Im Interview: Manfred Kohlfürst

von Karlheinz Lind

Manfred Kohlfürst, der neue Obmann der Erwerbsobstbauern, über den Apfelmarkt, warme Winter und eine geplante Imagekampagne.

NEUES LAND: Sie wurden kürzlich zum Obmann des Verbandes der steirischen Erwerbsobstbauern gewählt. Warum wollen Sie sich in diesem Bereich engagieren?

Manfred Kohlfürst: Bereits seit meiner Jugend übe ich Funktionen im öffentlichen Leben aus. Wenn man etwas erreichen will, muss man sich dafür auch einsetzen – egal ob als Pfarrgemeinderat, in der Kommunalpolitik oder als Bauernbundobmann. Ich habe nach meiner technischen Ausbildung im Jahre 2004 gemeinsam mit meiner Frau ihren Obstbaubetrieb übernommen. Als Quereinsteiger absolvierte ich die Obstbaumeisterprüfung und möchte mich nun als Obmann für die steirischen Obstbauern einsetzen.

 

NL: Die steirischen Obstbauern haben einige schwierige Jahre hinter sich. Nun herrscht ein leichtes Aufatmen. Ist das wirklich so?

Kohlfürst: Glücklicherweise ja. Wir hängen stark am europäischen Markt. Bei einer Rekordernte – wie etwa 2018 – wirkt sich das auch negativ auf unsere Preise aus. Im vergangenen Jahr fiel die Ernte in Europa weit niedriger aus. Somit hoffen wir, dass bis zum Ende der Vermarktungsperiode im Spätsommer 2020 ein zufriedenstellender Preis an unsere Obstbauern ausbezahlt werden kann.

Herausforderungen

NL: Wo sehen Sie die größten Herausforderungen in der Branche?

Kohlfürst: Da ist sicherlich der Pflanzenschutz zu erwähnen. Da wird es immer schwieriger, weil viele Mittel nicht mehr zugelassen werden. Auch die Verfügbarkeit bei Erntehelfern und die Lohn- und Lohnnebenkosten setzen die heimischen Obstbauern massiv unter Druck. Leider hat sich in den letzten Jahren auch der Apfelkonsum kontinuierlich verringert. Derzeit liegt er bei rund 18 Kilogramm pro Einwohner und Jahr. Und natürlich der Markt. Oft sind wir mit unseren Produkten der Übermacht des Handels schutzlos ausgeliefert. Jeder wirbt zwar mit Regionalität, aber keiner ist bereit, mehr dafür zu bezahlen. Wir haben in Österreich die höchsten Produktionsauflagen und dafür brauchen wir faire Preise.

 

NL: Der heurige Winter ist bisher äußerst trocken und warm verlaufen. Welche Auswirkungen hat dies auf die Obstbäume?

Kohlfürst: Diese Situation ist extrem schlecht. Wenn es in den nächsten Wochen weiterhin so warm ist, gehen die Kernobstbäume in den Saft. Beim Steinobst kann dies sogar noch früher passieren. Grundsätzlich ist die Wasserknappheit das größte Problem. Man wird in Zukunft ohne Wasser in Speicherteichen nicht mehr auskommen, da es sowohl für die Frostberegnung als auch für die Bewässerung benötigt wird. Natürlich hängt das auch von der Lage der Obstflächen ab.

Warme Winter

NL: Diese hohen Wintertemperaturen begünstigen das Schädlingsaufkommen. Worauf muss man sich hier einstellen?

Kohlfürst: Die Mausproblematik steht bei uns immer im Raum. Hier versuchen wir mittels Fallen die Population einzudämmen. Neu für uns ist die Marmorierte Baumwanze. Dieser Schädling bohrt den Apfel an und macht ihn unverkäuflich. Auch der Apfelwickler macht in der Fortpflanzung eine Generation mehr, wenn es so warm ist.

 

NL: Wo sehen Sie den steirischen Obstbau in zehn Jahren?

Kohlfürst: Eines muss uns klar sein, dass die Erwerbsobstflächen noch schrumpfen werden. Kleinst- und Kleinbetriebe werden nicht mehr weitergeführt. Aber aufgrund aktueller Ernährungstrends wird unser steirisches Obst – vom Apfel über die Birne bis hin zu köstlichen Beeren – noch wesentlich an Bedeutung gewinnen. Deshalb möchten wir unsere ganze Kraft in die Bewusstseinsbildung legen und somit das Image unserer Arbeit weiter stärken.

 

Zur Person

  • Manfred Kohlfürst wurde kürzlich zum Obmann der steirischen Erwerbsobstbauern gewählt.
  • Kohlführst ist verheiratet, hat vier Töchter und bewirtschaftet in St. Marein bei Graz einen Obstbaubetrieb.
  • Er ist Kammerobmann von Graz Umgebung und engagiert sich im Pfarrgemeinderat, in der Kommunalpolitik sowie in der Erzeugergemeinschaft EOS.

 

Beitragsfoto: NEUES LAND

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