Die Wirtin in der Politik

Barbara Krenn

Barbara Krenn, Gastwirtin der hohen Politik, will mehr Solidarität für ihre Branche und Kollegen, die sich mehr trauen.

Barbara Krenn ist als Abgeordnete zum Nationalrat die wohl einflussreichste Gastwirtin der Steiermark und blickt auf ein bewegtes Leben in Sachen Gastlichkeit zurück. Als jüngste von vier Geschwistern übernahm sie 1988 im Alter von nur 19 Jahren das ihren Eltern gehörende Gasthaus Krenn in Pürgg. Sie brachte es bis zur Haube und verkaufte es 2016 nach einem schweren Schicksalsschlag an Red Bull-Boss Dietrich Mateschitz. Im Jahr zuvor hatte eine missglückte Operation an der Wirbelsäule dazu geführt, dass sie querschnittgelähmt ist.

Barbara Krenn, die auch von 2007 bis 2015 Bürgermeisterin der Gemeinde Pürgg-Trautenfels war und mit ihrer ÖVP im Jahr 2010 unglaubliche 81 Prozent der Stimmen bekommen hatte, änderte nach der persönlichen Tragödie so manches in ihrem Leben – aber in Sachen steirische Gastwirtschaft hält sie weiterhin unter anderem auch als stellvertretende Obfrau der Fachgruppe Gastronomie der Wirtschaftskammer Steiermark voll Leidenschaft die Stellung.

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In die Wiege gelegt

Begeistert erzählt Barbara Krenn die Geschichte davon, dass ihr „das Wirtsein in die Wiege gelegt worden“ sei. In die elterliche Gaststätte „hineingeboren“, empfand sie es „unglaublich super“, dass im gastlichen Zuhause einfach „immer was los“ war. Voll Freude hätten sie und ihr Bruder auch im Betrieb mitgeholfen, weil das Trinkgeld sehr willkommen war. Und von den Mitschülern seien beide heftig beneidet worden, weil sie ja jeden Tag ins Gasthaus essen gehen konnten. Rückblickend betrachtet sie diese Zeit als eine „hervorragende Schule für das Leben“. Krenn: „Man lernt so unglaublich viele Charaktere kennen und einschätzen, aber bekommt auch Persönlichkeitsbildung vom Feinsten.“

Die Branche

Auch ihrer Branche hat Krenn einiges zu sagen. Nicht wenige hätten es versäumt, mit regelmäßigen Investitionen auf Höhe der Zeit zu bleiben: „Es geht darum, ständig leicht zu modernisieren und mit Kleinigkeiten die Attraktion des Betriebes zu erhalten. Die Kundschaft muss sehen, da tut sich was!“ Ausdrücklich nimmt sie jene Gaststätten davon aus, die mit ihrer Altertümlichkeit „Kultstatus“ erreicht hätten. Allerdings muss auch dieser mit erheblichem Aufwand gepflegt werden und außerdem glauben – sagt Krenn ganz offen – gar nicht wenige „sie hätten Kultstatus, haben ihn aber gar nicht.“

Barbara Krenn appelliert an ihre Kollegenschaft auch, sich mehr zu trauen und schneller auf neue Ansprüche zu reagieren. „In der Gastronomie geht heute alles nur mehr über die Qualität! Und Speisekarten, die dick wie Telefonbücher sind – die braucht keiner mehr.“ Was Erfolg garantiere, sei – meint die Abgeordnete – „alles, was die Umgebung so zu bieten hat“. Damit meint sie „das Kernöl vom Nachbarbauern, die Eier von um die Ecke und das Fleisch vom Landwirt des Vertrauens“. Und Krenn hakt da noch nach: „Der Gast schätzt das und zahlt auch gerne etwas mehr dafür!“

Beitragsbild: Birgit Steinberger/PhotoINstyle

 

 

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