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Im Interview: Andreas Jirkowsky

von Karlheinz Lind

RWA-Agrar-Bereichsleiter Andreas Jirkowsky über die Maisernte 2021, eine unerklärliche Preisralley und hohe Energiepreise.

NEUES LAND: Nun geht auch in der Steiermark die Maisernte in die finale Phase. Können Sie als Bereichsleiter der Sparte Landwirtschaftliche Erzeugnisse in der Raiffeisen Ware Austria bereits eine Erntebilanz ziehen?

Andreas Jirkowsky: Die heurige Maisernte wird nach unserer Einschätzung nicht die Rekordwerte des Vorjahres liefern. Wir gehen von einer guten durchschnittlichen Ernte für Österreich insgesamt aus. In den meisten Regionen waren die Erträge bei Mais auch in diesem Jahr gut. Aber in einzelnen Regionen in der Steiermark und in Niederösterreich hat der Mais zum Teil erheblich unter verschiedenen Wetterextremen gelitten.

 

NL: Länger anhaltende Trockenperioden haben gerade in der Steiermark die Maisbestände teilweise schwer in Mitleidenschaft gezogen. Sind die daraus resultierenden Schäden hoch?

Jirkowsky: In den Regionen, die unter Trockenheit und auch Hagelschlag litten, gehen wir von einem nicht unerheblichen Ertragsrückgang von 10 bis 15 Prozent aus.

 

NL: Hohe Feuchtigkeitsgehalte und ebenso hohe Trocknungskosten belasten sowohl Bauern als auch die Raiffeisen Ware Austria als Vermarkter. Wie geht man mit dieser Situation um?

Jirkowsky: Der massive Preisanstieg für Gas hat die Kosten für die Mais-Trocknung im Vergleich zum Vorjahr deutlich erhöht. Zusätzlich ist die Feuchtigkeit des heurigen Maises im Durchschnitt um rund drei Prozent über den Werten des Vorjahres. Das verteuert die Trocknung zusätzlich. Allerdings liegt der Vermarktungspreis heuer höher als im Vorjahr, das federt diese zusätzlichen Kosten ab.

 

NL: Die aktuellen – also sehr hohen – Maispreise lösen in vielen Bereichen Verwunderung aus. Wie können Sie diese Situation erklären?

Jirkowsky: Diese Situation ist nur schwer zu erklären. Beim Weizen ist der Preisanstieg durch die enge Versorgungsbilanz der Europäischen Union und die schwachen Ernten in Russland und Amerika sowie dem stärkeren US-Dollar nachvollziehbar. Beim Mais ist die weltweite Versorgung besser als in den Jahren davor. Die hohen Preise beim Mais lassen sich eigentlich nur dadurch erklären, dass der hohe Weizenpreis auch den Kurs vom Mais stützt.

 

NL: Sie sind im RWA-Konzern für die Vermarktung von jährlich rund drei Millionen Tonnen Getreide, Futtermittel und Ölsaaten verantwortlich. Vor welchen Herausforderungen stehen Sie aufgrund der hohen Rohstoff- und Energiekosten?

Jirkowsky: Die extreme Volatilität (Anm. d. Red. Ausmaß der Schwankung) an den Märkten, die dazu führt, dass zum Beispiel bei Raps die Unterschiede zwischen Höchst- und Tiefststand an einem Tag bis zu 20 Euro pro Tonne betragen können, lassen uns in der Vermarktung vorsichtig agieren. Die RWA und die Raiffeisen Lagerhaus Genossenschaften bemühen sich, auch in diesem herausfordernden Umfeld eine für die Landwirte optimale Vermarktung zu erzielen. Ein Mittel dazu ist die Pool-Vermarktung, die vom Raiffeisen Lagerhaus den Landwirten angeboten wird.

 

NL: Auch bei Soja und im Getreidebereich gibt es weit höhere Preise als zuletzt? Wird sich diese Situation in nächster Zeit ändern?

Jirkowsky: Dazu kann heute niemand eine seriöse Aussage treffen. Unter Berücksichtigung der aktuellen Daten ist eine kurzfristige Änderung der Situation jedoch nicht zu erwarten. Ab der Jahreswende wird dann die Anbau- und Wettersituation wieder stärker in den Fokus rücken.

 

NL: Wie hat sich die Bioanbaufläche im Vergleich zum letzten Jahr verändert?

Jirkowsky: Die Bioanbaufläche hat sich im Vergleich zum Vorjahr nur geringfügig verändert.

 

NL: Wagen Sie einen Marktausblick für den Mais- und Getreidesektor?

Jirkowsky: Aufgrund der unsicheren Situation auf den Märkten kann man sich derzeit nur an den europäischen Leit-Börsen orientieren. Aktuell wird an der Euronext, der wichtigsten Börse für Agrarprodukte in Europa, der Weizen Ernte 2022 um rund 30 Euro pro Tonne niedriger als die Ernte 2021 notiert. Bei Mais liegt die Notierung der Ernte 2022 rund 25 Euro pro Tonne unter dem aktuellen Niveau der Ernte 2021. Dabei ist zu berücksichtigen, dass die Euronext auf aktuellen Erwartungen beruht und nicht immer zu jeder Zeit die Entwicklungen am physischen Markt abbildet. Und bis zur nächsten Mais-Ernte sind es immerhin noch elf Monate.

Zur Person

  • Andreas Jirkowsky startete seine Karriere im Mühlengeschäft.
  • Hier war er rund 24 Jahre erfolgreich aktiv. Im Jahr 2012 wechselte er in den RWA-Konzern, wo er mehrere Tochterunternehmen in Ost- und Südosteuropa erfolgreich leitete.
  • Zuletzt war er als Geschäftsführer der RWA Raiffeisen Agro Romania aktiv, seit über einem Jahr ist er RWA-Bereichsleiter für landwirtschaftliche Erzeugnisse.

Beitragsfoto: RWA

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