40.000 Kinder am Hof

Erfreuliches aus der Schule: Immer mehr Stadtkinder entdecken Bauernhöfe und das bäuerliche Bild in Büchern soll besser werden.

Schule hat große Bedeutung für uns“, sagt Michaela Taurer vom Ländlichen Fortbildungsinstitut (LFI) in der Landwirtschaftskammer Steiermark, die auch das österreichweite Projekt „Land und Forstwirtschaft und Schule“ leitet. In den Bildungsstätten wachsen nicht nur die künftigen Meinungsbildner und Konsumenten heran, sondern auch kleine Botschafter, die ihre Mütter und Väter mit ihren Überzeugungen stark beeinflussen können.

Entsprechend erfreulich ist es, dass die im Jahr 1988 vom Ministerium für Land- und Forstwirtschaft initiierte und von den LFI’s in den Bundesländern umgesetzte Initiative „Schule am Bauernhof“ hervorragend läuft. Betriebe stehen den Schülerinnen und Schülern, so Taurer, als „Lern- und Erlebnisorte“ offen – betreut von Bäuerinnen und Bauern die entsprechende Ausbildungen absolviert haben. In der Steiermark bieten insgesamt 160 zertifizierte Betriebe eintägige und fünf Höfe sogar mehrtägige Erlebnispakete an. Heuer darf man sich dazu über eine stattliche, runde Zahl freuen: Bereits 40.000 junge Leute sind bisher auf diese Weise der Landwirtschaft viel näher gekommen.

Gestärkt in die Zukunft

„Alle profitieren davon“, sagt Michaela Taurer. „Die Kinder, weil sie sehen, wie es am Bauernhof zugeht. Die bäuerlichen Familien, weil sie durch den Zuspruch der Kinder gestärkt in die Zukunft schauen können und Pädagogen, weil auch sie einiges dazulernen.“

Dazu kommt, dass „Schule am Bauernhof“, so Taurer, ein „interessanter Erwerbszweig“ ist. Was dafür spricht: Der Umgang mit Kindern macht Freude, meist sind keine größeren Investitionen notwendig und ein bewährter LFI-Lehrgang vermittelt das notwendige pädagogische Rüstzeug. Neun weitere Bäuerinnen und Bauern sind gerade in Ausbildung und sollten im April ihr Zertifikat bekommen.

Taurer

Michaela Taurer

An einer anderen pädagogischen Front muss man sich vorerst bescheidenere Ziele stecken. Es geht um eine zeitgemäße und realistische Darstellung von Landwirtschaft in Österreichs Schulbüchern. Kammern und LFI’s haben zuletzt – auch nach kritischen Rückmeldungen von Eltern – in großem Umfang Bücher überprüft. Die Erkenntnisse daraus: „Ein hoher Prozentsatz ist in Ordnung, aber es gibt auch fehlerhafte Darstellungen über die heimische Landwirtschaft“. (Siehe Info-Box oben.)

Aus dem Verkehr

In Gesprächen mit den wichtigsten Schulbuchverlagen zu diesem Thema ist man sich zuletzt darüber einig geworden, dass falsche Darstellungen mit vereinten Kräften aus dem Verkehr gezogen werden sollen. Die Sache hat allerdings einen Haken: Schnell wird das nicht gehen. Das liegt an langwierigen Zulassungsverfahren von Büchern und „Schülerladen“, die sich um die Wiederverwendung von Unterrichtsbehelfen kümmern. Sie helfen zwar beim Sparen, tragen aber auch dazu bei, dass Inhalte, die längst nicht mehr auf Höhe der Zeit sind, einen langen Lebenszyklus haben.

Falsch in Büchern

 

In manchen Schulbüchern sind Produktionsmethoden beschrieben, die in Österreich verboten sind. So etwa Drahtkäfige für Ferkel, Lebendrupfen und Stopfen von Gänsen.

Zum Thema Schweinezucht heißt es beispielsweise: „Durch den Stress, dem die Tiere ausgesetzt sind, wird das Fleisch blass und bleich.“ Richtig sollte es heißen: „Beim PSE-Fleisch (hell, weich, wässrig) handelt es sich um einen Gendefekt. Durch Züchtung ist es gelungen, dieses Problem weitgehend zu beseitigen.“

Zum Thema Kälbermast wird folgendes behauptet: „Das Mästen dient zur schnellen und billigen Fleischproduktion.“ „Spezielles Futter soll schnelles Wachstum und zartes Kalbfleisch garantieren.“ Und: „Fleisch von Kälbern aus der Mutterkuhhaltung ist teurer als Kalbfleisch“. Richtig sollte es heißen: „In der Kälbermast bekommen die Tiere fast ausschließlich Milch beziehungsweise Milchaustauscher und zusätzlich etwas Heu. Durch dieses Fütterungsverhalten bleibt das Fleisch sehr hell und zart, was bei den Konsumenten sehr beliebt ist. Dieses Fütterungsverhalten ist teurer und daher ist auch das Kalbfleisch teurer.“

 

Am Bauernhof gibt es ungemein viel zu entdecken. Michaela Taurer vom Ländlichen Fortbildungsinstitut (LFI) freut sich über den großen Erfolg der Initiative „Schule am Bauernhof“.

 

 

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