Das fordern junge Bauern für die Zukunft

Hofübernehmer am Wort: 80 Jungbauern haben ein Ideen-Paket für die Landwirtschaft von morgen geschnürt und dem Minister übergeben.

Die bäuerliche Jugend im Land nimmt ihre Zukunft jetzt selbst in die Hand: „Dass es wir Hofübernehmer unter den heutigen Bestimmungen in einigen Jahren nicht immer leicht haben werden, ist uns bewusst. Darum haben wir den ‚AgrarThink-Tank‘ ins Leben gerufen, eine Diskussionsplattform junger Bäuerinnen und Bauern. Es ist uns wichtig, dass heute jene Vorschläge bringen können, die es morgen tatsächlich betrifft“, weiß Johann Moitzi aus Obdach, der sich neben Josef Kowald junior aus Allerheiligen bei Wildon als einer von zwei Steirern federführend für die Steirischen Jungbauern am Projekt beteiligt hat.

Moitzi

Johann Moitzi war am Projekt beteiligt.

 

Gemeinsam mit 80 weiteren Hofübernehmern haben die beiden Steirer nun 35 Vorschläge für mögliche zukünftige Rahmenbedingungen in der Landwirtschaft erarbeitet, „die notwendig sind, damit der Beruf des Bauern auch noch in einigen Jahren interessant ist.“ Hauptaugenmerk haben die Jungbauern dabei etwa auf eine verstärkte Öffentlichkeitsarbeit gelegt. „Je früher wir unsere Vorschläge präsentieren, umso schneller können sie umgesetzt werden“, spricht Moitzi von einem aufwendigen Themenfindungsprozess. In den vergangenen zwei Jahren haben die Jungbauern jeweils an vier Wochenenden gemeinsam mit Experten aus Landwirtschaft und Handel intensiv über Verbesserungsvorschläge im Obst- und Gemüsebau, der Schweine- und Rinderhaltung und der Forstwirtschaft nachgedacht.

Übergabe

Die jungen Landwirte bei Minister Rupprechter.

Hoffnungsvoll hat das junge Team nun auch sein zehnseitiges Programm mit allen Anliegen persönlich an Landwirtschaftsminister Andrä Rupprechter übergeben. Dieser verspricht auch Unterstützung: „Das ist ein klares Statement für einen zukunftsstarken ländlichen Raum, das ich gerne fördere“, so Rupprechter. Das gesamte Ideen-Paket im Original-Wortlaut finden Sie hier.

Innovation: Die jungen Bauern schlagen eine flächendeckende Innovationsberatung vor, beispielsweise durch die Landwirtschaftskammern. Neuartige und kreative Ideen will man dadurch unterstützen und stärken – von der Idee bis zur Marktfindung. Eine Innovationsplattform soll von Innovationsberatern betrieben werden und Tipps zur Förderung neuer Projekte beinhalten.

Mehr Kooperationen innerhalb der Branchen: Durch den Austausch von Wissen bei Exkursionen oder Weiterbildungsveranstaltungen will man am Ball bleiben. Auch Kooperationen entlang der Wertschöpfungskette werden vorgeschlagen: Ein gutes Verhältnis zu vor- und nachgelagerten Bereichen sei, heißt es, wesentlich, um Verständnis und Akzeptanz zu erlangen.

Naturschutzmaßnahmen sollten in Abstimmung mit den Besitzern der betroffenen Flächen erfolgen. So kann, meint man, Verständnis für Verordnungen und Richtlinien der Europäischen Union geschaffen werden, was Voraussetzung für eine erfolgreiche Umsetzung sei.

Forschung für alternative Anbaustrategien und Eiweißversorgung müssten gefördert, alternative Anbaustrategien für ein qualitativ hochwertiges Grundfutter unterstützt werden. An alternativen Eiweißquellen wie Algen oder Insekten soll verstärkt geforscht werden, um eine breite Anwendung für die Fütterung zu ermöglichen.

Öffentlichkeitsarbeit fördern: Die jungen Hofübernehmer wünschen sich Unterstützung bei kommunikativen Maßnahmen. Etwa durch einen bundesweiten „Tag des offenen Bauernhofes“ können, heißt es, Personengruppen wie Firmen, Familien oder LehrerInnen einen Einblick in das Leben auf einem landwirtschaftlichen Betrieb erhalten.

Regionalität: Das Think-Tank-Team wünscht sich im Lebensmitteleinzelhandel eine stärkere Ausrichtung auf regionale Produkte durch mehr angebotene regionale Produkte im gesamten Sortiment, deren Positionierung auf Augenhöhe und spezielle Regionalregale.

Pflanzenschutz bezeichnet man als „ein sensibles und zugleich wichtiges Thema“: Die jungen Bauern wollen hier in Zukunft stärker als Meinungsbildner auftreten und der Gesellschaft erklären, dass strengere Auflagen nicht zwingend zu einer besseren Umweltqualität führen. Sie führen auch zu einer Schwächung der heimischen Produktion, zu einem Anstieg der Arbeitslosigkeit und zu einer Zunahme des Transitverkehr samt Import aus Ländern mit meist niedrigeren Standards.

Unbefugtes Betreten von Stallungen sorgt bei den jungen Bäuerinnen und Bauern für besondere Emotionen. Ihrer Meinung nach sollte es in diesem Zusammenhang zu einer Verschärfung des Strafrechtes kommen.

Internationale Märkte erschließen! Brücken schlagen bringt, ist man im Think-Tank-Team überzeugt, neue Chancen. Um die Qualitätsproduktion und die Wettbewerbsfähigkeit der Betriebe zu sichern, müssten Produkte unbedingt zu einem wirtschaftlichen Preis vermarktet werden.

Vereinfachung der Auflagen für Kleinbetriebe: Auflagen in der Verarbeitung und Direktvermarktung (etwa bei der Hofschlachtung oder der Milchverarbeitung) sollten in Relation zur Größe von Betrieben erlassen werden. Das darf, heißt es, natürlich nicht zu Qualitätsminderungen führen.

 

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