„Mich freut das Urlaubs-Umdenken“

SVB-Regionalleiter Paul Tschuffer über positive Stressfaktoren, das Umdenken in Sachen Urlaub und alte bäuerliche Hausrezepte.

NEUES LAND: Auffallend viele Bäuerinnen und Bauern sind – so zeigt die große gemeinsame Umfrage von NEUES LAND und SVB – zufrieden mit ihrem Gesundheitszustand. Ist das Grund zur Freude?

Pauls Tschuffer: Es ist tatsächlich ein erfreulich hoher Wert. Wir können feststellen, dass es insgesamt einen guten Umgang mit dem Thema Gesundheit gibt. Und es fällt auf, dass die, die mit ihrem Zustand zufrieden sind, sich auch für das Thema besonders engagieren.

NL: Die Befragung hat einen sehr spannenden Kontrast. Einerseits leiden sehr viele unter Stress, auf der anderen Seite zeigt sich, dass auch Glücksgefühle in der Bauernschaft auffallend stark vertreten sind.

Tschuffer: Es deckt sich absolut auch mit unseren Erfahrungen, dass es so etwas wie positive Stressfaktoren gibt. Was mir in diesem Zusammenhang allerdings Sorgen macht, ist die  Situation der Bäuerinnen, die mit einer immer größeren Doppelbelastung fertig werden müssen. Der Hof und die Familie – das kann leicht zu viel werden. Wir sind gefordert, die Bäuerinnen zu entlasten. Dieser Appell richtet sich auch an die Männer!

NL: Erstmals sind bäuerliche Glücksfaktoren klar erkennbar. Sind da für Sie Überraschungen dabei?

Tschuffer: Die überragende Bedeutung der Familie, die Freude an der bäuerlichen Arbeit und die positive Kraft des sozialen Umfeldes sind uns bewusst – aber vielleicht nicht in dieser Dimension. Mich freut besonders das klar erkennbare Urlaubs-Umdenken. Früher einmal war es undenkbar, dass ein Bauer auf Urlaub fährt. Jetzt endlich hat sich herumgesprochen, dass man nur auf diese Weise zu allen Belastungen und Sorgen einmal auf die notwendige Distanz gehen kann.

NL: Passt die in der Umfrage dokumentierte Zufriedenheit mit der medizinischen Versorgung des ländlichen Raumes auch zu Ihrem Bild?

Tschuffer: Nicht so ganz, denn ich sehe dieses Thema mit Sorgen. Wir sind in einer Übergangsphase und zunehmend mit Regionen konfrontiert, wo die Versorgung langsam schwierig wird. Immer öfter werden Facharztstellen ausgeschrieben und keiner bewirbt sich.

NL: Bei medizinischen Behandlungen spielen die guten, alten bäuerlichen Hausrezepte offenbar noch eine wichtige Rolle. Eine Renaissance?

Tschuffer: Schön, dass sie – wie sich zeigt – immer noch so gefragt sind. Es ist leider schon so manches vergessen, was früher gängige Medizin war und sehr gut geholfen hat. Wir sind heute gefordert, das vorhandene Wissen zu bewahren und auch die Jungen dafür zu interessieren.

Zur Person

Paul Tschuffer ist Regionalbüro-Leiter der Sozialversicherungsanstalt der Bauern (SVB). Tschuffer, Doktor der Rechtswissenschaften, ist 56 Jahre alt, verheiratet und hat eine Tochter. Seit 1989 ist er bei der SVB tätig, seit 2001 Regionalbüroleiter. Sein Hobby ist Musik – er spielt unter anderem Gitarre, Saxophon, Klarinette, Querflöte, Keyboards und singt. Musikalische Auftritte sind gefragte Geheimtipps.

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