„Viel Potenzial bei Radurlaubern“

von Karl Brodschneider

Geschäftsführer Erich Neuhold von Steiermark Tourismus über neue Trends im Urlaubsverhalten und die Auswirkungen des Klimawandels.

 

NEUES LAND: Im Tourismusjahr 2018 gab es erstmals in der Steiermark mehr als 13 Millionen Nächtigungen. Glauben Sie, diesen Wert heuer übertreffen zu können?

Erich Neuhold: Ich möchte es nicht ausschließen, denn die Wintersaison war gut. Der späte Ostern-Termin ist für die Tourismuswirtschaft zwar nicht ideal, aber die Anfragen für den Sommer laufen schon gut an. Es ist aber nicht unser Ziel, dass die Steiermark Jahr für Jahr einen neuen Rekord einfährt. Wichtiger ist es, sich als Ganzjahresdestination zu etablieren und die Qualität zu festigen.

 

NL: Welchen Schwerpunkt setzt der Steiermark Tourismus im heurigen Jahr?

Neuhold: Wir setzen einen klaren Schwerpunkt zum Thema Rad. Bei den Radurlaubern gibt es viel Potenzial. Jeder vierte Sommerurlauber fährt Rad. In Deutschland wird der Anteil der Radreisenden auf rund 5,5 Millionen Radurlauber geschätzt. In Holland sind es 1,1 Millionen Menschen, die angeben, in den nächsten drei Jahren einen Radurlaub machen zu wollen. Insbesondere durch den Trend zum E-Bike eröffnen sich große Chancen, zusätzlich Gäste anzusprechen und Österreich als Rad-Destination am niederländischen Markt zu etablieren. Die Berge – für den Holländer auf der einen Seite Faszination, auf der anderen Seite aber eine Hürde – sind zugänglicher. Steigungen können mit dem E-Bike entspannter überwunden werden.

 

NL: Wie wirkt sich der Klimawandel auf den Tourismus aus?

Neuhold: Aufgrund des Klimawandels sehen wir, dass sich manche Freizeitaktivitäten immer mehr zu Ganzjahressportarten entwickeln. Dazu zählen zum Beispiel das Wandern, Radfahren und auch Golf.

 

NL: Andere Trends sind die Digitalisierung und das geänderte Mobilitätsverhalten. Worauf muss sich die Tourismusbranche diesbezüglich einstellen?

Neuhold: In vielen Großstädten ist der öffentliche Verkehr schon so gut ausgebaut, dass man gar kein eigenes Auto mehr braucht. Solche Menschen erwarten sich dann in ihrem Urlaubsort auch ein ähnlich gutes Angebot an öffentlichen Verkehrsmitteln.

 

NL: Was heißt das für Ihre Tätigkeit?

Neuhold: Damit wir als Urlaubsland weiterhin attraktiv bleiben, stellen wir jetzt die Weichen für eine positive Zukunft des heimischen Tourismus. Deshalb wird die neu eingerichtete Forschungsgruppe[KB1]  `Tourismusforschung` bei Joanneum Research wissenschaftlich untersuchen, mit welchen Rahmenbedingungen die heimischen Touristikerinnen und Touristiker in den kommenden Jahrzehnten rechnen müssen.

 

NL: Gab es in letzter Zeit besondere Investitionen in steirische Nächtigungs- und Urlaubsangebote?

Neuhold: Neue Hotels in Graz und große Investitionen in Wohlfühlhotels tragen zur weiteren Attraktivierung des Urlaubslandes Steiermark bei. In der Natur macht der Ausbau der Mariazeller Bürgeralpe neugierig, aber auch der neue Adventurepark am Präbichl, der MTB-Trail auf der Reiteralm und der neue Bankerlweg auf der Hochwurzen ziehen ins Freie.

 

NL: Wie schaut die Tourismuswerbung auf den Hauptmärkten aus?

Neuhold: Es wird sechs Themenkampagnen von Steiermark Tourismus auf den Hauptmärkten Österreich und Deutschland geben, um damit einen Anteil von 80 Prozent der Steiermark-Gäste noch konkreter und klarer zu erreichen.

Infos: www.steiermark.com

 

 

Beitragsbild: Steiermark Tourismus.

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