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Im Interview: Eva Maria Hois

von Karlheinz Lind

Eva Maria Hois leitet beim Steirischen Volksliedwerk das Büro für Weihnachtslieder. Heuer wird trotz Lockdown ein besonders Jubiläum gefeiert.

 

NEUES LAND: Das Büro für Weihnachtslieder als vorweihnachtliche Servicestelle des Steirischen Volksliedwerks feiert heuer sein 30-jähriges Bestehen. Schmerzt da der Lockdown nicht umso mehr?

Eva Maria Hois: Freilich schmerzt der Lockdown. Wir wollten unseren Geburtstag mit Musik und Gesang feiern und dazu Menschen einladen, die uns seit Jahren fördern und besuchen. Aber eine solche Feier kann ja nachgeholt werden. Und wir hoffen doch, dass wir das Büro, das heuer wieder im Steirischen Heimatwerk in der Sporgasse 23 zu Gast sein soll, am 13. Dezember aufsperren dürfen. Bis dahin sind wir per Telefon und Email erreichbar.

 

NL: Gibt es heuer aus Anlass des 30. Geburtstags etwas Besonders?

Hois: Ja, wir haben uns etwas einfallen lassen, was trotz Pandemie umsetzbar ist. Beginnend mit der zumindest virtuellen Eröffnung des Büros am 26. November veröffentlichen wir täglich bis zum 24. Dezember ein Video auf unserer Website und auf Facebook. Darauf zu sehen und hören ist eines der 29 Weihnachtslieder aus dem Heft „Alle Jahre wieder …“ Gesungen wird es von eben jenen Menschen, die uns seit Jahren unterstützen und begleiten, von der treuen Besucherin bis hin zum Landeshauptmann, vom Schulchor bis zur Seniorensinggruppe, von den GrazGuides bis zu den Mitarbeitern des Volkskundemuseums. Diese einfachen und fröhlichen Videos sollen auch zum Mitsingen einladen, denn die Anregung zum Selbersingen und -musizieren – und vor allem die Freude daran – sind unser großes Anliegen. Und das nicht nur zu Weihnachten.

 

NL: Wie kam man auf die Idee, dieses Büro zu gründen?

Hois: Da muss ich ein bisschen ausholen, da mehrere Überlegungen im Hintergrund gestanden sind. Einerseits haben wir seit Jahren einen Liederdienst, der ganzjährig für Anfragen nach Liedern aller Art, Instrumentalnoten, Texten und vieles mehr zur Verfügung steht und täglich etwa vier, fünf Mal genutzt wird. Auf der anderen Seite wissen wir, dass auch Menschen, die das ganze Jahr über nicht singen, zu Weihnachten das eine oder andere Lied anstimmen möchten – und oft schnell bemerken, dass sie sich an Texte oder Melodien nicht mehr so gut erinnern können. Um hier Abhilfe zu schaffen, hatten Helmut Strobl, der engagierte Grazer Kulturstadtrat, und Hermann Härtel, der damalige innovative Leiter des Steirischen Volkliedwerks, 1991 die Idee, ein kleines „Büro für Weihnachtslieder“ im Zentrum der Stadt einzurichten. Dieses sollte zwischen zwei Weihnachtseinkäufen leicht erreichbar sein, damit hier Liederblätter oder spezielle Lieder und Texte abgeholt werden können, um das gemeinsame Singen zu unterstützen. Das Volksliedwerk war damals ja nicht so gut erreichbar wie heute in der Sporgasse. Diese Idee ist aufgegangen, wie man an unserem 30. Geburtstag sieht. In den letzten Jahren wurden wir im Advent rund 1500 Mal kontaktiert – vor Ort, über Email, Brief und Telefon.

 

NL: Wer zählt eigentlich zu den Interessierten, die Anfragen an Ihr Büro stellen?

Hois: Besucht werden wir von jungen wie auch älteren Menschen, wobei letztere in der Überzahl sind. Aber das ist auch verständlich, denn mit dem Älter- und auch (Groß)Elternwerden erinnern wir uns oft an das Weihnachten der eigenen Kindheit und möchten auch unseren (Enkel)Kindern ein stimmungsvolles Fest bereiten. Und da gehört neben dem Christbaum, Geschenken, der Krippe und Keksen auch das Singen dazu. Oft werden dann bestimmte Lieder oder Gedichte gesucht, die zum Beispiel die Großmutter immer zu Weihnachten gesungen oder vorgelesen hat, um sie bewusst an die nächsten Generationen weiterzugeben.

 

NL: Sie sind Ansprechpartner Nummer eins für alle Fragen rund um weihnachtliche Lieder, Texte und Bräuche. Was wird am häufigsten nachgefragt?

Hois: Am häufigsten nachgefragt werden die bekanntesten Lieder wie „Alle Jahre wieder“, „Es hat sich halt eröffnet“, „Hiaz is der rauhe Winter då“, „Ihr Kinderlein, kommet“, „O Tannenbaum“ und „Stille Nacht“. Diese rund ein Dutzend Melodien, die fast jeder im Ohr hat, haben wir in einem Liederheft zusammengefasst, das auch in größerer Stückzahl gegen freiwillige Spende bei uns abgeholt werden kann. Und für diejenigen, die nicht alleine singen können oder wollen, haben wir Mitarbeiter des Steirischen Volksliedwerks diese Lieder auch auf eine CD mit dem Titel „Es wird scho …“ zum Anhören und Mitsingen eingesungen.

 

NL: Das weltweit einzigartige Büro für Weihnachtslieder stößt auch heute noch weit über Graz und Österreich hinaus auf ein reges Publikums- wie auch Medieninteresse. Woher kamen die außergewöhnlichsten Anfragen?

Hois: Anfragen kamen nicht nur aus Österreich und dem deutschsprachigen Raum, sondern tatsächlich fast aus der ganzen Welt. Ich erinnere mich an Anrufe aus New York, Südafrika und Neuseeland, oftmals mit dem Beginn: „Was, es gibt euch wirklich???“. Haben doch manche an einen Scherz geglaubt, wenn sie von einem „Büro für Weihnachtslieder“ gehört haben. Das waren einerseits Radiosender, die über uns berichtet haben, andererseits aber auch Menschen, vor allem Auslandsösterreicher oder Nachkommen von Emigranten, die bei uns nach Liedern ihrer Heimat gesucht haben.

 

NL: Hat das ursprüngliche Liederblatt schon ausgedient?

Hois: Das Liederblatt hat nicht ausgedient, weil die darin enthaltenen Lieder wie schon erwähnt noch immer beliebt sind, gerne gesungen und weitergegeben werden. Wir haben in den letzten Jahren übrigens mehrere hunderttausend Stück davon verteilt. Wer aber etwas Neues lernen möchte, mit dem können wir das gerne auch vor Ort oder am Telefon üben.

 

NL: Gibt es im Büro für Weihnachtslieder nur Lieder aus der Steiermark?

Hois: Nein. Unser Sammelschwerpunkt liegt zwar auf dem traditionellen Liedgut der Steiermark, aber wir sammeln auch über die Grenzen hinaus, gerade was das Weihnachtslied betrifft. So gibt es bei uns spezielle Lieder für Chor, Kindergarten und Schule, Lieder unserer Nachbarn, aber auch all die (Pop)Songs, die vor allem aus Radio und Fernsehen bekannt sind: „White Christmas“, „Last Christmas“, „Happy XMas“, „Rudolph, the Red-Nosed Reindeer“ und wie sie alle heißen. Dazu kommen Geschichten und Gedichte, Herbergs- und Krippenspiele, Information rund um weihnachtliche Bräuche und Noten für verschiedene Instrumente. Außerdem gibt es einen kleinen Shop mit vor allem weihnachtlichen CDs, Noten und Büchern. Dieser ist auch auf unserer Website zu finden, wo es Hörproben zu allen Tonträgern gibt.

Zur Person:

  • Eva Maria Hois ist gebürtige Weststeirerin, studierte Musikwissenschaft in Graz und ist seit 1992 im Steirischen Volksliedwerk tätig.
  • Seit frühester Kindheit ist Hois eine leidenschaftliche Sängerin wie auch Leserin, gerne spazierend unterwegs und alleinerziehende Mutter einer mittlerweile 20-jährigen Tochter.

Beitragsfoto: Steirisches Volksliedwerk

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