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Wie tickt die heutige Jugend?

von Karl Brodschneider

Die heurige „Woche der Landwirtschaft“ steht ganz im Zeichen der jungen Hofübernehmer. Eine aktuelle Jugendstudie gibt Einblicke.

 

In dieser Woche findet steiermarkweit die „Woche der Landwirtschaft“ statt. Sie ist diesmal ganz der künftigen Generation auf den heimischen Bauernhöfen gewidmet. Dazu LK-Präsident Franz Titschenbacher: „Die junge Generation zeichnet sich vor allem durch eine besonders gute Ausbildung, Innovationsgeist, Optimismus, Mut und Tatendrang sowie hohes Selbstbewusstsein aus. Damit verfügt die junge Landwirtschaft über das beste Rüstzeug, die künftigen Herausforderungen meistern zu können.“ Für Titschenbacher sind das die sichere Versorgung mit heimischen Lebensmitteln auch in Krisenzeiten, der Klimawandel, das Tierwohl und die Digitalisierung.

Aber wie tickt die heutige Jugend? Antworten darauf gibt die österreichweite Jugendstudie von Leopold Kirner von der Hochschule für Agrar- und Umweltpädagogik in Wien. Dabei wurden in ganz Österreich über 14.000 Jugendliche im Alter zwischen 14 und 16 Jahren befragt. Davon waren knapp 4200 Schüler und Schülerinnen in Landwirtschaftsschulen. „In vielen Punkten ticken die Jugendlichen in der Stadt und vom Land sehr ähnlich“, betont Kirner. So ist etwa das Internet bei allen die Freizeitbeschäftigung Nummer 1.

Auch bei den Werthaltungen gibt es kaum Unterschiede. „Den Jugendlichen ist es ganz wichtig, mit den Menschen in ihrem Umfeld eine gute Beziehung zu haben“, führt Kirner aus. „Dann will man eine gute Ausbildung machen können und Freunden helfen.“ Auffallend ist, dass es den jungen Leuten überhaupt nicht wichtig ist, sich politisch zu engagieren. Bezüglich der Erwartungen bei einer Partnerschaft zählen vor allem drei Punkte: dass man sich auf ihn beziehungsweise auf sie verlassen kann, gemeinsam Spaß haben und die Treue. 

Trendsetterinnen

Auffallend ist, dass die ländliche Jugend – im Speziellen die Hofübernehmerinnen und Hofübernehmer – sehr fixe Pläne für die Zukunft hat. Sorgen bereiten den Jungen aber die Umweltverschmutzung, der Klimawandel, das mögliche Zerbrechen der Familie, eine mögliche schwere Krankheit und der Krieg in Europa. Zusammenfassend sagt Kirner: „Als Trendsetterinnen stechen vor allem junge Frauen hervor. Sie setzen auf gesunde Lebensführung, gesunde Ernährung, sind sozial orientiert, natur- und umweltbewusst sowie innovativ.“

Sowohl bei der Pressekonferenz in der Landwirtschaftskammer als auch bei einer Landjugend-Veranstaltung im Steiermarkhof zu diesem Thema stellten junge Bäuerinnen und Bauern sowie künftige Hofübernehmer ihre Sicht der Dinge dar. Der 22-jährige Florian Hörmann aus Oberaich sagte: „Ich blicke positiv in die Zukunft, weil regionale Lebensmittel heutzutage mehr wertgeschätzt werden. Ich will unseren Betrieb vom Nebenerwerb in den Vollerwerb überführen, ohne die Anzahl der Tiere zu erhöhen. Tierwohl ist mir ein besonderes Anliegen.“

Simone Wechtitsch (20) aus Großklein ließ wissen: „Mir sind der Austausch mit gleichaltrigen Gleichgesinnten, der Zusammenhalt und das Miteinander sehr wichtig. Wenn ich mir etwas vornehme, dann ziehe ich es auch durch. So will ich Weinbaumeisterin werden. Besonders stolz bin ich auf meinen ersten eigenen Wein, den Muskateller, den ich gekeltert habe.“

Woche der LW LJ

Die Veranstaltung der Landeskammer und der Landjugend “Future Farm Rockers” im Steiermarkhof war ein großer Erfolg.

Die Influencerin Martina Hopf aus Gaal begründete ihr starkes Auftreten in den sozialen Medien damit: „Ich zeige in meinen Beiträgen Lustiges und Kritisches, damit die Leute uns auch verstehen und sehen, was wir alles tun.“ Der Cider-Produzent David Kargl aus Gaal betonte: „Man muss eine Leidenschaft für das haben, was man tut. Die transparente Produktion ist unerlässlich und man muss sich und sein Tun außergewöhnlich darstellen.“

Wunsch und Wirklichkeit

Vizepräsidentin Maria Pein fasste die Beiträge der jungen Menschen zusammen: „Die Top-Anliegen der jungen Generation sind hohe Tierwohlstandards und hohe Lebensmittelqualität. Damit werden sie den Wünschen der Gesellschaft voll gerecht. Jedoch müssen sie in der Umsetzung, insbesondere beim Bau von tierfreundlichen Ställen, entsprechend unterstützt werden, damit sie ihre ambitionierten Pläne auch verwirklichen können.“

 

Beitragsfotos: LK/Danner, LJ 

 

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