„Die Chance für etwas ganz Neues“

Es gibt spannende Zeiten für die Landwirtschaftsschulen. Alt-Grottenhof-Direktor Erich Kerngast erklärt, warum das so ist.

NEUES LAND: Derzeit werden an den Landwirtschaftsschulen viele „Tage der offenen Türe“ und sonstige Informationsveranstaltungen angeboten. Was macht speziell den November für das Werben um Schülerinnen und Schüler so wichtig?

Direktor Erich Kerngast: Aus der Erfahrung wissen wir, dass sich in diesen Wochen die jungen Leute in den achten Schulstufen entscheiden, wohin für sie die weitere Reise der Ausbildung gehen wird. Sie alle haben eine große Auswahl an Möglichkeiten, entsprechend wichtig ist es, ihnen unsere Angebote zu zeigen.

NL: Ihre Schule steht vor einem spannenden Schuljahr. Die Zusammenlegung mit Grottenhof Hardt und ein Jubiläum stehen vor der Türe. Sind sie gut gerüstet für beides?

Kerngast: Wir freuen uns auf große Herausforderungen. Zwei Schulen werden zusammengelegt und damit bekommen wir die große Chance, dass an diesem Standort etwas ganz Neues entstehen kann. Und das vor dem Hintergrund, dass wir die älteste landwirtschaftliche Ausbildungsstätte in ganz Österreich sind und im nächsten Jahr stattliche 150 Jahre alt werden.

NL: Haben Sie schon Vorstellungen, was da an ihrer Schule entstehen kann?

Kerngast: Wir werden uns – selbstverständlich bei laufendem Betrieb – drei ganz entscheidenden Fragen stellen. Erstens: Was braucht die Landwirtschaft von morgen? Zweitens: Wie können unsere Schülerinnen und Schüler noch besser im Berufsleben Fuß fassen? Und drittens: Was kann die Schule attraktiv machen? Zusätzlich dürfen wir beim großen Nachdenken nicht aus den Augen verlieren, dass in unserem Lebensraum Schule gemeinsam gelehrt, gearbeitet aber auch gefeiert wird und dass sich hier alle unbedingt wohlfühlen müssen.

NL: Ein Richtmaß ist, wie Sie sagten, die Landwirtschaft von morgen. Wie könnte sie aussehen?

Kerngast: Aus unserer Sicht ist der entscheidende Faktor, dass die Ökonomie stimmt, dass Landwirtschaft leben kann. Derzeit schafft vor allem Größe immer wieder glänzende Augen. Auf sie allein wird es aber nicht ankommen. Ich darf in diesem Zusammenhang daran erinnern, dass mit Abstand die meisten Nahrungsmittel pro Quadratmeter aus dem Hausgarten der Bäuerin kommen. Wir müssen jedenfalls unbedingt immer wieder klar machen, dass die feingliedrige bäuerliche Landwirtschaft etwas sehr Wertvolles für das ganze Land ist und nicht ein Klotz am Bein!

NL: Eine Schule braucht nichts so sehr wie genug Schülerinnen und Schüler. Wie sieht es damit bei Ihnen aus?

Kerngast: An unserer Schule sind die Zahlen stabil, aber insgesamt leider rückläufig. Wir spüren aber eine Tendenz, die uns sehr zu Gute kommt. Immer stärker gefragt sind Ausbildungen, die den ganzen Menschen betreffen. Dem verdanken wir, dass wir zunehmend von jungen Leuten entdeckt werden, die nicht aus bäuerlichen Familien kommen, aber sich einfach für unsere Ausbildungsschwerpunkte begeistern.

NL: Ändert dieser Perspektivenwechsel auch etwas beim Mädchenanteil an Ihrer Schule?

Kerngast: Derzeit liegt der Anteil bei zehn Prozent, wir freuen uns aber über eine deutliche Zunahme. Das dürfte damit zu tun haben, dass es immer mehr Hofübernehmerinnen gibt und dass mittlerweile bekanntlich auch sehr viele Höfe von Frauen geführt werden. Obwohl die Mädchen noch eine recht kleine Gruppe sind, machen sie sich im Gesamtgefüge der Schule sehr positiv bemerkbar. Sie sind selbstbewusst und wissen ganz genau was sie wollen.

Zur Person

Erich Kerngast ist Direktor der Fachschule Alt-Grottenhof, die im kommenden Jahr mit der Schule Grottenhof Hardt zusammengelegt wird. Er ist verheiratet und Vater von zwei Kindern. Der 59-jährige Schulleiter wuchs als Ältester von drei Brüdern auf einem Bauernhof im Bezirk Südoststeiermark auf. Nach der Matura am Gymnasium in Leibnitz absolvierte er ein Studium an der Universität für Bodenkultur.

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