Für faire Preise

Für viele Bäuerinnen und Bauern wird die Preis-Situation existenzbedrohend. Ein Fünf-Punkte-Plan soll mehr Fairness bringen.

Einzigartig, kleinstrukturiert, bäuerlich – das ist die Landwirtschaft in der Steiermark und in Österreich. Schon seit Jahren lastet jedoch ein zunehmender Preisdruck auf den heimischen Bauern und vom Endverbraucherpreis kommt immer weniger an. Doch so schlimm wie derzeit war die Situation für viele Branchen schon lange nicht mehr. Besonders die Obst- und Schweinebauern sind massiv betroffen. Landwirtschaftskammer und Bauernbund richteten dieser Tage bei einer Pressekonferenz einen Appell an die wichtigsten Handelsketten in Österreich und legten einen Fünf-Punkte-Plan für eine Verbesserung der Situation vor (siehe oben).

Landesrat Hans Seitinger: “Die Zukunft unserer Bauern muss ein gesellschaftliches Hauptanliegen werden, da Lebensqualität und Versorgungssicherheit von morgen unmittelbar damit zusammenhängen. Daher appelliere ich an alle Partner, faire Geschäftsbedingungen einzuhalten. An die öffentlichen Institutionen, heimischen Produkten den Vorrang zu geben und besonders an den Handel, Produkte aus ihren Märkten zu verbannen, die in Österreich gesetzlich nicht erzeugt werden dürfen.”

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Brisante Situation

Wie brisant die Situation für viele ist beschrieb LK-Präsident Franz Titschenbacher: „In den vergangenen Wochen sind die Erzeugerpreise für Schweinefleisch in den Keller gerasselt. Von einem Kilo Schnitzelfleisch kommen beim Bauern nur magere 15 Prozent an.“ Dagegen seien, wie man erklärte, in den vergangenen 32 Jahren die Verbraucherpreise beim Schweineschnitzel um satte 50 Prozent gestiegen, die Bauern bekommen aber um 19 Prozent weniger als 1986 (siehe Graphik rechts). Das bedeutet: Ausgehend vom aktuellen Schweinepreis sind die Verbraucherpreise – so wurde beklagt – um 81 Prozent davongezogen.

Titschenbacher: „Die Obstbauern erleben schon das vierte Katastrophenjahr durch Frost und Preisdumping. Sie bekommen im Schnitt nur die Hälfte ihrer Kosten bezahlt. Auf der zweiten Hälfte bleiben sie, trotz naturnaher und effizienter Bewirtschaftung, sitzen.” Lesen Sie mehr dazu im Interview der Woche auf den Seiten 6 – 7.

Centbeträge

Die Situation ist teilweise so extrem, dass es oft nur noch um wenige, aber entscheidende, Cent pro Kilogramm geht, was auf den Verbraucherpreis umgerechnet sehr gering erscheint. LK-Vizepräsidentin Maria Pein: „Würden die Obst- und Schweinebauern nur 15 bis 20 Cent mehr pro Kilo ihrer Ware erhalten, könnten sie die Existenz ihre Höfe sichern.”

Seitinger abschließend: „Wir werden sicher keinen Krieg mit den Handelsketten ausrufen und zuerst das Gespräch mit den Verantwortlichen suchen. Eines muss aber klar sein: Die Nerven liegen in einigen Branchen blank und wir werden als letzte Konsequenz sicher Druck aufbauen.“ Siehe auch Kommentar links.

Die Relationen stimmen nicht – eine sehr bedenkliche und existenzbedrohende Entwicklung beim Schweinefleisch.

Der Fünf Punkte Plan

Um die bäuerliche Landwirtschaft in der Steiermark zu retten verlangen Landwirtschaftskammer-Präsident Franz Titschenbacher, Vizepräsidentin Maria Pein und Landesrat Johann Seitinger ein nachhaltiges „Fairness-Paket für unsere Bauern“:

  1. Dialog-Gespräch mit den Spitzen der in Österreich tätigen Handelsketten auf steirischen Bauernhöfen. Dabei soll die Dramatik der Lage vermittelt werden.
  2. Ein Stopp der unfairen Preise für unsere Bauern: Dem unlauteren Wettbewerb der Handelsketten ist ein Riegel vorzuschieben. Last-Minute-Stornierungen von Lebensmittellieferungen, verspätete Zahlungen, einseitige Vertragsabänderungen – oft auch nachträglich, horrende Listungsgebühren müssen der Vergangenheit angehören.
  3. Vom Lebensmittelhandel bestellte höhere Qualität muss auch bezahlt werden. Die Landwirtschaft darf nicht mehr am Ende der Wertschöpfungskette stehen und das bekommen was übrig bleibt, sondern die Preiskalkulation muss mit einem fairen Preis für die Erzeugnisse der Bauern beginnen.
  4. Appell an die Bevölkerung: Heimische Lebensmittel bevorzugen. Die steirischen Bäuerinnen und Bauern appellieren an die Bevölkerung zu heimischen Lebensmitteln zu greifen. Sie entscheiden maßgeblich, ob die einzigartige bäuerliche Landwirtschaft in der Steiermark und in Österreich erhalten bleibt.
  5. Kennzeichnung von verarbeiteten Lebensmitteln und den Speisen in Kantinen und der Gastronomie. Bei verarbeiteten Lebensmitteln in Supermärkten sowie beim Essen in Kantinen und in der Gastronomie fehlen weitgehend die Herkunftsangaben der Rohstoffe. Damit die Konsumenten Wahlfreiheit haben, verlangt die Landwirtschaftskammer eine klare verpflichtende Kennzeichnung der verarbeiteten Lebensmittel (z. B. Wurst oder Apfelsaft usw.) im Supermarkt, aber auch in der Gastronomie und in den Kantinen.

Wussten sie, dass…

  • …der Bauer vor 32 Jahren für ein Schwein 200 Euro bezahlt bekam. Heute sind es nur mehr 160 Euro, also fast ein Viertel weniger.
  • …um kostendeckend zu sein, der Bauer für ein Schwein zumindest 200 Euro bekommen müsste. Dank des Fleißes und der Tüchtigkeit gelang dieser Produktionsfortschritt. Ohne diesen Fortschritt müsste der Bauer für ein Schwein heutzutage 600 Euro bezahlt bekommen, die Inflation eingerechnet.
  • …die 6.458 Schweinehalter in der Steiermark eine Wertschöpfung von einer Milliarde Euro erbringen und 12.000 Arbeitsplätze inklusive des vor- und nachgelagerten Bereiches sichern.
  • …die 1.998 steirischen Obstbauern (davon 1.116 Apfelproduzenten) eine Wertschöpfung von 250 Millionen Euro erzeugen und 3.000 Arbeitsplätze inklusive im vor- und nachgelagerten Bereich sichern.
  • …ein Industriearbeiter für ein Kilo Schweinefleisch 27,5 Minuten arbeiten muss. 1980 waren es noch 1,32 Stunden, 2007 waren es 40,3 Minuten.
  • …für eine Mechanikerstunde musste ein Bauer exakt 100 Kilogramm Rohmilch verkaufen, 2017 jedoch bereits rund 400 Kilogramm. Die Kaufkraft der Milchproduktion ist für den Bauern, um eine Mechaniker-Stunde zu bezahlen, um 75 Prozent gesunken.

Beitragsbild: LK Steiermark Diesen Artikel drucken Diesen Artikel drucken

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