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Im Interview: Thomas Gasper

von Karl Brodschneider

Krenbauer Thomas Gasper informiert über die kommende Ernte, vermehrt auftretende Pilzkrankheiten und eine besondere Auszeichnung.

 

NEUES LAND: Der Kren wurde vom Deutschen Verein für Heilpflanzen zur Heilpflanze des Jahres gewählt. Freut man sich als Krenbauer über solche Nachrichten?

Thomas Gasper: Natürlich macht es mich stolz, solche Nachrichten zu hören. Da macht es noch mehr Freude, so ein vitaminreiches Gemüse zu produzieren, das gesund und wertvoll ist.

 

NL: Was zeichnet den Kren aus, dass er so geadelt wurde?

Gasper: Aufgrund der wertvollen Senföle und des hohen Vitamin C-Gehaltes – er ist übrigens doppelt so hoch wie der einer Zitrone – steht es unserem Kren schon zu, so geadelt zu werden. Außerdem enthält der Kren auch reichlich B-Vitamine und wertvolle Mineralstoffe wie Natrium, Kalium, Magnesium, Calcium, Phosphor und Eisen. Im Volksmund wird unser Steirischer Kren daher als Antibiotikum des Gartens bezeichnet. Er verfeinert nicht nur viele Speisen, sondern fördert auch die Gesundheit und stärkt das Immunsystem.

 

NL: Demnächst beginnt die Krenernte. Wieviel Kren wird eigentlich in der Steiermark angebaut?

Gasper: Das traditionelle Anbaugebiet des Steirischen Krens g.g.A. liegt bei uns in der Südoststeiermark. Derzeit produzieren 53 Betriebs auf knapp mehr als 300 Hektar Kren.

 

NL: Wird alles auf einmal geerntet? 

Gasper: Die Krenernte startet, wenn der Frost beginnt. Das ist meistens Anfang November. Die Ernte erfolgt, solange es der Boden zulässt beziehungsweise es noch nicht gefroren ist. Die restliche Ernte erfolgt im Frühjahr, sobald es der Boden wieder zulässt. Das ist etwa Anfang März. Der Kren mag gut versorgte Böden. Er hat gerne Wasser, aber es darf keine Staunässe sein. Er liebt die Wärme, es darf aber nicht zu heiß sein. Auf Trockenheit reagiert der Kren mit einem Trockenring. Das bedeutet weniger Ernte. Bei Hagel wird die Pflanze geschwächt, was ebenfalls zu einer niedrigen Ernte führt.

NL:  In letzter Zeit machen bestimmte Krankheiten den Krenbauern große Sorgen. Was sind das für Krankheiten?

Gasper: Das ist zum einen die Krenschwärze, zum anderen die Kopffäulnis. Beide sind Pilzkrankheiten. Dazu kommen auch tierische Schädlinge wie zum Beispiel der Kohlweißling.

 

NL: Ist der Krenanbau in der Steiermark noch eine Kultur mit Zukunft?

Gasper: Das ist er sicher. Er ist eine sehr arbeitsintensive Kultur und braucht daher viele Hände, um ihn zu ernten. Weil das nicht jeder machen kann und will und auch nicht das Wissen dazu hat, ist er schon eine Kultur mit Zukunft. Außerdem haben wir die passenden Böden dazu. Der steirische Kren ist mit dem europäischen g.g.A.-Siegel geschützt. Dadurch haben wir schon einen Vorteil, weil die Leute immer mehr auf die Herkunft setzen.

 

NL: Brauchen die Krenbauern viele Erntehelfer und kriegen sie diese überhaupt noch?

Gasper: Wir brauchen schon viele Mitarbeiter, das sind hauptsächlich ausländische Erntehelfer. Es gibt drei Schwerpunktzeiten, wo es bei uns ganz viel zu tun gibt. Jetzt im November, bis der Frost kommt, dann bei der restlichen Ernte im März und im Mai beim Krenheben. Der Kren ist halt eine Pflanze, die sehr viel Zeit benötigt. Eine Faustregel spricht von 1000 Stunden pro Hektar. Nicht umsonst heißt es im Volksmund, dass der Kren jeden Tag seinen Herrn sehen will.

 

NL: Inwieweit wirkt sich der Klimawandel auf den Kren aus?

Gasper: Der Klimawandel macht es uns Bauern schon sehr schwer. Es gibt immer öfters längere Hitzewellen und dann kommen immer öfters derart große Niederschlagsmengen, sodass der Boden damit überfordert wird. Das wirkt sich sehr deutlich auf den Ertrag aus.

 

NL: Wie halten Sie es selbst mit dem Kren beim Essen?

Gasper: Das Kochen macht meine Freundin. Ich bin in der Küche der Genießer. Gerichte mit Kren gibt es wirklich sehr viele. Eine Krensuppe oder Krenpürree sind schon etwas Gutes!

Zur Person

  • Thomas Gasper (31) ist Krenbauer in Mehlteuer, Marktgemeinde Kirchberg an der Raab.
  • Er ist Absolvent der Fachschule Hatzendorf und seit heuer auch Bezirkskammerrat in der Bezirksbauernkammer Südoststeiermark.
  • Er ist einer der beiden Obmannstellvertreter vom Verein Steirischer Kren g.g.A.

Beitragsfoto: Brodschneider

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