Wie soll es weiter gehen?

Sperrstund‘ für immer geht um. Und eine bittere Weisheit alarmiert im ländlichen Raum: „Stirbt der Wirt, stirbt das Dorf!“

Mittlerweile kämpfen viele traditionelle Gasthäuser um ihre Existenz und nicht wenige haben diesen Kampf leider in den letzten Jahren verloren. Die Konsequenz daraus: Der Verlust des gastlichen und kommunikativen Mittelpunkts eines Dorfes. Die verbliebenen Gasthäuser und Gasthöfe – immerhin rund 1.200 in der Steiermark – sind vielerorts die letzte Festung des Miteinanders in einer oft dramatisch ausgedünnten örtlichen Struktur. Nahversorger, Polizei, Bank, Postamt und mancher kleine Gewerbebetrieb sind abhanden gekommen. Somit fehlt auch für viele Traditionsbetriebe der Gastronomie oft die Zukunftsperspektive.

Studie

Das dokumentieren die Ergebnisse einer Studie des Institutes für Wirtschafts- und Standortentwicklung (IWS) in Zusammenarbeit mit der WK-Fachgruppe Gastronomie. Fast zwei Drittel (64 Prozent) der befragten Wirte gaben dabei zu Protokoll, dass sie kein Unternehmen in ihrer Branche am selben Standort mehr gründen würden. Nicht nur das: In den letzten Jahren habe sich, beklagen die Traditionsgastgeber, bei über 60 Prozent von ihnen die wirtschaftliche Lage verschlechtert.

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Vom Sog dieser Turbulenzen sind besonders die für den ländlichen Raum so wichtigen Gasthäuser und Gasthöfe erfasst. Die Grüne Mark hat seit der Jahrtausendwende rund ein Viertel von ihnen verloren. Im selben Zeitraum zählt man allerdings um über 40 Prozent mehr Restaurants und über 20 Prozent mehr Kaffeehäuser – allerdings vielfach an anderen Orten. Wobei die Zahl der Kaffeehäuser seit rund einem Jahrzehnt auch schon wieder im Sinkflug ist.

Viele Gründe

Für das Gasthaus-Drama gibt es viele Gründe. Am schwersten wiegen wohl gesellschaftliche Veränderungen: Viele Pendler aber auch Studierende verbringen nur die Wochenenden daheim, es fehlt die Zeit für ein gemütliches Beisammensitzen. Zwischenmenschliche Verständigung wird intensiv auf Social-Media-Kanälen betrieben und zusätzlich haben nicht wenige mit dem riesigen TV-Bildschirm in Wohnzimmer eine Art Familienkino.

Vor allem aber sind mittlerweile leider nicht wenige Betriebe in einer Sackgasse gelandet, aus der sie nur schwer herausfinden können: Ihre betriebswirtschaftliche Situation ist so kritisch, dass notwendige Investitionen kaum oder gar nicht mehr machbar sind. Was einerseits den Qualitätserwartungen der Gäste widerspricht und andererseits auch zum mächtigen Hindernis in Sachen Unternehmensnachfolge wird. Welche Tochter oder welcher Sohn übernimmt schon gerne einen Betrieb, der ins Wanken geraten ist und wo eine 70- bis 100-Stunden-Woche zur Selbstverständlichkeit wurde. Inklusive Wochenend- und Nachtarbeit.

Zeitbombe

Man spricht in der Branche von der Gefahr der „Selbstausbeutung“ und weiß auch, dass – so die genannte IWS-Studie – ein Drittel der Traditionsgastgeber bereits ein „Burn Out“ hinter sich hat. Doch die Notbremse zu ziehen, ist alles andere als einfach, weil man zusätzlich noch große Probleme damit hat, geeignetes Personal zu finden. Auch das sieht sich zunehmend, wie es heißt, dem Arbeitsdruck des Gastgewerbes nicht gewachsen.

Mit all dem tickt eine regelrechte Bombe für dörfliche Infrastruktur, Gastlichkeit und Tourismus in der Steiermark: In den nächsten zehn Jahren steht bei rund einem Viertel der Unternehmen der Generationenwechsel oder eine Übergabe an andere Betreiber an. Doch wie sind diese unter solchen Bedingungen zu finden? Wir stehen also möglicher Weise vor einer für den ländlichen Raum und für den steirischen Tourismus bedrohlichen Welle an Betriebsschließungen, die alles noch viel schlimmer macht, als es jetzt schon ist. Sofern nicht eiligst gegengesteuert wird!

In Zahlen

Die Zahl der gastronomischen Betriebe in der Steiermark ist (siehe unseren Bericht) von steten und starken Veränderungen geprägt. Derzeit gibt es rund

  • 1.200 Gasthäuser
  • 1.350Kaffeehäuser
  • 20 Gasthöfe
  • 270 Kaffeerestaurants
  • 500 Buffets
  • 600 Imbiss-Stuben
  • 700 Restaurants
  • 150 Würstelstände

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1 Kommentar

  • Natürlich ist aufgrund der Abwanderungen an vielen Standorten ein Wirtschaften schwer geworden, gleichzeitig erfreut man sich immer wieder positiver Beispiele an auch immer wieder faszinierenden Standorten.

    Ich bin der Meinung, dass es nicht ganz so schlimm ist wie man hört, da oft ungenützte Stärken, ein anderer Blickwinkel und neue Ideen helfen würden. Oft liegt es an der Verbohrtheit der Unternehmer welche keine neuen Weg sehen, nichts zulassen oder loslassen wollen. Die größte Schwelle die es zu überwinden gibt ist das eigene Ego.

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