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Im Interview: Franz Greinix

von Karl Brodschneider

LFI-Obmann Franz Greinix über die aktuellen Bildungsangebote und inwieweit sich die Kursangebote aufgrund von Corona verändert haben.

 

NEUES LAND: Das Ländliche Fortbildungsinstitut LFI spielt in der steirischen Erwachsenenbildung eine wichtige Rolle. Wie viele Kurse in welchen Bereichen werden angeboten? 

Franz Greinix: Es gibt im LFI sieben Geschäftsfelder. Das größte davon ist die Landwirtschaft. Hier bieten wir zirka 120 verschiedene Themen an. Die Kursangebote gehen von der Unternehmensführung über die Pflanzenproduktion bis hin zur Tierhaltung. Weitere Geschäftsfelder sind Natur und Garten, Dienstleistung und Direktvermarktung, Digitales Lernen und Technik, Persönlichkeitsbildung, Wohlbefinden und Ernährung sowie Wirtschaft und Arbeitsmarkt. All diese Kurse – in der Summe hatten wir in den letzten Jahren durchschnittlich 1250 pro Jahr – umfassen etwa 280 Themen.

 

Beliebte Kurse

NL: Welche Weiterbildungsangebote sind besonders stark nachgefragt und gibt es viele Kurse, die mangels Teilnehmer-Interesse abgesagt werden müssen?

Greinix: Stark nachgefragt sind Themen, welche die Landwirtschaft betreffen, aber auch Kräuterpädagogik, Natur- und Landschaftsvermittlung sowie Reitpädagogik und Direktvermarktung. Sehr beliebt sind aber auch die Zertifikatslehrgänge. Aktuell werden zwölf solche Lehrgänge angeboten wie zum Beispiel Seminarbäuerin, überbetriebliche Klauenpflege, Mostsommeliere und – ganz neu – der Ölesommeliere mit Schwerpunkt Kürbiskernöl. In der abgelaufenen Bildungssaison, die ja stark von Corona geprägt war, hatten wir 10.000 Teilnehmer, sonst haben wir in Normaljahren etwa 35.000 Teilnehmer. Wir haben – sieht man vom letzten Jahr ab – eine Durchführungsquote von rund 80 Prozent. Das ist ein sehr guter Wert.

 

NL: Wenn man die Alters- und Geschlechterverteilung anschaut – wer nimmt diese Angebote besonders gerne wahr? Sind auch viele Teilnehmer aus anderen Bundesländern dabei?

Greinix: Knapp die Hälfte unserer Teilnehmer und Teilnehmerinnen ist zwischen 36 und 55 Jahre alt. Das sind meist diejenigen, die daheim den Bauernhof führen. Bei landwirtschaftlichen Kursangeboten sind 65 Prozent männlich und 35 Prozent weiblich, in den anderen Geschäftsbereichen sind 61 Prozent Frauen und nur 39 Prozent Männer.

 

Online-Angebote

NL: Inwieweit hat die Corona-Pandemie die Kursangebote verändert?

Greinix: Der Inhalt der Kurse hat sich wenig geändert, aber in der Methodik hat sich sehr viel getan. Die Online-Angebote haben sich massiv weiterentwickelt. Es gibt jetzt nicht nur zeitunabhängige Onlinekurse, sondern auch Online-Live-Veranstaltungen wie Webinare, Farminare, Onlineworkshops und Cookinare. Für eine aktuelle und zeitnahe Bildungsweitergabe gibt es seit dem Jahr 2020 auch sogenannte Bildungsvideos, die auf der Lernplattform elfi eingebettet sind und jederzeit gestreamt werden können. Stärker geworden ist auch das sogenannte Blended-Learning. Dabei wechseln sich die Präsenzveranstaltungen mit Online-Formaten ab. Die Inhalte sind dabei genau aufeinander abgestimmt. Das trifft besonders bei den Zertifikatslehrgängen zu, die ja sehr lange dauern und wo man bestimmte Anteile im Online-Format anbietet. Aber wir merken schon, dass die Leute unbedingt das Präsenzangebot suchen. Sie wollen vor Ort sein, mitmachen, andere Menschen treffen. Bei bestimmten Kursen wie zum Beispiel Klauenpflege braucht man von Haus aus die Praxiseinheit. Das geht gar nicht anders.

 

NL: Inwieweit hat die GAP-Reform Auswirkungen auf die Kursangebote?

Greinix: Bei der neuen GAP wird es vor allem darum gehen, dass man das Weiterbildungsprogramm auf das neue ÖPUL sowie auf UBB-Maßnahmen anpasst. Da sind wir im ständigen Austausch mit den Fachabteilungen der Landwirtschaftskammer.

 

NL: Wie entsteht eigentlich das Bildungsangebot des LFI? 

Greinix: Die Programmplanung ist ein ganzjähriger Prozess, bei dem laufend Rückmeldungen von unseren Kunden, Funktionären und vor allem Fachabteilungen der Landwirtschaftskammern einfließen. Daraus ergibt sich ein großer Pool an Produktideen, aus dem unsere pädagogischen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des LFI konkrete Bildungsprodukte entwickeln, die sich dann im Bildungsprogramm finden. Unsere Mitarbeiter haben viel Erfahrung und ein gutes Gespür dafür, was gebraucht wird.

 

NL: Eine letzte Frage! Welche Rolle spielt das LFI innerhalb der heimischen Erwachsenenbildungseinrichtungen?

Greinix: Im ländlichen Raum ist das LFI sicher die größte Erwachsenenbildungseinrichtung und nimmt daher eine bedeutende Rolle in der Erwachsenenbildung ein. Wir sind ein vom Landwirtschaftsministerium anerkannter Bildungsanbieter sowie Kooperationspartner der steirischen Landwirtschaft, von BIO-Ernte Steiermark und von der Landarbeiterkammer. Seit langer Zeit sind wir auch ein Projektträger für zahlreiche AMS-Bildungsmaßnahmen. Zudem arbeitet das LFI Steiermark auch aktiv im Vorstand des Bildungsnetzwerk Steiermark, der Koordinationsstelle der steirischen Erwachsenenbildung, mit.

 

Zur Person

Franz Greinix (55) ist seit 2016 Obmann des LFI Steiermark. Er war drei Perioden lang Landeskammerrat und ist aktuell Bezirkskammerrat in Voitsberg. Er ist verheiratet, Vater von drei Kindern und führt zusammen mit seiner Familie einen Bio-Betrieb mit Schwerpunkt Forstwirtschaft, Mutterkuhhaltung und Biomasthühner in 1170 Meter Seehöhe in der Gemeinde Hirschegg-Pack.

 

Foto: Brodschneider

 

 

 

 

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