Weichberger

Im Interview: Christoph Zirngast

von Karl Brodschneider

Christoph Zirngast, Bauernbund-Spitzenkandidat für den Bezirk Leibnitz, über die ersten Reaktionen und Folgen des zweiten Lockdowns.

 

NEUES LAND: Wie haben die Menschen in Ihrem Umfeld auf die Verhängung des zweiten Lockdowns reagiert?

Christoph Zirngast: Die Menschen fragen, wie sich das auf den Absatz und auf den Preis auswirken wird. Auf der einen Seite sind sie unsicher, auf der anderen Seite reagieren manche sehr schnell auf die neue Situation und weisen zum Beispiel auf die Möglichkeit von Online-Bestellungen oder Vor-Ort-Lieferungen hin. 

 

NL: Wenn alle mitmachen, müsste es schon Mitte November zu einer Trendumkehr bei den Infektionszahlen kommen, hofft Bundeskanzler Kurz. Glauben Sie, dass das der Fall sein wird?

Zirngast: Die Trendumkehr schaffen wir nur dann, wenn wir alle gemeinsam an einem Strang ziehen. Wir müssen jetzt die sozialen Kontakte verringern. 

 

NL: Durch die Corona-Krise hat sich das Einkaufsverhalten der Konsumenten stark und rasch verändert. Bestellungen – auch von Lebensmitteln – erfolgen immer mehr im Internet. 24-Stunden-Verkaufsautomaten boomen. Sehen Sie da mehr Chancen oder Gefahren für die Landwirtschaft?

Zirngast: Ich sehe da schon viele Chancen. Der Einkauf ab Hof und auf Bauernmärkten wird weiter zunehmen. Das ist für kleinere Betriebe die Möglichkeit, sich ein weiteres Standbein zu schaffen. 

 

NL: Wie wird sich der Lockdown auf die Arbeit in der Bezirkskammer Leibnitz auswirken?

Zirngast: Wir versuchen jetzt, die Herbstanträge bestmöglich abzuwickeln. Aber es wird in der nächsten Zeit wieder viel über das Homeoffice gemacht werden. Die Beratungen erfolgen dann großteils telefonisch und es wird wieder viel mehr Online-Meetings geben. Die Digitalisierung bekommt dadurch neuen Schwung. Wichtig dafür ist aber der Breitband-Ausbau. 

 

NL: Wie waren Ihre ersten Monate als neuer Kammerobmann?

Zirngast: Auch wenn die ersten Monate stark von der Coronakrise geprägt waren, so konnte ich doch viele Gespräche mit unseren Bauern und Bäuerinnen führen und nahm als Interessensvertreter viele Termine wahr. Dabei hat mir sicher geholfen, dass ich vielen Menschen als früherer Landjugend-Bezirksobmann und langjähriger Mitarbeiter in der Bezirkskammer bekannt bin.

 

NL: Was ist Ihnen als Kammerobmann in Zukunft wichtig?

Zirngast: Ich will regelmäßige Spartengespräche einführen. Sie sollen dazu dienen, dass die Vertreter von Erzeugerorganisationen mit Bauern zusammenkommen und einander informieren. So kommt man drauf, wo es Probleme gibt und eine Unterstützung nötig ist. Zu den Kammervollversammlungen möchte ich hinkünftig die Landjugend immer einladen und ich möchte auch den Bildungsausschuss stärker in den Mittelpunkt rücken. Mir ist das Verbindende wichtig. Ich will beitragen, dass die Menschen miteinander reden, Ideen entwickeln und auch umsetzen.

 

NL: Leibnitz hat sich in den letzten Jahren auch als Genussbezirk einen Namen gemacht. Wollen Sie diese Tradition fortsetzen?

Zirngast: Leibnitz hat eine große Tradition als Genussbezirk und wurde vom damaligen Kammerobmann Josef Kowald sowie den beiden Fachschuldirektoren Roswitha Walch und Anton Gumpl – er leitete jahrelang die Fachschule Silberberg – initiiert. An uns Jungen liegt es, das gut weiterzuführen.

 

Zur Person

  • Christoph Zirngast (38) ist Vizebürgermeister in Großklein, Obmann der Weidegemeinschaft Remschniggalm und stellvertretender Geschäftsführer des EUROP-Klassifizierungsdienstes.
  • Zusammen mit seinem Partner führt er einen auf Mutterkuhhaltung und Einsteller ausgerichteten Bauernhof.

 

Beitragsfoto: Brodschneider

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