„Die Lage ist kritischer geworden“

Landesveterinärdirektor Peter Wagner über die Gefahr der Afrikanische Schweinepest und seine Risikoweinschätzung für die Wirtschaft.

NEUES LAND: Die Bekämpfung von Tierseuchen ist eine zentrale Aufgabe der Veterinärdirektion. Wie schätzen Sie derzeit die Gefahr in der Steiermark durch den Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest (ASP) unweit der österreichischen Grenze ein?

Peter Wagner: Die Gefahr durch die ASP besteht bereits seit Jahren, nun ist die Situation wesentlich kritischer geworden. Denn Ende Juni 2017 wurden erstmals Fälle bei Wildschweinen in der tschechischen Region Zlin – rund 80 Kilometer von der österreichischen Grenze entfernt – festgestellt. Trotz einer intensiven Bekämpfung in dieser Region, es wurden eigene Sperrgebiete mit Umzäunungen errichtet und in den Randgebieten Wildschweine massiv bejagt, konnte man das Problem nicht in den Griff bekommen.

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NL: Aufgrund dieses Ausbruches von ASP in Tschechien wurden nun Teile Niederösterreichs und Wien als gefährdetes Gebiet in Österreich ausgewiesen. Was bedeutet das? Muss man auch mit Maßnahmen in der Steiermark rechnen?

Wagner: Diese Ausweisung als gefährdetes Gebiet ist besonders wichtig. Denn damit wird gegenüber der Europäischen Union der Wille bekundet, die Ausbreitung zu verhindern. Dabei sind verschiedene Maßnahmen, wie etwa die doppelte Umzäunung von Freiland-Schweinebeständen sowie Beschränkungen beim Verbringen von Lebendschweinen damit verbunden. Auch in der Steiermark müssen bei Freilandhaltung von Schweinen der Auslauf doppelt umzäunt sein, strengere Hygienemaßnahmen eingehalten werden und die Kadaverlagerung aus seuchentechnischer Sicht einwandfrei sein. Dies alles ist in der Schweinegesundheits-Verordnung festgelegt, die vor zwei Jahren in Kraft getreten ist und nun aufgrund dieser Sondersituation wirksam wird. Natürlich wird die Einhaltung auch kontrolliert.

NL: Stichwort Globalisierung. Wie sinnvoll sind Schutzmaßnahmen überhaupt in einer Welt, die eigentlich keine Grenzen kennt?

Wagner: Sinnvoll sind alle Maßnahmen, die eine Seuche verzögern oder abschwächen können. Leider haben wir bei Krankheitsübertagungen mittels Vektoren (Insekten) oder Wildtieren wenig Chancen, einzugreifen. Dies trifft nicht nur bei der ASP sondern zum Beispiel auch bei der Vogelgrippe zu. In Deutschland versucht man derzeit mittel intensiver Bejagung von Wildscheine die Seuchenübertragung einzudämmen. Ob das gelingt ist aber sehr fraglich.

NL: Was können steirische Schweinehalter tun, um auf Nummer sicher zu gehen?

Wagner: Das Wesentlichste ist die Einhaltung des Fütterungsverbotes von Speiseresten an Schweine. Denn darin liegt die größte Gefahr zur Ausbreitung von ASP. Über Speisereste kam es im vergangenen Jahrhundert mehrmals zu Einschleppungen in europäische Hausschweinbestände. Die derzeitige besorgniserregende Entwicklung nahm ihren Ausgang im Jahre 2007 in Georgien. Von dort trat sie ihren Weg über Russland, der Urkaine, dem Balikum bis hin nach Polen und Tschechien an. Allein ein Fernfahrer oder ein polnischer Arbeiter kann mit mitgebrachten verseuchten Speisen eine Katastrophe in der heimischen Schweinebranche anrichten, sowohl beim Landwirt als auch beim Schlachthofbetreiber.

NL: Gegen die Schweinepest gibt es keine Impfung und keine Behandlung. Tut sich in der Forschung nun etwas?

Wagner: In Deutschland und Frankreich wird intensiv an einem Impfstoff geforscht. Es ist jedoch kein Durchbruch in Sicht.

Zur Person:

Hofrat Peter Wagner, Fachtierarzt für Tierhaltung und Tierschutz und Diplomate des European College of Veterinary Public Health, promovierte 1988, war ab 1989 als Amtstierarzt, von 1997 bis 2004 als Leiter des Referats für Tierschutz und Tierseuchenbekämpfung tätig und ist seit 2005 Hofrat und Landesveterinärdirektor der Steiermark. Diesen Artikel drucken Diesen Artikel drucken

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