Interview der Woche: Alois Rauch

von Ewald Wurzinger

Totalausfälle in den steirischen Imkereien: Alois Rauch aus Oedt bei Feldbach über die Gründe für die schlechte Honigernte.

NEUES LAND: Die zweite und letzte Honigernte 2020 ist abgeschlossen. Zwar gibt es enorme Mengen an Blütenhonig, der Waldhonig fällt heuer zur Gänze aus. Warum?

Alois Rauch: In all meinen 130 Bienenvölkern ist vom dunklen Waldhonig keine Spur vorhanden. Hier klagen die meisten Imker im Land über einen hundertprozentigen Ausfall. Der Grund liegt darin, dass es Mitte Mai über Wochen hinweg plötzlich sehr viel Regen und kühles Wetter gegeben hatte und die Bäume ihre Blüten schon weit geöffnet hatten. Die Bienen wollten tagsüber zwar losfliegen, die Honigtauerzeuger konnten aber aufgrund der kühlen Nächte nicht arbeiten. Wir hatten oft unter 15 Grad Celsius, da passiert in den Blüten gar nichts. Schuld ist somit einzig und allein das Wetter.

NL: Sie haben viele Bienenstöcke auf der Alm positioniert. Gab es hier keine Unterschiede in der Ernte?

Rauch: Normalerweise ernte ich bei meinen 32 Wandervölkern auf der Alm nahe Bad Gams 30 bis 50 Kilogramm pro Volk. Heuer waren es 75 Kilogramm insgesamt. Da rentieren sich nicht mal Arbeit und Anfahrt. Zudem muss ich wöchentlich ein bis zweimal hinfahren um die Tiere zu füttern. Sowas habe ich in den letzten 30 Jahren nicht erlebt.

NL: Ihre Honigtanks bleiben leer, genauso die gekauften Gläser. Was bedeutet das für den Kunden?

Rauch: Jedes Bienenjahr ist anders. Der Kunde muss sich am Gaumen immer wieder neu einstellen. Heuer bleibt die Honigauswahl mit dem Blütenhonig lediglich eine süße. Den würzigen Waldhonig wird es nicht geben. Und Honigliebhaber müssen damit rechnen, dass sie für einen Kilogramm Honig höchstwahrscheinlich 50 Cent bis einen Euro  mehr bezahlen müssen. Aber das sind reine Spekulationen.

NL: Wie steht es um die Gesundheit der Tiere? Stichwort Futtervorrat und Varroamilbe.

Rauch: Die kommenden Wochen sind entscheidend. Jetzt geht es um die konsequente Fütterung der Bienen, denn derzeit wird für die Produktion der Winterbienen viel an Energie benötigt. Ich bin mit eintausend Kilogramm mehr Zucker als sonst gerüstet. Vom Bienensterben kann heuer aber keine Rede sein. Die Völker sind derzeit sehr stark aufgestellt, weswegen es auch viele Schwärme gibt. Die Tiere werden draußen in der freien Natur früher oder später nur wenig Futter finden. Wilde Schwärme werden ganz einfach verhungern. Heuer gibt es zudem viele Spät-Schwärme. Normalerweise brechen sie bis Ende Mai aus, jetzt haben wir schon August. Und in den Stöcken muss die Varroamilbe heuer auch konsequent behandelt werden, das verursacht oft die Menge an Bienen.

NL: Wie hat sich die Corona-Krise auf die heimischen Imker ausgewirkt? Honig als gesundes Naturprodukt muss doch gerade jetzt boomen?

Rauch: Honig ist und bleibt beliebt. Entgegen der großen Nachfrage in den heimischen Supermärkten, ist die Kundenfrequenz in unserem Hofladen extrem zurückgegangen. Niemand ist extra für ein Glas Honig gekommen. Das haben die Leute gemieden.

NL: Wo sehen sie die steirischen Imker in zehn Jahren?

Rauch: Natürlich immer noch bei ihren Bienenvölkern. Achten wir im Speziellen auf Insekten und diese Tiere, so wird es sie auch 2030 in dieser Stärke geben. Wichtig ist, dass die Menschen ihre Arbeit bewusst wahrnehmen, nicht jeden Rasen kahlscheren, die eine oder andere Blume stehen lassen. Dann wird es immer Bienen und immer Honig geben. Aber abwarten, Tee trinken und einen Löffel Honig dabei nicht vergessen!

NL: Vielen Dank für das Gespräch!

Zur Person:

In den 1980er-Jahren begann Alois Rauch mit einer kleinen Hobbyimkerei nahe Feldbach. Heute betreut der Südoststeirer mehr als 150 Bienenstöcke im Vollerwerb. Honig, Schnäpse, Liköre, Bienenwachskerzen, Bienenwachsfiguren, Kürbiskernöl, Knabberkerne und viele Geschenkartikel werden am Hof erzeugt und im Bauernladen angeboten. Für seine Produkte wurde der Imkerobmann bereits landes- und bundesweit vielfach ausgezeichnet. Mehr Informationen zum Familienbetrieb finden Sie unter www.imkerei-rauch.at.

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