Klare Sicht auf Gewinn und Lohn

von Robert Matzer

Die Experten der Fachabteilung für Betriebswirtschaft der LK Steiermark können Wissen verständlich und praxisnah vermitteln.

Landwirte sind Unternehmer und als solche in ihrem Fachbereich kompetent und mit Leidenschaft tätig. Sie alle verbindet, neben der Arbeit mit der Natur, vor allem auch eines: die Notwendigkeit nach betriebswirtschaftlichen Aufzeichnungen. Obwohl bei einigen die trockene Zahlenmaterie nicht zu den beliebtesten Tätigkeiten zählt, ist sie doch die Basis für so ziemlich jede betriebliche Entscheidung. Bei der LK Steiermark werden seit 2016 sehr erfolgreich eine Arbeitskreisberatung im Bereich der Unternehmensführung angeboten, bei denen vor allem Verständlichkeit und Praxisnähe im Vordergrund stehen.

Klare Sicht

Michael Schaffer ist seit Beginn dieser Dienstleistung Projektleiter und gibt einen Überblick: „Die Beratungen werden in den fünf Regionen Ennstal, Obersteiermark, Oststeiermark, Weststeiermark und Graz als Gruppenveranstaltungen angeboten. Alle Betriebszweige werden darin abgedeckt und die Arbeit in der Gruppe hat für alle Beteiligten große Vorteile.“ Ziel dabei ist es, eine klare Sicht auf die wirtschaftliche Situation des eigenen Betriebs zu erlangen und sein unternehmerisches Bauchgefühl durch konkrete Zahlen abzusichern. Im Detail können damit wichtige Fragen geklärt werden: Wo sind die Stärken und Schwächen? Welche Betriebszweige sind rentabel? Wie hoch sind Gewinn und Lohn genau? Wo verbergen sich versteckte Potentiale und Geldfresser und wieviel Arbeitszeit fliest wohin?

Schaffer Michael Porträtfoto

Michael Schaffer, Projektleiter Arbeitskreisberatung Unternehmensführung. Foto: LK

Als Grundlage für die detaillierten Auswertungen dienen lupenreine betriebliche Aufzeichnungen. Schaffer erklärt den Ablauf: „Zu Beginn steht eine Einführung in die Thematik. In zwei bis drei Stunden erkläre ich den Betriebsleitern, wie die betrieblichen Vorgänge in Form gebracht werden. Mit Hilfe einer Software – hier gibt es mehrere Anbieter – nehmen wir gemeinsam Buchungen nach dem System der doppelten Buchführung vor. In den Gruppenberatungen folgen dann auch der theoretische Hintergrund und die eigentlichen Erklärungen warum das so gemacht wird. Idealerweise beginnt man damit am ersten Jänner, also wenn ein neues Wirtschaftsjahr beginnt.“

Aha-Erlebnisse

Und dieser Aufwand lohnt sich, weiß der Betriebswirt: „Ich habe in meinem Berufsalltag schon hunderte Betriebe beraten. Von diesen haben nur wenige wieder mit der detaillierten Buchführung aufgehört, weil sie selbst einige Aha-Erlebnisse hatten und die Vorteile erkannt haben. Wir wollen schließlich alle wettbewerbsfähig bleiben, wofür es auf jedem Betrieb sicher mehrere Möglichkeiten gibt.“

Sein ganzer Erfahrungsschatz lässt sich sicher nicht in ein paar Zeilen fassen, dennoch gibt er ein paar Beispiele aus der Praxis: „Bei Betrieben mit mehreren Zweigen kommt es regelmäßig vor, dass Wahrnehmung und Realität der Rentabilität der einzelnen Zweige verschoben sind. Wenn man konkrete Zahlen hat, kann man das leichter erkennen und sich damit auf seine Stärken konzentrieren. Auch beim Privatverbrauch gibt es oft Überraschungen. Der Schnitt liegt laut Grünem Bericht pro Betrieb bei etwa 37.000 Euro jährlich, also mehr als 3000 Euro pro Monat.“ Besonders auch die Arbeitszeit sieht der Spezialist als wesentlichen Faktor bei der Buchführung: „Hier gibt es eine riesige Spannweite. Manche Betriebe haben gute Unternehmerlöhne, bei anderen bleibt in Wirklichkeit wenig oder kaum etwas übrig nach Abzug der Sozialversicherung. Gerade Arbeitszeit ist meist ein Engpass. Durch eine detaillierte Zeitaufzeichnung gibt es gute Verschiebungsmöglichkeiten, wie man seine Zeit möglichst sinnvoll einsetzt.“

Praktikerstimmen

Auch Stefanie Würtz, die mit ihrem Mann einen Bio-Ochsenmastbetrieb auf der Stolzalpe führt, hat die Vorteile dieser Gruppenberatung erkannt. „Wir haben den Betrieb 2017 übernommen und vor zwei Jahren mit der Arbeitskreisberatung begonnen. Unsere Nebenerwerbslandwirtschaft sehen wir wirklich als Unternehmen, weshalb uns auch Daten und Zahlen wichtig sind. Die Software erleichtert uns das Bilanzieren erheblich.“ Für sie sind vor allem zwei Aspekte derzeit besonders wichtig: „Einerseits möchten wir unseren tatsächlichen Arbeitslohn ermitteln. Wenn man seine Arbeitskraftstunden ehrlich aufzeichnet, sieht man einfach ob sich die Arbeit lohnt oder nicht. Andererseits mussten wir aufgrund der Trockenheit heuer Futtermittel zukaufen. Wenn man das wirklich genau auf den Kilopreis und den Verbrauch rechnet, merkt man erst was das eigentlich für eine Belastung für einen Grünlandbetrieb ist.“

Zur Person

Michael Schaffer ist Raumberg-Absolvent und studierte Rechnungswesen und Controlling in Graz. Seit 2016 ist er als Projektleiter für die Arbeitskreisberatung Unternehmensführung bei der LK Steiermark tätig. Davor arbeitete er mehrere Jahre bei der LBG Steuerberatung und Unternehmensberatung und wirkte an der Erstellung des Grünen Berichts mit. Derzeit nehmen in der Steiermark 75 Betriebe an diesen Beratungen teil. Interessierte können sich per Email unter michael.schaffer@lk-stmk.at oder telefonisch unter 0664 602596 1421 anmelden. Für die Beratungsleistung berechnet die LK eine Pauschale von 200 Euro pro Jahr. Weitere Informationen finden Sie im Internet unter arbeitskreisberatung-steiermark.at.

Beitragsbild: agrarfoto.com

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