Mit viel Mut und Energie

Unsere Bäuerin des Jahres, Kathrin Haas, zeigt mit ihrer Familie, wie man sich Problemen stellt und mit betrieblichen Veränderungen aktiv die Zukunft gestaltet.

Viele steirische Apfelbauern stehen derzeit vor einer ähnlichen Situation: weiter zu machen wie bisher scheint durch zahlreiche Faktoren – NEUES LAND berichtete ausführlich – oft nur noch schwer möglich. Besonders jene Gegebenheiten, die von einzelnen Bäuerinnen und Bauern nicht beeinflussbar sind – dazu zählen etwa Produktionsausweitungen in Osteuropa, die Marktmacht des Lebensmittelhandels in Österreich oder die internationale Agrarpolitik – erzeugen bei vielen Landwirten immer wieder Frust und Resignation. Auch Bäuerin des Jahres, Kathrin Haas aus Gnas, und ihre Familie waren mit der Marktsituation im Apfelanbau seit längerem unzufrieden und nahmen mit viel Mut und Engagement große betriebliche Veränderungen vor. Dadurch entstand unter anderem ein völlig neues zweites Standbein: Am Hof werden nun zu allerhand Anlässen wie Hochzeiten, Taufen, Geburtstagen oder Pensionen Feierlichkeiten ausgerichtet.

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Die Idee

Kathrin Haas: „Ein Knackpunkt war sicher, dass drei von vier Kindern großes Interesse daran hatten, am Betrieb tätig zu sein. Dadurch mussten wir uns erst recht etwas einfallen lassen, denn trotz einer funktionierenden Direktvermarktung wäre das mit unserer Betriebsgröße von etwa zehn Hektar und der seit Jahren immer schwieriger werdenden Situation im Apfelanbau nicht möglich gewesen. Auch meine Eltern waren bereit, ihre ganze Energie in die zukünftige Ausrichtung des Betriebs zu stecken.“ Die zündende Idee kam dann eines Tages, als sie von einer Kundin gefragt wurde, ob sie das schöne Hofambiente nicht einmal für eine Feier nutzen könnte.

Die engagierte Jungbäuerin und Absolventin des Tourismus-Kollegs in Bad Gleichenberg ließ diese Chance nicht ungenützt: „So fügte sich eines zum anderen und wie bei einem Puzzle entstand ein völlig neues Betriebskonzept, bei dem wir unsere Stärken nutzen konnten. Meine Erfahrung im Gastgewerbe, die vielen verschiedenen Produkte wie Most, Säfte, Cider und Schnäpse, die wir herstellen, und die wunderbare Aussicht auf unserem Hof passten perfekt zusammen.“ Zusätzlich dazu entschied sich Familie Haas auch noch für die Umstellung auf biologische Produktion und ist damit seit dem Jahr 2016 anerkannt. Haas: „Dadurch sprechen wir einen neuen und jungen Kundenkreis an, der gerne Bioprodukte direkt vom Bauernhof kauft. Die erfahren dann wiederum von unseren Feierlichkeiten, was sich sehr gut ergänzt.“ Für das Jahr 2019 ist sie schon ausgebucht und auch das Standesamt in Gnas ist erfreut über die gute Zusammenarbeit.

Tipps

Kathrin Haas gibt auch noch einen Einblick, was für sie hilfreich bei betrieblichen Veränderungen ist: „Ich konnte immer meinen Weg gehen, da ich von meinen Eltern ausreichend Freiraum bekommen habe. Dadurch konnte ich meinen eigenen Blick auf die Landwirtschaft entwickeln.“ Wichtig für sie ist auch der familiäre Zusammenhalt am Hof: „Ein respektvoller Umgang miteinander ist essentiell. Natürlich kracht es immer wieder mal, aber das ist normal und gut so. Hilfreich sind auch unsere Familienbesprechungen, bei denen jeder seine Sicht der Dinge kundtun darf.“

Beitragsbild: Privat Diesen Artikel drucken Diesen Artikel drucken

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