Weichberger

Im Interview: Robert Strohmaier

von Karl Brodschneider

Pfarrer Robert Strohmaier vom Pfarrverband St. Veit am Vogau-Straß über die Feiern zu Ostern und die Bedeutung der Hauskirche.

 

NEUES LAND: Wie wurde im Pfarrverband St. Veit am Vogau-Straß der Palmsonntag gefeiert?

Robert Strohmaier: Eine Hl. Messe habe ich nicht gefeiert, aber ich habe einen Korb mit Palmbuschen, den mir die Katholische Frauenbewegung gebracht hat, gesegnet und in der St. Veiter Kirche zur freien Entnahme hingestellt.

 

NL: Wie werden in der Pfarre die Osternacht und der Ostersonntag begangen?

Strohmaier: Einem Priester ist es zwar erlaubt, eine Hl. Messe mit vier ausgewählten Personen zu feiern. Aber ich zelebriere keine solche Messe in der geschlossenen Kirche, weil da kommt keine österliche Freudenstimmung auf. Ich bin solidarisch mit den Pfarrbewohnern und feiere die Gottesdienste im Fernsehen mit. 

 

Osterspeisensegnung

NL: In der Bevölkerung unglaublich beliebt sind die Osterspeisensegnungen. Fallen diese in der Pfarre aufgrund der Corona-Krise völlig aus?

Strohmaier: Salopp gesagt, ist die Fleischweihe das achte Sakrament der Steirerinnen und Steirer. Sie wird aber heuer in der herkömmlichen Form nicht stattfinden. Es gibt zwar viele gute Ideen, dass man zum Beispiel mit dem Cabrio oder Oldtimer-Traktor durch die Ortschaften fährt, aber das grundsätzliche Element, das gemeinsame Beten, fehlt. Die Hauskirche ist eingeladen, das Osterfleisch auf den Küchentisch zu stellen, ein Segensgebet zu sprechen und mit Weihwasser zu besprengen. 

 

NL: Wird man als Pfarrer in der jetzigen Situation oft von Menschen kontaktiert, die Angst und Sorgen haben?

Strohmaier: Die Menschen sind irritiert, weil es diese Situation noch nicht gegeben hat. Aber am Land ist es etwas anders, die Natur blüht jetzt auf. Die Menschen haben mehr Bewegungsfreiheit, haben einen Garten. Und unsere Bauern sind mit ihrer Arbeit jetzt sehr beschäftigt und auch abgelenkt. 

 

NL: Führt die Corona-Krise dazu, dass Menschen wieder mehr beten? 

Strohmaier: Der Slogan ,Not lehrt Beten‘ ist gegeben. Da es keinen Gottesdienst gibt, wird jetzt daheim mehr gebetet. Doch das ist ungewohnt, denn das Gebet wurde in das Private verbannt. Vielen Menschen ist es peinlich, zu Hause in der Familie miteinander zu beten. Diese Schranke fällt jetzt.

 

Verschobene Feste

NL: Wie geht es den Menschen damit, dass Taufen, Hochzeiten, Erstkommunion oder Firmung verschoben werden müssen und Begräbnisse nur in Mini-Variante durchgeführt werden können?

Strohmaier: Taufen lassen sich leichter verschieben, bei Hochzeiten ist das schon anders. Einzelne Paare haben ihre Hochzeit schon auf 2021 verschoben. Die Erstkommunion und Firmung werden erst im Herbst stattfinden. Das ist vor allem eine logistische Herausforderung, einen Termin dafür zu finden. Sehr weh tut manchen Menschen, wenn es nach einem Sterbefall zur Urnenbeisetzung nur im engsten Familienkreis kommt.

 

NL: Wie geht es Ihnen persönlich mit der Coronavirus-Krise?

Strohmaier: Als Pfarrer habe ich schon ein bedrückendes Gefühl, wenn das größte Fest der ganzen Christenheit nicht wie üblich gefeiert werden kann. Derzeit habe ich viel Zeit, die ich zum Lesen, zu mehr Gebet und zum Schreiben der Osterpost nütze. Ich glaube aber, dass die Krise beim Menschen den Blick auf das Wesentliche schärfen kann. Und ich hoffe, dass der Mensch nach der Krise nicht der Vergesslichkeit zum Opfer fällt.

 

Zur Person

Robert Strohmaier (50) wuchs in St. Peter a. O. auf.  Zuerst erlernte er den Bäckerberuf, absolvierte dann das Theologiestudium und wurde im Jahr 2000 zum Priester geweiht. Danach war er in Feldbach und Leibnitz Kaplan und wurde Pfarrer in St Magdalena-Unterrohr-St. Johann. Seit 2013 ist Strohmaier Pfarrer im Pfarrverband St. Veit am Vogau-Straß.

 

Beitragsfoto: Barbic

 

 

 

 

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