„Ich bin stolz, ein Bauernbua zu sein“

Der neue Bundesleiter der Landjugend Österreich, Martin Stieglbauer aus Deutschlandsberg, im NEUES LAND-Interview über einen mutigen Kurswechsel, wichtige Perspektiven, realitätsnahe Bilder und junge Botschafter.

NEUES LAND: Es heißt, Sie haben bei der Landjugend schon früh Karriere gemacht. Wann?

Martin Stieglbauer: Ich bin mit 14 Jahren in den Ortsgruppenvorstand von Groß St. Florian gewählt worden. Als ich 19 war, wurde ich zum Ortsgruppenobmann gewählt. Bald danach habe ich es in den Bezirksvorstand geschafft, war schließlich auch drei Jahre Bezirksobmann. Im Jahr 2013 kam ich in den Landesvorstand.

NL: Und jetzt?

Stieglbauer: Ich freue mich sehr über diese große Herausforderung, will einerseits offene Ohren für alle haben, und andererseits Sprachrohr sein, engagiert unsere Anliegen vertreten.

NL: Sie haben aber auch eine weitere spannende Veränderung in ihrem Leben hinter sich.

Stieglbauer: Ja, ich war vier-einhalb Jahre Kundenberater bei einem Bankunternehmen und habe mich im Oktober dazu entschlossen, an der Universität für Bodenkultur in Wien das Studium der Agrarwissenschaften zu beginnen.

NL: Warum dieser mutige Kurswechsel?

Stieglbauer: Ich bin stolz darauf, ein Bauernbua zu sein, komme von einem Milchviehbetrieb, den jetzt mein Bruder mit seiner Gattin führt. Ich habe an der HAK Deutschlandsberg maturiert und nach einiger Zeit festgestellt, dass ich unbedingt eine landwirtschaftliche Ausbildung machen möchte.

NL: Sie müssen dafür jetzt die Heimat verlassen und einen Weg gehen, der in vielen Fällen dazu führt, dass gut ausgebildete junge Leute wegen ihrer beruflichen Chancen in Ballungszentren landen.

Stieglbauer: Das ist tatsächlich ein sehr großes Problem für den ländlichen Raum. Viele, die ich kenne, haben aber das Ziel, wieder heimzukommen. Nicht wenigen gefällt’s in den Städten auch nicht so richtig. Aber letztlich geht es dann auch immer darum, Pers-pektiven zu finden. Außerdem: Mir sind meine Wurzeln sehr wichtig, ich werde beispielsweise auch weiterhin bei uns in der Freiwilligen Feuerwehr tätig sein.

NL: Was kann man tun, dass junge Leute dem ländlichen Raum nicht den Rücken kehren?

Stieglbauer: Am wichtigsten sind natürlich geeignete Arbeitsplätze, es geht aber auch um Infrastruktur – wie beispielsweise bessere Verkehrsanbindungen. Was mich aber ganz besonders stört ist die Tatsache, dass es jungen Landwirten oft sehr schwer gemacht wird, sich entsprechend zu entfalten. Vor allem die Raum-ordnung ist in gar nicht so wenigen Fällen ein unüberwindbares Hindernis.

NL: Sie haben sich in der Landjugend stets für Medien- und Öffentlichkeitsarbeit engagiert. Wird das auch weiterhin für sie eine große Rolle spielen?

Stieglbauer: Selbstverständlich, denn es gilt mehr denn je, den Menschen ein realitätsnahes Bild des ländlichen Raumes und der Landwirtschaft zu vermitteln. Da geht es längst nicht mehr nur um die Städter, die keine Ahnung haben, oft sind es auch die Nachbarn eines Bauern.

NL: Wie kann man dem entgegenwirken?

Stieglbauer: Wir leisten diesbezüglich viel Arbeit und sind, wie ich glaube, am richtigen Weg. Uns kommt vor allem die Tatsache entgegen, dass etwa die Hälfte unserer insgesamt rund 90.000 Mitglieder in Österreich nicht mehr aus bäuerlichen Familien stammt. Wir stellen mit Freude fest, dass auch sie sich sehr für agrarische Themen interessieren und damit quasi zu Botschaftern werden.

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