Apfel-Krise: 5 Millionen Schaden

Im Apfelland Steiermark läuten alle Alarmglocken. Nicht nur die direkten und indirekten Folgen der russischen Einfuhrverbote machen bereits schwer zu schaffen, auch andere Problemsituationen sorgen für Brisanz.

Thomas Reiter, Geschäftsführer der von 730 steirischen Apfelproduzenten getragenen OPST (Obst Partner Steiermark GmbH.), sieht sich mit einer Situation konfrontiert, „wie sie bislang niemand gekannt hat.“ Das Schlimme daran: „Es gibt gleich mehrere Ursachen.“

Am schwersten wiegt wohl das russische Embargo für Lebensmittel aus der EU. Reiter dazu: „Wir stecken mitten drin in einem Wirtschaftskrieg, unser Export ist massiv betroffen.“ Das gilt zunächst für umfangreiche Apfel-Direktlieferungen nach Russland, das zuletzt als Kunde erheblich an Bedeutung gewonnen hat. Für stattliche 7000 Tonnen im Jahr fand man dort Abnehmer und plötzlich ist alles vorbei. „Wir waren zuletzt mit 20 Stornos von Aufträgen konfrontiert“, sagt Reiter. Damit aber nicht genug: Durch den russischen Boykott werden zahllose Tonnen Äpfel aus Polen und anderen Ländern die europäischen Märkte fluten und die Preise massiv beschädigen. Reiter: „Wir müssen mit Größenordnungen rechnen, die für uns bislang völlig unvorstellbar waren.“

Große Sorgen macht auch eine weitere Exportfront: Libyen war bislang für die Äpfel aus der Grünen Mark wichtige Drehscheibe zu den Märkten in Nordafrika. Die dortige politische Instabilität wird aber immer mehr zum Hindernis.

Damit nicht genug: Wir stehen knapp vor der heurigen Ernte, die wegen der besonderen Wetterbedingungen in ganz Europa rekordverdächtig groß sein dürfte. „In Österreich sind es“, sagt Reiter, „1,5 Millionen Tonnen mehr als wir realistischer Weise bewältigen können.“ Dazu kommt, dass es in manchen Lagern noch reichlich Ware gibt, die eigentlich eiligst Platz machen sollte.

Der OPST-Geschäftsführer: „Wir rechnen für das nächste Jahr mit einem Schaden in der Größenordnung von rund fünf Millionen Euro. Es ist eine Situation, die wir allein nicht bewältigen können. Wir brauchen unbedingt Hilfe.“ Nachsatz: „Und wir sind mehr denn je auf die Unterstützung der Konsumenten angewiesen, ohne Produktpatriotismus (siehe Kommentar links) geht in einer derart dramatischen Situation gar nichts mehr.“ Und die langfristigen Perspektiven: „Unsere große Chance liegt weiterhin ausschließlich in der Qualität. Wir müssen die besten Äpfel der Welt erzeugen.“

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Thomas Reiter: „Wir sind mit einer Situation konfrontiert, wie sie bislang niemand gekannt hat.“ Foto: OPST

 

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