„Ideale Rechtsform für viele Projekte“

von Karlheinz Lind

Raiffeisen-Verbandsdirektor Heinrich Herunter über neue Unternehmen und spannende Entwicklungen im Genossenschaftsbereich.

NEUES LAND: 2018 wurde 200 Jahre Friedrich Wilhelm Raiffeisen gefeiert. Welche Bedeutung hat der Genossenschaftsgedanke in unserer heutigen Wirtschaftswelt noch?

Heinrich Herunter: Diese Idee kann eigentlich nicht so falsch sein, denn weltweit sind rund 900 Millionen Menschen Genossenschaftsmitglieder. Es geht darum, die Mitglieder zu fördern. In Zeiten von Globalisierung und Anonymität steigt die Sehnsucht nach Vertrautem und Regionalität.

 

NL: Und in der Steiermark?

Herunter: Der Raiffeisenverband Steiermark hat über 300 Mitgliedsgenossenschaften mit rund 600.000 Mitglieder. Neben den 56 eigenständigen Raiffeisenbanken zählen auch Molkereien, Lagerhäuser und verschiedenste Verwertungsgenossenschaften dazu. Alleine unsere steirischen Lagerhäuser konnten im vergangen Jahr einen Umsatz von über 750 Millionen Euro einfahren. Auch im laufenden Jahr sind sie mit einer Umsatzsteigerung von rund sieben Prozent im Vergleich zum Vorjahr sehr gut unterwegs.

 

NL: Wie sieht es mit Klein- und Kleinstgenossenschaften aus?

Herunter: Für die Umsetzung kleinerer Projekte wie Nahwärmeversorgungsanlagen oder Weidegenossenschaften ist das die ideale Rechtsform. Durch das Know-how unserer Prüfer können wir die notwendige Beratung sowie Vergleichswerte anderer Unternehmen in der Branche anbieten.

 

NL: Wie entwickelt sich die Mitgliederzahl im Verband?

Herunter: Auch wir spüren die Strukturveränderung, es werden Genossenschaften aufgelassen. Doch diese halten sich mit Neugründungen die Waage. So etwa wurde vor kurzem die Erste Steirische IT-Genossenschaft gegründet. Es handelt sich dabei um einen Zusammenschluss mehrerer kleinen IT-Firmen, die dadurch ihren Kunden ein besseres Service anbieten können.

 

NL: Wie sehen Sie die Zukunft des Genossenschaftswesens?

Herunter: Wir sehen uns auch in Zukunft der Nachhaltigkeit und Ethik verpflichtet. Ziel muss es sein, dass so viele Menschen als möglich die Genossenschaft als Partner sehen. Und da gibt es noch großes Potential, besonders im Bereich der Sozialgenossenschaften. Warum sollte nicht auch die Altenbetreuung genossenschaftlich organisiert sein? Derzeit beschäftigen wir uns österreichweit mit diesem Thema.

 

NL: Kann jede Person eine Genossenschaft gründen? Wohin soll man sich wenden?

Herunter: Am einfachsten greift man zum Telefon und ruft bei uns an. Alle Informationen zur Gründung gibt es auch im Internet unter kooperieren.at. Dort werden alle Erstinformationen bereitgestellt. Unsere Service reicht von der Erstberatung bis hin zur Gründung.

 

NL: Kürzlich ließ eine Nachricht viele Genossenschaftsmitglieder aufhorchen. Beim Lagerhaus Graz Land gibt es keinen ehrenamtlichen Vorstand mehr, der Obmann wurde Aufsichtsratsvorsitzender. Was halten Sie davon?

Herunter: Ich glaube, dass im Lagerhausbereich durch diese Änderung der Genossenschaftscharakter etwas verloren geht. Als Eigentümervertreter tauscht man die Gestaltungskompetenz mit einer Zustimmungskompetenz. Deshalb beraten wir auch nicht in diese Richtung. Man kann eine Genossenschaftsbank – hier haben rund ein Drittel in der Steiermark einen hauptberuflichen Vorstand – nicht mit einem Lagerhaus vergleichen. Bei den anderen steirischen Lagerhäusern ist das derzeit kein Thema. Info: www.rvstmk.at

Beitragsfoto: Raiffeisenverband Steiermark

 

Zur Person

Seit 2009 ist Heinrich Herunter Direktor des Raiffeisenverbandes Steiermark. Nach dem Jus-Studium erfolgte die Revisorausbildung. Bereits seit 33 Jahren ist der gebürtige Köflacher im Verband beschäftigt. Herunter ist verheiratet, Vater zweier erwachsenen Kinder und sportbegeistert. Marathonläufe, Skitouren sowie das Skifahren zählen zu seinen Hobbys.

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