Heuer weniger Wallfahrer unterwegs

von Karl Brodschneider

Heuer fehlen die großen Wallfahrtsgruppen, aber die Lust an mehrtägigen Fußmärschen zu bekannten Wallfahrtsorten ist nach wie vor da.

In den letzten Jahren haben Wallfahrten einen richtigen Boom erlebt. Heuer im Corona-Jahr ist aber alles anders. In Mariazell, dem bedeutendsten Wallfahrtsort Österreichs, beträgt der Einbruch 80 Prozent. „Es gibt kaum mehr Wallfahrtsgruppen! Die meisten Besucher sind Einzelpilger oder Touristen“, berichtet der Mariazeller Superior P. Michael Staberl. Auch zahlreiche große Wallfahrten mussten für heuer abgesagt werden. Dazu zählen die stets Ende August stattfindende Kroatenwallfahrt und die traditionelle Wallfahrt des Steirischen Bauernbundes.

Auch in kleineren Wallfahrtsorten gibt es das gleiche Bild. „Bis jetzt ist heuer kein einziger Pilgerbus zu unserer schönen Wallfahrtskirche gekommen“, berichtet der Pfarrer von St. Veit, Robert Strohmaier. „Sonst feiern auch Wallfahrer-Gruppen, die nach Medjugorje fahren oder von dort kommen, bei uns Hl. Messen – heuer gar nichts!“

Tourismus leidet

An den Folgen der ausbleibenden Wallfahrer leiden auch die örtlichen Gastronomie- und Beherbergungsbetriebe. Schließlich sind Wallfahrten im heimischen Tourismus zu einer immer wichtiger werdenden Nische geworden.

Rupert Stipper

Ökonomierat Rupert Stipper aus St. Stefan ob Stainz begann als 70-jähriger mit Fußwallfahrten. Jetzt ist er 80 und war erst kürzlich fünf Tage lang nach Mariazell unterwegs.

Warum Menschen überhaupt in einen Wallfahrtsort pilgern, hat verschiedene Gründe. Ökonomierat Rupert Stipper aus St. Stefan ob Stainz war in der Vorwoche fünf Tage zu Fuß mit einer Gruppe nach Mariazell unterwegs. Der 156 Kilometer lange Weg führte von St. Stefan ob Stainz über den Schöckl, die Teichalm und Stanglalm zur Rotsohlalm, auf die Hohe Veitsch, nach Mooshuben und weiter nach Mariazell. „Das ist kein Spaziergang“, gesteht der 80-jährige Altbauer. „Das Ankommen in der Basilika, das Niederknien vor der Gnadenmutter und ihr Dank sagen und auch Bitten aussprechen – das ist schon ein besonderer Höhepunkt!“

kleine Wallfahrergruppe

Die Bäuerin Iris Herzog aus Großstübing (4. v. r.) unternimmt seit 2014 regelmäßig Fußwallfahrten nach Mariazell.

Die Bäuerin Iris Herzog aus Großstübing pilgerte kürzlich auch nach Mariazell. 2014 ließ sie sich von ihrem Ehemann Sepp das erste Mal zum Mitgehen überreden. „Für seine damalige Hartnäckigkeit und Bestimmtheit bin ich ihm heute noch dankbar“, gesteht sie. „Das Pilgern verlangt von einem körperlich viel ab, ist aber unglaublich bereichernd“, meint Herzog. „Oft wird gemeinsam inne gehalten mit einem Gebet. Es wird viel gelacht, gesungen, aber auch geweint.“

Am Franziskusweg

Hans Mayer

Der Hengsberger Bürgermeister Hans Mayer beschritt mit diesem Wanderstab den Jakobsweg.

Hans Mayer, Bürgermeister von Hengsberg, zieht es bei seinen Wallfahrten in ganz andere Gefilde. Er zählt auf: „Jakobsweg, Frankenweg oder Franziskusweg!“ Im Regelfall war er mit Gleichgesinnten drei Wochen unterwegs. Dort, wo sie aufhörten, machten sie ein Jahr später weiter. Warum das alles? „Es hat schon mit dem Glauben zu tun. Man trägt ganz lange diese Sehnsucht in sich, sie lässt einen nicht mehr los“, sagt Mayer.

Der Rucksack am Rücken darf maximal zwölf Kilo wiegen, inklusive der gefüllten Wasserflasche, die er als den „wichtigsten Ballast“ bezeichnet. Am Ziel angelangt, teilt er mit vielen anderen die Erfahrung: „Man freut sich angekommen zu sein und spürt gleichzeitig eine Wehmut, weil es vorbei ist.“

Noch nicht vorbei ist die Wallfahrt für die Landjugend Steiermark. In der nächsten Woche sind die Burschen und Mädchen aus allen Bezirken auf drei Routen zwischen zwei und sieben Tagen unterwegs. „Mit knapp 300 Teilnehmern haben wir heuer eine Rekordbeteiligung“, heißt es aus dem Landjugend-Büro. 

 

Beitragsfotos: Landjugend, privat (2), Brodschneider

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