Im Interview: Gerald Holler

von Karlheinz Lind

LAbg. Gerald Holler, Kammerobmann von Leibnitz, über einen frühen Anbaustart, den notwendigen Regen und Lehren aus der Corona-Krise.

 

NEUES LAND: Die Niederschläge vom vergangenen Wochenende haben eine lange Trockenperiode beendet. Wie hat sich der fehlende Regen auf die Arbeit der steirischen Ackerbauern ausgewirkt?

Gerald Holler: In den letzten Jahren ist der Start der Anbausaison immer weiter nach vorne gerückt. Bereits Anfang April starteten viele Bauern mit der Aussaat von Mais. Die Bedingungen dafür waren aufgrund der gut abgetrockneten Felder optimal. Auch auf schwereren Böden konnte der Anbau zeitgemäß durchgeführt werden. Trotzdem ist es eine ständige Gratwanderung. Einige Landwirte, die bereits Ende März ihren Mais angebaut haben, mussten Frostschäden verzeichnen. Besonders in der Nähe zur Mur oder zu anderen Flüssen gab es vermehrt Minusgrade. Hirse, Soja und Kürbis werden in den nächsten Tagen angebaut.

Erlösender Regen

NL: Und der Regen?

Holler: Der war eine richtige Erlösung, nicht nur für ausgesäte Kulturen sondern auch für das Wintergetreide. Meiner Meinung nach müssen wir in diesem Bereich mit keinen größeren Schäden rechnen. Trotzdem fehlt uns der Winterniederschlag, die Grundwasserpegel sind überall sehr niedrig. Hier appelliere ich an alle, sparsam mit unserem Lebensmittel Wasser, umzugehen. Wichtig ist, dass wir die Trinkwasserversorgung für Mensch und Tier nicht gefährden. Das Füllen von Pools sollte deshalb in diesen Tagen kein Thema sein.

 

NL: Die Folgen der Corona-Krise haben ja auch die steirischen Bauern fest im Griff. Wo sehen Sie hier das größte Problem?

Holler: Eindeutig in den teils massiv gesunkenen Erzeugerpreisen. Jeder lobt heimische Lebensmittel und der Konsument greift auch danach. Aber leider schlägt sich das nicht in einem gesteigerten Erlös für die Bauern nieder. Deshalb fordern wir eine noch klarere Kennzeichnung, gerade in der Gastronomie und in Gemeinschaftsküchen. Nur wenn sich die Arbeit für unsere Bauern lohnt, werden sie auch weiterhin Landwirtschaft betreiben. Niedrige Preise können sicherlich nicht allein durch Förderungen ausgeglichen werden.

 

NL: Wo sehen Sie weiteren Aufholbedarf?

Holler: Die heimische Landwirtschaft und unser Bundesheer haben dasselbe Problem. In guten Zeiten wird die Leistung nicht geschätzt. Hier gibt es enormen Aufholbedarf, um dies zu ändern.

Perfektes Krisenmanagement

NL: Weltweit lobt man die Corona-Krisenbewältigung der österreichischen Bundesregierung. Wie sehen Sie das?

Holler: Hier möchte ich den Mut der Bundesregierung, insbesondere von Bundeskanzler Sebastian Kurz, erwähnen. Es wurden zum richtigen Zeitpunkt wichtige Schritte gesetzt und die Steiermärkische Landesregierung hat ebenfalls mitgezogen. Nun ist es besonders wichtig, gerade im öffentlichen Bereich Investitionen zu tätigen. Die Wirtschaft muss angekurbelt werden, sonst rutschen wir in eine gefährliche Rezession.

 

NL: Welche Lehren ziehen Sie persönlich aus der Corona-Krise?

Holler: Grundsätzlich sollten wir uns die Frage stellen, ob unser Lebensstil in dieser Form auch in Zukunft noch tragbar ist. Muss weltweit zu jeder Konferenz hingeflogen werden? Sind regelmäßige Fernreisen wirklich notwendig? Wir müssen einfach mehr Wert auf die eigenen Stärken und auf eine Eigenversorgung legen. Dies reicht von der Lebensmittelproduktion über die notwendige Industrie – Stichwort Schutzmasken – bis hin zu einer autarken Energieversorgung. Wer weiß denn schon, welche Herausforderungen noch auf uns warten.

Zur Person

  • Gerald Holler (46) betreibt gemeinsam mit seiner Familie (verheiratet und zwei Kinder) einen Veredelungsbetrieb in Stockung, Wildon.
  • Holler hat sich auf Schweinezucht, Mast und Ackerbau spezialisiert.
  • Seit fünf Jahren ist er als Kammerobmann von Leibnitz tätig. Seit November 2019 ist Holler ÖVP-Abgeordneter zum Steiermärkischen Landtag.

 

Beitragsfoto: Michaela Lorber

 

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