alt. Damals hatten wir Fleckvieh am Hof, das bereits mit Angus eingekreuzt wurde. Durch das Markenprogramm Styria beef, das ist die F1-Kreuzung von Fleckvieh und Limousin in biologischer Wirtschaftsweise, wurden immer mehr Limousin-Stiere benötigt. Deshalb haben wir weitere Zuchttiere aus Luxemburg und Deutschland importiert. Seit dem Jahr 2000 sind wir ein reiner Limousin-Zuchtbetrieb.

 

NL: Worin liegt die Faszination dieser Rinderrasse?

Ertl: Für mich liegt der größte Vorteil in der Fleischqualität. Ein Limousinrind kann nahezu zu jedem Zeitpunkt geschlachtet werden. Sowohl als Kalb mit 150 Kilogramm oder als fertiger Ochs mit 700 Kilogramm Lebendgewicht ist das Fleisch perfekt. Weiters neigt diese Rasse nicht zur Verfettung. Die Rinder eignen sich auch sehr gut für die Weide- und Almhaltung. Sie kommen ursprünglich aus einem kargen Gebiet in Frankreich und fühlen sich im steirischen Bergebiet äußerst wohl. Da Limousin meist als Kreuzungsrasse auf Mutterkuhhaltungsbetrieben eingesetzt werden, legen wir in der Zucht größten Wert auf feine Füße und einen kleinen Kopf. Leichte Geburten sind das Ziel.

 

NL: Wie viele Betriebe beschäftigen sich in der Steiermark mit der Limousinzucht und wie erfolgt die Vermarktung?

Ertl: Wir liegen in der Bedeutung bei Fleischrindern nach den Murbodnern an zweiter Stelle. Es gibt 38 steirische Züchter, wovon 25 aktiv züchten. Unser Ziel ist es, den Bedarf an Besamungsstieren für den Natursprung zu decken. Rund 100 Stiere werden von den steirischen Styria beef-Betrieben jedes Jahr benötigt. Hier erfolgt die Vermarktung meist ab Hof. Auch der Export spielt bei uns eine wichtige Rolle. Jedes Jahr werden über die Rinderzucht Steiermark auch Zuchttiere nach Ungarn, Rumänien, Kroatien und Bulgarien verkauft.

 

NL: Lange Zeit wurde dem Limousin angekreidet, eine sehr nervöse Rinderrasse zu sein. Ist das wirklich so?

Ertl: Ja, das war auch so. Wir haben ursprünglich sehr nervöse Tiere importiert. Das hat sich durch solide Zuchtarbeit jetzt grundlegend geändert. Wir verwenden nur mehr gutmütige Tiere mit gutem Fundament für die Zucht. Stiere mit schlechten Eigenschaften werden fertig gemästet und geschlachtet. Das Limousinrind ist grundsätzlich eine lebhaftere Rasse. Das hat auch viele Vorteile. So etwa stehen die Kälber nach der Geburt viel früher auf und saugen somit auch schneller selbstständig bei der Mutterkuh.

 

NL: Wo sehen Sie die Schwerpunkte in ihrer Arbeit?

Ertl: Wir sind zwar eine kleine, aber feine Züchtergruppe, die sich ständig präsentieren und weiterbilden will. So etwa besuchen wir alle zwei Jahre Exkursionsbetriebe im Ausland, um neueste Informationen und Erfahrungen einzuholen. Auch die Teilnahme an Rinderschauen hat bei uns einen hohen Stellenwert. So werden wir am 22. Februar in Traboch bei der österreichischen Fleischrinderschau vertreten sein. 2019 konnten wir bei der Bundesfleischrinderschau in Ried bei den Stieren und Kühen den Reservesieger stellen.

 

NL: Wie viele Limousinrinder halten Sie auf ihrem Betrieb?

Ertl: Derzeit haben wir knapp 200 Stück Limousinrinder am Hof, davon 70 Kühe.

 

Zur Person

  • Heinrich Ertl ist Limousin-Züchter am Reicherhof in Oberkurzheim, Pöls.
  • Der begeisterte Land- und Forstwirt und Biobauer ist verheiratet mit Magret und Vater von drei Kindern.
  • Rund 110 Hektar LN werden bewirtschaftet, 60 davon als Acker.
  • Kürzlich wurde der LFS-Kobenz-Absolvent zum Rassesprecher der steirischen Limousinzüchter gewählt.

 

Beitragsfoto: privat

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