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Im Interview: Eduard Zentner

von Karlheinz Lind

Eduard Zentner, Präsident der Steiermärkischen Landarbeiterkammer, über den aktuellen Facharbeitermangel und wie wichtig Bildung ist.

 

NEUES LAND: Immer öfter stehen Betriebe vor dem Problem des Facharbeitermangels. Händeringend wird nach Fachkräften und Lehrlingen gesucht. Ist davon auch die Land- und Forstwirtschaft betroffen?

Eduard Zentner: Leider bleibt auch die Land- und Forstwirtschaft von dieser Problematik nicht verschont. Dazu wurde ich auch bei all meinen Betriebsbesuchen der letzten Monate angesprochen. Der Facharbeitermangel ist bereits ein großes Problem und vermindert natürlich die Wettbewerbsfähigkeit der heimischen Agrarbranche. Wir gehen davon aus, dass sich die Problematik in den Niedriglohnsegmenten sogar noch weiter verschärfen wird.

 

NL: Wie geht man in Steiermärkischen Landarbeiterkammer mit dieser enormen Hausforderung um?

Zentner: Das Thema ist ja nicht neu und ist durch die Corona-Krise noch einmal verstärkt zu Tage getreten. Seitens der LAK versuchen wir über verschiedene Schienen – sei es von umfangreichen Aus- und Weiterbildungsangeboten bis hin zu Förderungen für die verschiedensten Lebensbereiche – den Arbeitsplatz in der Land- und Forstwirtschaft attraktiv zu machen. Natürlich spielen auch das Arbeitsumfeld und eine gute Entlohnung eine große Rolle. Dafür kämpfen wir sehr intensiv. Langfristig werden wir aber über noch weitreichendere Maßnahmen nachdenken müssen.

 

NL: Durch die Corona-Krise konnten auch viele ausländische Erntehelfer nicht mehr ins Land. Welche Auswirkungen hatte diese Situation und wie wird es weitergehen?

Zentner: Wir haben bereits zu Beginn der Pandemie auf dieses Thema vehement aufmerksam gemacht. Leider wurde dies völlig unterschätzt. Das ging so weit, dass mancherorts die Ernten nicht in vollem Umfang eingebracht werden konnten, da der Arbeitskräftebedarf mit heimischen Arbeitskräften bei weitem nicht abgedeckt werden konnte. Nach intensiven Verhandlungen unsererseits mit der Landwirtschaftskammer und dem zuständigen Ministerium wurde nun mit der neuen Stammsaisonierregelung für die kommenden Saisonen eine sehr praktikable Regelung für die Arbeitnehmer und Betriebe erreicht, um speziell Arbeitsspitzen abzudecken. Damit haben wir für mehr Planungssicherheit gesorgt.

 

NL: In Ihrem Haus hat das Thema Bildung einen hohen Stellenwert. Wie haben sich die Angebote in den letzten Jahren verändert und wie hat sich die Corona-Krise auf den Bildungsbereich ausgewirkt?

Zentner: Wir bieten schon seit vielen Jahren ein breites Aus- und Weiterbildungsangebot an, das auch sehr gut von unseren Kammermitgliedern angenommen wird. Die Land- und Forstwirtschaft entwickelt sich permanent und rasend schnell weiter. Hier müssen wir bildungstechnisch Schritt halten. Die Palette reicht von rein fachlichen Kursen über die Persönlichkeitsbildung bis hin zu Kultur- und Freizeitangeboten. Dabei sind wir immer sehr bemüht, mit wenig Bürokratie ein Maximum an Bildungsservice bieten zu können. Dazu trägt auch die neue verstärkte Kooperation mit dem LFI bei.

 

NL: Am 1. Juli dieses Jahres ist das neue Landarbeitsgesetz (LAG) für alle Beschäftigten in der Land- und Forstwirtschaft in Kraft getreten. Wo liegen die größten Errungenschaften?

Zentner: Das neue Landarbeitsgesetz kann durchaus als historischer Meilenstein bezeichnet werden, da erstmals österreichweit einheitliche Regelungen gelten. Es enthält das Arbeitsvertragsrecht sämtlicher Arbeiter in der Land- und Forstwirtschaft in ganz Österreich, darunter fallen Arbeitnehmer in bäuerlichen Betrieben, im Gartenbau, in privaten Forst- und Gutsbetrieben, aber auch in landwirtschaftlichen Genossenschaften, wie den Raiffeisen Lagerhäusern. Eine wesentliche Neuerung im LAG stellt die Möglichkeit von Arbeitgeberzusammenschlüssen dar. Damit wird für bäuerliche Betriebe die gesetzliche Grundlage geschaffen, Arbeitnehmer in Zukunft gemeinsam zu beschäftigten. Die Arbeitgeberzusammenschlüsse sind ein enorm wichtiges Instrument, um mehr ganzjährige Arbeitsverhältnisse zu schaffen und damit die Attraktivität der Jobs in unserer Branche zu erhöhen.

 

NL: Themenwechsel. Die Landarbeiterkammer organisierte in diesem Herbst für ihre Mitglieder einen Kabarettabend mit dem Künstler Gernot Kulis. Wie kommt man auf die Idee, solche Veranstaltungen zu organisieren?

Zentner: Wir sind per Gesetz dazu verpflichtet, auch in sozialen und kulturellen Belangen aktiv zu sein. Uns ist es besonders wichtig, unseren Kammermitgliedern neben einer ausgezeichneten rechtlichen Vertretung auch ein tolles kulturelles Angebot zu bieten. Gerade in diesen schwierigen Corona-Zeiten war es uns ein Anliegen, wieder einmal etwas Abwechslung und Lachen in das Leben zu bringen. Mit Gernot Kulis ist uns das sehr gut gelungen und es war eine tolle Zusammenarbeit mit ihm. Wir haben diese Veranstaltungen mit der Ehrung von ausgezeichneten Lehrabschlüssen kombiniert und vor großem Publikum sowohl die neuen Fachkräfte als auch deren Ausbildner auf die Bühne gebeten. Dies ergab eine enorm positive Resonanz, wir werden auch zukünftig diese Schiene weiterverfolgen.

 

NL: In diesen Tagen steigt die Zahl an Covid-Erkrankten wieder rasch an. Welche Auswirkungen hat dies auf die steirische Land- und Forstwirtschaft?

Zentner: Aktuell ist die Erntezeit im Großen und Ganzen vorbei und saisonbedingt sind im Spätherbst und Winter weniger Arbeitskräfte in der Land- und Forstwirtschaft vonnöten. Wir sind bereits für das nächste Jahr aktiv, die gute Zusammenarbeit innerhalb der Sozialpartner sollte hier dienlich sein. Hoffen wir, dass die Pandemie bald beendet werden kann, denn das nächste Frühjahr und die nächste Ernte kommt bestimmt.

Zur Person

  • Hofrat Eduard Zentner hat nach seiner Ausbildung zum Tischler die Matura in Landwirtschaft und Wirtschaftsinformatik sowie Agrarpädagogische Ausbildung in Ober Sankt Veit und Raumberg-Gumpenstein absolviert.
  • Zentner wurde im Jahr 2000 Referatsleiter und 2005 Abteilungsleiter an der HBLFA Raumberg-Gumpenstein.
  • Die Betreuung zahlreicher Forschungsprojekte sowie Vorträge im In- und Ausland zählen zu seinen Aufgaben.
  • Zentner wohnt in Altirdning, ist verheiratet und Vater von zwei Kindern.
  • Zu seinen Hobbys zählen die Jagd und das Skifahren. Seit 2016 ist Zentner Präsident der Steiermärkischen Landarbeiterkammer, seit 2020 auch Vizepräsident der Österreichischen Landarbeiterkammer.

Beitragsfoto: LAK Steiermark

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