Weichberger

Im Interview: Johann Blaimauer

von Karlheinz Lind

Johann Blaimauer, RWA-Bereichsleiter für Saatgut, zur Volatilität auf Agrarmärkten, dem Trend zur Wintergerste und deutlich mehr Soja.

NEUES LAND: Die Anbausaison 2020 ist beendet. Lassen sich aufgrund der Saatgutverkäufe bereits Trends erkennen?

Johann Blaimauer: Wir sehen aktuell keine gravierenden Veränderungen im Vergleich zum Vorjahr. Hervorzuheben ist, dass der steirischer Ölkürbis dank neuer Hybridsorten der Saatzucht Gleisdorf weiter zulegte und in den Ackerbauregionen bereits zum Standardprogramm zählt. Die Zuckerrübenfläche wird durch Trockenheit und Schädlingsdruck weiter reduziert. Die Schadflächen werden insbesondere durch Kornberger Rispenhirse und Mais ersetzt.

Agrarmärkte

NL: Wie wirken sich die aktuellen Agrarmärkte auf die Anbauentscheidung aus?

Blaimauer: Die Corona-Krise führte an den Agrarmärkten zu einer generell höheren Volatilität und bot keine klare Orientierung. Die Anbauentscheidungen folgten daher vielmehr einzelbetrieblichen Überlegungen und pflanzenbaulichen Aspekten wie beispielsweise der Fruchtfolge.

Kulturartenverteilung

NL: Hatte die aktuelle Corona-Krise Auswirkungen auf die Kulturartenverteilung im heurigen Anbaujahr?

Blaimauer: Bei Marktfruchtbetrieben haben wir wenig bis gar keine Auswirkungen gesehen. Einzig der rückläufige Bierabsatz drückte auf die positive Stimmung im Braugerstenanbau. Die Entwicklung der Milch- und Fleischpreise sowie die aktuelle Trockenheit könnten zu einem höheren Bedarf an Flächen für die Futternutzung führen. Grundsätzlich steigt auch die Bereitschaft wieder Nischenkulturen auszuprobieren.

 

NL: Wie hat sich das Verhältnis der Mais- und Getreideflächen im Vergleich zum Vorjahr verändert?

Blaimauer: Der Mais- und Getreideanbau variiert regional sehr stark. Österreichweit liegt das Verhältnis bei 1 zu 1,8 zugunsten von Getreide und ist seit mehreren Jahren einigermaßen stabil. In der Steiermark, wo traditionell viel Mais angebaut wird, liegt das Verhältnis Mais zu Getreide hingegen bei 2,6 zu 1. Bei Getreide selbst wird Wintergetreide immer stärker gefragt, insbesondere die Wintergerste.

 

NL: Besonders in der Steiermark sind die Anbauflächen für Soja im Vorjahr erheblich gesunken. Hat sich diese Tendenz auch heuer fortgesetzt?

Blaimauer: Der rückläufige Trend bei Soja ist zumindest für dieses Jahr gestoppt. Mit einer geschätzten Anbaufläche von 6000 Hektar in der Steiermark liegt diese im Anbauspektrum nur an der vierten Stelle. Gemessen an ihrer guten Eignung, hätte diese aber deutliches Potential nach oben.

 

NL: Gerade der steirische Ölkürbis spielt in unserem Bundesland eine große Bedeutung. Wurde mehr Saatgut abgesetzt?

Blaimauer: Bei den Kürbisflächen gehen wir von einer deutlichen Zunahme aus, nämlich um rund 20 Prozent. Diese betrifft vor allem die Steiermark, aber auch Niederösterreich.

 

NL: Wie sehen Sie in Bezug auf Wetterextreme wie Dürre, Hitze und Starkniederschlag die Zukunft des Ackerbaues in Österreich?

Blaimauer: Extreme Wetterbedingungen haben sich gerade in den letzten Jahren verschärft. Dadurch wird die Planbarkeit auf allen Ebenen schwieriger. Ich sehe die Zukunft des Ackerbaues aber deswegen nicht in Frage gestellt. Grund ist, dass die Böden von den Betrieben gut sowie nachhaltig fruchtbar erhalten und bewirtschaftet werden. Zudem verfügen die Landwirte über eine gute Ausbildung, viel Erfahrung und Organisationstalent, so dass diese mit dieser Herausforderung umgehen werden können. Dank ihres Wissens werden die Bauern klimatischen Schwankungen mit einer verstärkten Diversifizierung begegnen, sowohl in der Fruchtfolge als auch bei der Sortenwahl.

 

Zur Person

  • Johann Blaimauer ist in der Raiffeisen Ware Austria (RWA) Bereichsleiter für Saatgut und Holz.
  • Nach seiner Ausbildung an der HLBLA Franzisco-Josephinum studierte er an der Universität für Bodenkultur (BOKU) Agrarökonomik.
  • Der Vater von zwei Töchtern ist bereits seit 1986, damals noch in der RWA-Vorgängerorganisation ÖRWZ, tätig.

Beitragsfoto: RWA

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