Weichberger

Interview der Woche: Gusti Maier

von Karl Brodschneider

Seit zehn Jahren ist Gusti Maier Landesbäuerin. Bei der Wahl am Dienstag, 27. April, wird sie nicht mehr für dieses Amt kandidieren.

 

NEUES LAND: Was macht die Bäuerinnenorganisation eigentlich so stark?

Gusti Maier: Stark macht, dass wir alles Frauen sind, die über den gleichen Beruf sprechen und zwar über den Beruf der Bäuerin in all seinen Facetten. Stark macht uns auch der Zusammenhalt. So können wir als Einheit auftreten.

 

NL: Frauen auf Bauernhöfen haben verschiedene Vorgeschichten und hatten früher vielleicht sogar wenig Bezug zur Landwirtschaft. Sehen sich alle als Bäuerinnen?

Maier: Die Sichtweise ist jeder selbst überlassen, jede Frau muss sich in dieser Rolle selbst erst einfinden. Bei den Gemeindebäuerinnenwahlen habe ich aber immer wieder bemerkt, dass wir viele junge Frauen dazugewinnen konnten, die aus ganz anderen Berufen kommen und diese teilweise weiterhin ausüben. Ob sie sich nun als Bäuerin oder landwirtschaftliche Unternehmerin sehen, bleibt ihnen selbst überlassen.

 

NL: Welches Bild hat die Öffentlichkeit von einer Bäuerin?

Maier: Das Bild der Bäuerin hat sich geändert und das ist gut so. Ich will auch nicht, wenn man Fotos macht, dass die Bäuerin mit dem Dirndlkleid im Kuhstall steht. Das ist sie nicht. Sie darf modern auftreten, so wie sie ist. Was anderes lassen sie auch nicht mehr zu, denn sie sind mit ihrem Selbstwertgefühl viel gefestigter als frühere Generationen.

 

Heimische Lebensmittel

NL: Nach zehn Jahren hören Sie in wenigen Tagen als Landesbäuerin auf. Worauf sind sie besonders stolz?

Maier: Das Bewusstmachen, wie wertvoll heimische Lebensmittel sind, wird stark von der Bäuerinnenorganisation getragen. Als Botschafterinnen für heimische Lebensmittel informieren, unterrichten und engagieren wir uns in der Gesellschaft für eine größere Wertschätzung unserer Produkte und Arbeit. Was mir besonders am Herzen liegt, ist, dass das Thema Lebensqualität auf unseren Bauernhöfen Einzug hält. Dieses Thema wird ja auch großteils über die Frauen gespielt.

 

NL: Inwieweit ist es Ihnen gelungen, Bäuerinnen zu motivieren, stärker in öffentlichen Funktionen in Erscheinung zu treten?

Maier: Jedes Sich-Engagieren ist eine persönliche Entscheidung, aber man muss den Frauen immer wieder sagen, dass es hierbei um ihren eigenen Beruf geht. Wenn wir uns selbst nicht in der Kommunalpolitik, im Genossenschaftsbereich und in der Interessensvertretung einbringen, dann frage ich schon, wer das sonst tun soll. Dazu passt ein Spruch, der mich sehr begeistert und den ich auch immer wieder weitergegeben habe. Er lautet: Einer, der nichts tut, kann nichts falsch machen, aber auch nichts richtig machen.

 

Frage ohne Antwort

NL: Was waren Ihre schönsten Momente in der Bäuerinnenarbeit?

Maier: Ich war immer stolz darauf, Landesbäuerin zu sein und unsere Bäuerinnen im ganzen Land vertreten zu dürfen. Und ich war immer gerne Bäuerin. Immer wieder habe ich mich gefragt, was gewesen wäre, wenn ich nicht Bäuerin geworden wäre und ob ich etwas in meinem Leben versäumt hätte. Auf diese Frage finde ich keine Antworte. So denke ich mir, das kann für mich nur das Beste gewesen sein.

 

NL: Welche Tipps geben Sie der neuen Landesbäuerin mit auf den Weg?

Maier: Ich gebe ihr keine Tipps. Meine Nachfolgerin kommt aus einer ganz anderen Familiensituation, aus einem ganz anderen Betrieb heraus. Sie ist eine tolle Frau. Sie wird ihren Weg gehen.

 

Zur Person

Auguste „Gusti“ Maier führte zusammen mit ihrem Mann Adolf einen Bauernhof in der Gemeinde Hart bei Graz. Sie ist seit 40 Jahren verheiratet, hat zwei Kinder und zwei Enkelkinder. Sie ist Landwirtschaftsmeisterin und seit 40 Jahren in der Bäuerinnenorganisation tätig. Sie war Bezirkskammerrätin, Bezirksbäuerin und wurde 2011 Landesbäuerin. Im Jahr 2017 wurde sie mit dem Berufstitel „Ökonomierat“ ausgezeichnet.

 

Beitragsfoto: Brodschneider

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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