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Interview der Woche: Markus Hillebrand

von Karl Brodschneider

„Facebook-Star“ Markus Hillebrand über die Reaktionen bei Konsumenten und beim Handel auf sein leidenschaftliches Erdäpfel-Video,  

 

NEUES LAND: Auf Facebook haben sie in einem Video die Konsumententäuschung von Handelsketten bezüglich Frühkartoffel entlarvt. Um was geht es konkret?

Markus Hillebrand: Die Erdäpfellager sind durch den Ausfall der Gastronomie und Hotellerie noch gefüllt. Die Interessensgemeinschaft Erdäpfel führte zu Jahresanfang österreichweit Gespräche mit den Handelspartnern und wies auf diesen Umstand hin. Man bat daher, diesmal vom Zukauf ausländischer Erdäpfel im Frühbereich Abstand zu nehmen. Seitens der Handelspartner argumentierte man aber, dass der Kunde immer wieder den Wunsch äußert, dass man mit den Erdäpfeln aus Ägypten und Israel beginnen möge. Diese Fehlentwicklungen wollte ich mit meinem Video deutlich machen. Ich wollte bewusst machen, dass die gleiche Sorte Erdäpfel, die jetzt aus Ägypten und Israel importiert wird, nämlich die Sorte Ditta, zu Tausenden Tonnen bei uns noch auf Lager liegt. 

 

NL: Was ist der Unterschied zwischen Früh- und Herbstkartoffeln?

Hillebrand: Die Bezeichnung Frühkartoffeln ist laut österreichischen Qualitätsklassengesetz bis zum 10. August zulässig. Ab dem 11. August werden Sorten als Speisekartoffel definiert und deklariert. Die jetzt bei uns auf dem Markt gekommenen ägyptischen „Frühkartoffeln“ der Sorte Ditta wurden bereits im Herbst 2020 gelegt. Die typischen Heurigen beziehungsweise Frühkartoffeln sind dünnschalige Erdäpfel, die noch nicht schalenfest sind und durch einen ausgezeichneten Geschmack bestechen. Bei uns erfolgt der Erntestart der Sorte Ditta meist Mitte bis Ende August. Diese Sorte ist eine der bekanntesten Salaterdäpfel und wird meistens über den Winter aufgrund ihrer Keimruhe gelagert und je nach Bedarf verkauft. Daher ist aus meiner Sicht bei der Sorte Ditta die Bezeichnung Frühkartoffel eine Irreführung des Konsumenten.

 

Viele Reaktionen

NL: Welche Reaktionen gab es bei den Bauern und Konsumenten auf Ihr Video und die Zeitungsberichte?

Hillebrand: Unglaublich viele! Mein Telefon und mein Mail-Server gingen tagelang so richtig über. Aus ganz Österreich haben sich Betriebe und Konsumenten gemeldet. In den sozialen Medien überschlugen sich die Ereignisse. Im ganzen Land wurde über die Erdäpfel diskutiert. Ich sehe es als meine Aufgabe als leidenschaftlicher Interessensvertreter, diese Situation klar und deutlich aufzuzeigen und zu kommunizieren. Anmerken möchte ich auch, dass die Unterstützung der Landwirtschaftskammer und Presseabteilung enorm war. 

 

NL: Haben auch die Handelsketten reagiert?

Hillebrand: Ja, die zwei großen Diskonter am Markt haben via Presseaussendung verkündet, dass sie heuer auf den Zukauf ausländischer Frühkartoffel verzichten werden. Das ist natürlich ein riesengroßer Erfolg, der erst durch den öffentlichen Druck möglich war. Ein Handelspartner wartet noch auf die Spargelsaison und ein Partner hat weiterhin die Wüsten-Erdäpfel gelistet.

 

Kaufentscheidung

NL: Glauben Sie, dass die Konsumenten bezüglich Regionalität der Lebensmittel hellhöriger werden?

Hillebrand: Die Menschen sind in dieser Pandemie viel sensibler geworden.   Dieses Wissen und diese Hintergrundinformationen habe ich versucht zu vermitteln. Die Konsumenten vergeben tagtäglich mit ihrem Einkauf einen Produktionsauftrag. Sie haben die Macht darüber zu entscheiden, wohin die Produktion geht und wieviel vor und nachgelagerte heimische Arbeitsplätze daran hängen. Der Konsument hat die Macht, klar und deutlich aufzuzeigen, wie nachhaltig er wirklich das Essen und Trinken haben möchte. Dieses Wissen und diese Hintergrundinformationen habe ich bei den ausländischen Wüsten-Erdäpfeln zu vermitteln versucht.

 

Zur Person

Markus Hillebrand (42) führt mit seiner Familie einen Ackerbau- und Gemüsebetrieb mit Direktvermarktung in der Marktgemeinde Premstätten. Seit dem Jahr 2016 ist er Landeskammerrat. Er ist Obmann der Genuss Region Grazer Krauthäuptel, Obmann der Genossenschaft „Bäuerliches Versorgungsnetzwerk Steiermark“ und Obmann der „Wasserschutzbauern“.

 

Hier der Link zum Video: https://www.facebook.com/markus.hillebrand.12/posts/3790917640992040

 

Beitragsfoto: Brodschneider

 

 

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